Ein Rascheln, ein Brummen – danach quietschende Autoreifen. Rücksichtsloses Rückwärtsfahren aller anwesenden Verkehrsteilnehmer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Mitten in der wunderschönen Hochebene des Yellowstone Nationalparks. Es gibt nur eine Erklärung: Das muss er sein, der so heiß ersehnte Bär, den jeder USA- oder Kanada-Urlauber einmal im Leben vor seine Linse kriegen will. Nichts wie hin – es sind nur ein paar Meter. Und da taucht er auf, "mein" erster Grizzly außerhalb eines deutschen Tierparks. Er zottelt geschmeidig einen Geröll-Abhang hinunter, überquert seelenruhig die Straße, ohne uns gaffende Touristen auch nur eines Blickes zu würdigen. Dann tapst er zum Ufer des Yellowstone River, um nach Fisch zu jagen. Er ist majestätisch, er ist wild und irgendwie auch total schnuckelig – ich liebe ihn. Und es dauert nur ein paar Sekunden, dann hat mein felliger Freund auch schon seine erste schöne Regenbogenforelle zwischen den Hauern. Von nun an hasse ich ihn!

Fernweh? Hier geht es zu unserer Reiseseite

Grizzlybär
Glücksfall für jeden Kanada- und USA-Urlauber: Ein Grizzlybär kreuzt unseren Weg.
Warum? Während zehn traumhafter Tage in British Columbia und dem Nordwesten der USA (Montana, Idaho, Wyoming, Oregon, Washington) nehme ich fast jedes Bächlein und jeden Tümpel mit meiner Angelrute unter Beschuss. Fische? Null! Darüber kann Meister Petz nur lachen. Und nicht nur er: Seeadler, Robben, Fischotter, Schlangen – unzählige Tiere fischen mir einen vor. Also weg mit der Angelrute und der daraus resultierenden Schmach. Ab hinters Steuers des bärenstarken Chevrolet Tahoe LT (aufgrund seine Geländetauglichkeit und dem großen Tank der perfekte Reisebegleiter in diesen Regionen, zu mieten zum Beispiel bei Hertz), Countrysender an und einfach cruisen. Auf 6050 nie langweilig werdenden Kilometern von Vancouver über Castlegar, Kalispell, Great Falls, Jackson Hole, Baker City, Portland, Seaside und Port Angeles zurück zum Ausgangspunkt der Reise.
Perrine Bridge
Bei Twin Falls (Idaho) überquert man den Snake River (Schlangefluss) über die 148 Meter hohe Perrine Bridge.
Egal, ob in den ewigen Wäldern von British Columbia oder der kargen Einöde und den weiten Getreidefeldern von Idaho und Montana, der Reisende kann sich fernab von lärmenden Interstates (diese typischen, achtspurigen Mega-Autobahnen) und pulsierenden Metropolen komplett entspannen und eine unberührte Natur genießen. Vorausgesetzt, er fährt gern Auto. Denn die kleinen, einspurigen Highways ziehen sich Hunderte von Kilometern über riesige Bergkuppen und an kurvigen Flussläufen entlang, ohne dass einem eine Menschenseele begegnet. Herrlich! Hinter jeder Ecke kann urplötzlich ein stattlicher Bison oder ein riesiger Elch auftauchen. Wem irgendwann doch nach Highlife und Halligalli ist, besucht einfach einen der vielen Nationalparks in dieser Gegend. Ob Yellowstone, Glacier, die Grand Tetons oder entlang der Columbia River Gorge – hier treffen sich Touristen alle Herren Länder zum kollektiven Staunen.

Fisch und Steak an jeder Ecke

Um das leibliche Wohl muss man sich auch keine Sorgen machen. Wer die bekannten Fastfood-Ketten ansteuert, ist selber Schuld. Denn fast jedes schnuckelige Westernstädtchen hat entlang der Hauptstraße ein gutes Fischlokal oder ein anständiges Steakhouse zu bieten – kein Wunder, wo doch Rind, Reh oder Lachs vor der Haustüre groß werden. Für das flüssige Wohl sorgen diverse Micro Brewerys (Hausbrauereien), die im Nordwesten der Staaten zahlreich vertreten sind. Gutes und günstiges Übernachten entlang der Strecke bieten die Motels Days Inn, Quality Inn, Rodeway Inn oder Holiday Inn Express. Zelten ist auch fast überall erlaubt. Aber Vorsicht: Vergessen Sie nicht, Ihr schokoladiges Betthupferl entweder rechtzeitig zu vertilgen oder in sicherer Entfernung an einen Ast oder eine Wäscheleine zu hängen. Sonst bekommen Sie eventuell Besuch von meinem Freund, äh Feind, dem Grizzlybär.