Das kommt nicht wieder vor. Also ein Jahr wie 2020, meinen wir. Hoffentlich! Was hatten wir nicht alles vor mit unserem schönen neuen Dauertestwagen! Wollten uns von ihm seine südfranzösische Heimat zeigen lassen (er rollte in Tournon-sur-Rhône, etwa 80 Kilometer südlich von Lyon, vom Band). Mit kartonweise Côtes-du-Rhône-Weinen seine Transportkapazitäten ausloten. Auf schmalen Pyrenäensträßchen schließlich Frankreich hinter uns lassen und einfach immer weiter der Sonne folgen. Allein – es sollte nicht sein. Zumindest nicht so, denn ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Firma Chausson (sie feierte ihren 40. Geburtstag mit einem voll ausgestatteten Sondermodell, eben unserem 627GA) kam etwas Unsichtbares dazwischen.

Der Ford Transit hat sich als Basisfahrzeug bewährt

Chausson 627GA
Tadelloses Fahrverhalten und eine komfortable Abstimmung machten auch lange Touren zum Vergnügen.
Sie, liebe Leser, wissen natürlich mindestens so gut wie wir, worum es geht. Schließlich mussten die meisten ihre Tourenpläne ändern. Aber: Wie alle anderen haben auch wir das Beste draus gemacht, sind mit dem Wohnmobil losgefahren, wenn wir durften, und dorthin, wo wir konnten. So ist auch dieses Fahrtenbuch schön voll geworden. Was wir darin immer wieder lesen: Wie geräumig und komfortabel der Chausson-Aufbau ist, wie angenehm die hellen Farben und plüschigen Polster. Und: Wie gut sich der Ford Transit als Basisfahrzeug macht! Bei Chausson stellt er für viele Grundrisse die Alternative zum Ducato dar. Unser Jubiläumsmodell war sogar mit der starken 170-PS-Maschine und der Sechsstufen-Wandlerautomatik ausgestattet, die viel Lob für ihr komfortbewusstes Wesen erhielt. Wie das sanft abgestimmte Fahrwerk, das auch grobe Unebenheiten der Fahrbahn souverän dämpfte. Dass es dabei dennoch stets sicher und gut kontrollierbar zuging, ging auch auf Rechnung des blitzschnellen ESP und der standfesten Bremsen. Störend fielen beim Fahren die starken Windgeräusche vom Panorama-Dachfenster auf, zunehmende Knistergeräusche ebenfalls. Außerdem blieb die Reichweite bei nur um die 500 Kilometer. "Bei gedrehten Sitzen Längsverstellung umständlich", schrieb AUTO BILD-Kollege Matthias Moetsch ins Fahrtenbuch – stimmt, denn der Griff dafür blieb immer vorn. Trotz Höhenverstellung erreichten sie auch nicht das Niveau der anschließenden Sitzbänke. Praktisch hier: der selbst rückstellende Handbremshebel.

Die Küche überzeugte auf ganzer Linie

Chausson 627GA
Am großen Klapptisch schmeckt jede Mahlzeit noch mal besser.
Eine Besonderheit in der gemütlichen L-Sitzgruppe war der optionale fünfte Sitzplatz (440 Euro), der sich durch eine einsteckbare Rückenlehne hinter dem Beifahrersitz entgegen der Fahrtrichtung aufbauen ließ. Der stabile Ausklapptisch war höhenverstell- und drehbar. Darüber hing das elektrisch ab- und auffahrende Hubbett (800 Euro). Mit einsteckbarem Herausfallschutz zu beiden Seiten und der stabilen Einhängeleiter eignete es sich auch gut für Kinder. Herabgesenkt versperrte es jedoch teilweise die Aufbautür. Diese gefiel mit ihrer Zentralverriegelung, irritierte aber mit dem nicht komplett auf 90 Grad öffnenden Deckel des integrierten Abfalleimers. Volle Müllbeutel ließen sich dadurch nicht so leicht entnehmen. Mit drei geräumigen Schubladen, Unter- und Dachschrank sowie großem Spülbecken und piezogezündetem Dreiflammenkocher wusste die Küche hingegen zu überzeugen. Auch eine ausklappbare Arbeitsflächenerweiterung fehlte nicht. Im Anschluss folgte die AES-Kühl-Gefrier-Kombi. Sie reagierte empfindlich auf Neigung; ein nerviges Piepsen forderte dann zum Einsatz von Wasserwaage und Auffahrkeilen. Darüber lässt sich ein TV einbauen, dessen Anschlüsse (wie die für eine Solaranlage) bereits vorinstalliert sind.

Nach dem Duschen musste stets der Lappen zum Einsatz kommen

Chausson 627GA
Geräumiges, pflegeleichtes Bad mit viel Stauraum im Spiegelschrank.
Gegenüber stand das Bad. Es überzeugte mit viel Platz, einem geräumigen Schiebetür-Spiegelschrank und dank Membranpumpe kräftigem Wasserdruck aus der Dusche. Allerdings musste nach dem Planschen immer zum Lappen gegriffen werden – die Türen schlossen nicht bodenbündig ab. Als überaus bequem erwiesen sich die Einzelbetten im Heck. Unter ihren Fußenden befanden sich zwei Kleiderschränke, und über einen Auszug mit integriertem Tritt ließ sich eine schöne Liegewiese aufbauen. Den Abschluss bildete ein großzügiger Heckstauraum, der serienmäßig über zwei Außenklappen zu beladen war. Prima hier: die flächenbündig schließenden Verriegelungsgriffe.

Kleinigkeiten trübten das Gesamtbild

Bei so vielen Qualitäten wunderte es umso mehr, dass eine nicht ausreichend befestigte Trittabdeckung zwischen den Vordersitzen oder nachlässig aufgetragene Dichtmasse am Rahmen der Aufbautür den Gesamteindruck trüben wollten. Auch die losen Kabelverbindungen an einer Verteilerschiene, die für einen Werkstattaufenthalt sorgten, hätten nicht sein müssen. Vom Anspruch der Konstrukteure zeugten ansonsten nämlich einige Besonderheiten. Wie die 4-kW-Dieselheizung, die auch während der Fahrt betrieben werden konnte, der dicke Wandaufbau, der außen rundum aus GFK besteht, oder die praktische Servicebox, in der Elektrik und Wassertank voneinander getrennt untergebracht sind.

Bildergalerie

Chausson 627GA
Chausson 627GA
Chausson 627GA
Kamera
Dauertest-Abschluss: Chausson 627 GA Jubiläumsedition
Fazit: Es lohnt sich doch immer, mal etwas Neues auszuprobieren: Der Ford Transit überzeugte als komfortables, einfach zu bedienendes Basisfahrzeug. Auch sein Verbrauch ging, gemessen an der Motorleistung, in Ordnung, es gibt reichlich Ablagen im Armaturenbrett und eine perfekte Übersicht dank großer Scheiben und Spiegel. Der Aufbau bietet bis auf die genannten Schwächen im Detail ebenfalls viel Komfort – besonders hinsichtlich Gestaltung, Stauraum und Bewegungsfreiheit. AUTO BILD REISEMOBIL-Urteil: 3,5 von fünf Punkten.