China-Winterreifen und Ganzjahresreifen getestet
Was taugen Billigreifen aus China im AUTO BILD-Test?

Wer beim Reifenkauf sparen will, landet schnell bei günstigen Marken aus China. Namen wie Linglong, Goodride, Westlake, Giti oder Tracmax sind im Internet oft für deutlich weniger Geld zu haben als Premiumreifen von Continental, Michelin, Pirelli oder Bridgestone. Doch wie groß ist der Unterschied bei der Sicherheit?
Bild: Toni Bader/AUTO BILD
AUTO BILD hat aktuelle Bremsversuche mit Ganzjahres- und Winterreifen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen: Einige Billigmarken sind mittlerweile durchaus konkurrenzfähig. Andere weisen dagegen gravierende Schwächen auf, die im Ernstfall entscheidende Meter Bremsweg kosten können. Grundlage sind die Messungen aus unseren aktuellen Tests mit den Reifenformaten 225/45 R17 (Ganzjahresreifen) und 245/45 R19 (Winterreifen).
Nicht alle China-Reifen sind gleich schlecht
Zunächst ist wichtig: Unter den häufig als "China-Reifen" bezeichneten Produkten finden sich unterschiedliche Qualitätsstufen. (Zum Winterreifen-Test 225/55 R 18)
Zu den etablierten asiatischen Herstellern zählen beispielsweise Giti und GT Radial (Singapur), Nankang (Taiwan) oder Linglong. Diese Marken haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und schneiden inzwischen deutlich besser ab als klassische Billigmarken.

Langer Bremsweg: Ein Billigreifen aus China brauchte ganze 20 Meter mehr als der beste Ganzjahresreifen im Bremstest.
Bild: Toni Bader/AUTO BILD
Am anderen Ende des Spektrums stehen zahlreiche Niedrigpreisanbieter wie Tracmax, Sunny, Black Arrow, Lanvigator, Autogreen, Goodride, Westlake oder Arivo, die vor allem über den Preis verkaufen und in unabhängigen Tests regelmäßig schwächere Ergebnisse erzielen. Die aktuellen AUTO-BILD-Bremsversuche bestätigen diese Einordnung weitgehend.
Bis zu 20 Meter Unterschied beim Bremsweg
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede bei Nässe. Der Ganzjahresreifen mit dem kürzesten Bremsweg auf nasser Strecke war im Test der Celsius 2 des japanischen Herstellers Toyo mit einem Bremsweg von lediglich 42,1 Metern aus 100 km/h. Kurz dahinter folgen Vredestein mit 42,8 Metern und Bridgestone mit 42,9 Metern.
Die besten asiatischen Budgetmarken halten noch einigermaßen Anschluss:
- Linglong Sport Master 4S: 47,3 Meter
- GT Radial ClimateActive: 48,1 Meter
- Giti AllSeason AS2: 48,7 Meter
Gegenüber dem Toyo benötigt der Linglong jedoch bereits 5,2 Meter mehr Bremsweg, der GT Radial 6 Meter mehr und der Giti sogar 6,6 Meter mehr. Bei den klassischen Billigreifen wird es kritisch, wie die Tabelle zeigt:
Ganzjahresreifen: Bremstest auf Nässe*
Reifen | Bremsweg (Meter) |
|---|---|
Tracmax | 52,9 |
Black Arrow | 55,7 |
Sunny | 56,5 |
Lanvigator | 57,6 |
Autogreen | 58,3 |
Goodride | 60,5 |
WestLake | 60,7 |
Arivo | 62,2 |
Am gravierendsten fällt der Vergleich zwischen dem Toyo-Reifen und dem Schlusslicht Arivo aus: Während der Toyo bereits steht, fährt der Arivo noch 20,1 Meter weiter.
Selbst beste Budgetmarken verlieren mehrere Meter
Auch bei den Winterreifen haben wir für den Vergleich die Bremswege beim Bremstest auf Nässe (hier aus 80 km/h) ausgewertet.
Den Maßstab setzen erneut die Premiumhersteller:
- Pirelli: 33,0 Meter
- Continental: 33,9 Meter
- Michelin: 35,9 Meter
- Hankook: 36,3 Meter
Die besten asiatischen Budget- und Mittelklassemarken liegen hier bereits einige Meter dahinter:
- GT Radial: 39,2 Meter
- Landsail: 39,2 Meter
- Giti: 39,7 Meter
- Crosswind: 40,5 Meter
- Linglong: 40,6 Meter
- Wanli: 40,8 Meter
- Gripmax: 40,8 Meter
Gegenüber dem führenden Pirelli benötigen diese Reifen zwischen 6 und 8 Meter mehr Bremsweg auf nasser Fahrbahn. Noch deutlicher werden die Defizite am Tabellenende:
Winterreifen: Bremstest auf Nässe*
Reifen | Bremsweg (Meter) |
|---|---|
Goodride | 44,6 |
Sunny | 44,7 |
Tourador | 45,7 |
Tracmax | 46,7 |
Leao | 47,5 |
Rotalla | 47,9 |
Windforce | 49,3 |
Royal Black | 49,7 |
Triangle | 50,6 |
Zwischen dem Pirelli und dem Triangle liegen 17,6 Meter Bremsweg. Das entspricht mehreren Fahrzeuglängen.
Fazit
Die aktuellen AUTO BILD-Bremstests zeigen ein differenziertes Bild. Die Zeiten, in denen jeder chinesische Reifen automatisch ein Sicherheitsrisiko war, sind vorbei. Hersteller wie Linglong, Giti oder GT Radial haben aufgeholt und liefern Ergebnisse, die – zumindest bei den Winterreifen – zwar nicht an die Premiumspitze heranreichen, für viele Fahrer aber noch akzeptabel sind.
Gleichzeitig offenbaren zahlreiche Billigmarken erhebliche Schwächen. Auf nasser Fahrbahn liegen zwischen guten Premiumreifen und den schlechtesten China-Produkten teils 20 Meter Bremsweg. Diese Unterschiede können im Ernstfall darüber entscheiden, ob ein Unfall gerade noch vermieden wird oder nicht.
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