Eine ordentliche Leistungssteigerung von bis zu 30 Prozent für ein paar Hundert Euro? Und das ganz ohne Umbauten am Motor? Chiptuning macht es möglich. Durch Eingriffe in die Motorsteuerung gibt es so auf ganz einfachem Weg mehr Leistung. Der Gedanke, der dahintersteckt, ist simpel: Die Hersteller schöpfen die Kapazität ihrer Motoren ab Werk nicht voll aus. Sie finden einen Kompromiss zwischen Leistung, niedrigem Verbrauch, Einhaltung der Abgasnormen und Langlebigkeit der Motoren. Entsprechend verfügen viele Serienmotoren noch über thermische und mechanische Reserven.
Trotzdem greift das Nummer-eins-Argument von Chiptunern, die Leistungssteigerungen seien unbedenklich, da es denselben Motor meistens in verschiedenen Leistungsstufen gibt, nicht unbedingt. Ein gutes Beispiel ist etwa der EA888-Motor aus dem VW-Konzern. In der 2.0-Liter-Ausführung wurde er in Leistungsstufen von 190 bis 310 PS verbaut. Mit zunehmender Leistung werden aber auch Komponenten des Antriebsstrangs verändert: Es werden zum Beispiel andere Steuergeräte, Turbolader, Einspritzventile, Zylinderköpfe, Kolben und Pleuel verbaut – je mehr PS, desto hochwertiger die Technik. 
Aus vielen Motoren kann zwar immer noch etwas Mehrleistung gekitzelt werden. Damit man sich dabei aber nicht verspekuliert und der Motor in Nullkommanichts hinüber ist, sollte man das Tuning unbedingt renommierten, seriösen Profis überlassen. AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen zum Chiptuning:

Was ist eigentlich Chiptuning?

Mehr PS mit Risiko
Ohne Steuergerät geht nichts – ist es kaputt, läuft der Motor nicht mehr.
Bild: AUTO BILD
Über die Anpassung der Motorsteuerung lässt sich bei vielen Motoren eine Leistungssteigerung erzielen. Und zwar ganz ohne den Austausch von Bauteilen. Das Ganze wird umgangssprachlich als Chiptuning bezeichnet. Die Theorie dahinter ist einfach: Die Motorsteuerung überwacht diverse Parameter (zum Beispiel Temperatur, Last etc.) über verschiedene Sensoren. Entsprechend der Sensor-Daten passt das Steuergerät das Fahrverhalten an und reguliert u. a. Kraftstoffeinspritzung, Zündwinkel und Ladedruck.
Kurz gesagt: Der Job des Steuergeräts ist es, für optimales Fahrtverhalten unter den aktuellen Gegebenheiten sowie unter Beachtung der Abgasnormen zu sorgen. In welcher Situation das Steuergerät wie reagiert, hat der Hersteller in den sogenannten Motorkennfeldern festgelegt. Mittels Chiptuning wird in diesen Prozess eingegriffen, indem entweder die Kennfelder selbst verändert oder dem Steuergerät falsche Werte übermittelt werden.
Übrigens: Genauso schnell, wie der Wagen per Chiptuning schneller gemacht wird, kann ein Software-Update beim Hersteller das ganze Tuning wieder zunichtemachen und den Wagen "zurücksetzen".

Welche Methoden für Chiptuning gibt es?

Mehr PS mit Risiko
Oftmals muss nicht mal die Haube geöffnet werden: Die OBD2-Schnittstelle macht's möglich.
Bild: AUTO BILD
OBD2: Autos, die nach 2000 zugelassen wurden, verfügen über eine standardisierte OBD2-Schnittstelle zur Fahrzeugdiagnose. Bei einigen Autos kann über diese Schnittstelle auch die Software des Motorsteuergeräts ausgelesen und überschrieben werden.
BDM: Bei Modellen, die das Software-Schreiben über OBD2 nicht zulassen, muss das Steuergerät ausgebaut und mit speziellen Adaptern (z. B. BDM-Port) direkt angesteuert werden. Diese Schnittstellen nutzen auch die Hersteller, um ihre Software auf das Steuergerät zu schreiben. Da die Hersteller Eingriffe in ihre Software vermeiden wollen, erschweren sie den Zugang zum Steuergerät. Die Platinen sind oft verklebt und verschraubt. Hier ist viel Wissen und Fingerspitzengefühl gefragt, um das Motorsteuergerät nicht zu zerstören.
Löten: Bei älteren Autos, die noch keinen Prozessor haben, werden die Chips (E-Proms), die auf dem Steuergerät sitzen, ausgelötet, mit einem speziellen Tool überschrieben und anschließend wieder eingesetzt. Alternativ kann auch ein ganz neuer Chip verwendet werden. Daher kommt auch die Bezeichnung "Chiptuning".
Tuning-Box: Die Tuning-Box ist ein Modul, das zwischen Sensoren und Motorsteuergerät geschaltet wird. Es ändert die Messdaten der Sensoren und gaukelt dem Steuergerät andere Werte vor, sodass mehr Kraftstoff eingespritzt oder der Ladedruck erhöht wird.

Ist Chiptuning schädlich für den Motor?

Die klare Antwort ist: ja! Da die Leistungssteigerung über mehr Sprit und mehr Luft herbeigeführt wird, steigt automatisch die Belastung und damit auch der Verschleiß im Motor. Das geht zu Lasten der Lebensdauer.
Mehr Dampf mit Risiko
Zu viel für den Turbo: Er hält der hohen Drehzahl durch die erhöhte Luftzufuhr nicht immer stand.
Bild: AUTO BILD
Erhöhter Verschleiß ist aber noch der Optimalfall. Oft können viele Bauteile des Motors und des Antriebsstrangs den hohen Belastungen nicht lange standhalten. Zum Beispiel der Turbolader: Mehr Luft gibt es nur über höhere Drehzahl, und dafür sind die Schaufelräder des Turboladers meist nicht ausgelegt. Das nächste Problem: Die Zusatzmenge Sprit muss durch die serienmäßigen Einspritzdüsen gedrückt werden. Das geht nur durch Verlängerung der Einspritzdauer. Dadurch wird dann häufig noch auf den bereits abwärts sausenden Kolben gespritzt. Der überhitzt dabei, zudem läuft unverbrannter Sprit in den Rußfilter. Spätestens beim Freibrennen kann der mit Ruß und Kraftstoff gesättigte Filter bei Temperaturen jenseits 1000 Grad schlicht schmelzen.
Ähnlich sieht es auch bei Benzinmotoren aus, deren Katalysator wird bei zu hohen Temperaturen stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Kraftübertragung leidet. Zuerst das Zweimassenschwungrad, das exakt auf das normale Drehmoment abgestimmt ist. Mehr Zugkraft quetscht die Dämpfungsfedern darin bis zum Anschlag zusammen, im Extremfall platzt das Schwungrad. Aber auch Kupplung und Getriebe sind mit höheren Leistungen schnell überfordert.
Selbst wenn all diese Schäden ausblieben, bleibt noch das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Schließlich tendiert man dazu, einem Motor mit mehr Dampf eher mal die Sporen zu geben. Allein das lässt Belastung und Verschleiß im Motor steigen.

ODB2-DIagnosegeräte im AUTO BILD-Test

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Welche weiteren Nachteile hat Chiptuning?

  • Neben dem erhöhten Verschleiß ändert sich auch das Geräuschverhalten. Das Motorengeräusch kann durch Chiptuning lauter werden.
  • Der Fahrzeugwert wird vermindert. Gebrauchtwagenkäufer machen in der Regel einen Bogen um gechippte Autos, da der Motor hohen Belastungen ausgesetzt ist.
  • Zulassung des Chiptunings: Das Tuning muss vom TÜV abgenommen und eingetragen werden. Gibt es noch keine ABE, muss eine teure Einzelabnahme erfolgen, ansonsten erlischt die Betriebserlaubnis.
  • Die Kfz-Versicherung muss ebenfalls benachrichtigt werden, der Tarif verteuert sich ggf.

Chiptuning: unbedingt zum Profi!

Wer mit der softwarebasierten Leistungssteigerung ein paar PS mehr aus seinem Wagen kitzeln will, sollte unbedingt einen Profi aussuchen. Denn hier kann man davon ausgehen, ausgereifte Software zu bekommen, die individuell auf den Wagen abgestimmt ist. Das ist wichtig, um Schäden vorzubeugen. Zudem wird der Tuner professionell beurteilen, ob ein Chiptuning bei dem jeweiligen Auto überhaupt möglich bzw. lohnenswert ist. Plus: Bei seriösen Betrieben gibt es eine Garantie auf das Chiptuning, sodass man bei Schäden bis zu einer gewissen Grenze abgesichert ist.

Was kostet Chiptuning?

Bei den Kosten kommt es vor allem darauf an, auf welche Weise der Wagen getunt wird. Eine Tuning-Box gibt es schon für 20 Euro. Allerdings haben diese meist weder eine Zulassung noch sind sie fein auf den jeweiligen Motor abgestimmt. Teurere Varianten kosten schon um 300 Euro. Hier gibt es dann aber wenigstens auf den jeweiligen Motor abgestimmte Tuning-Boxen. Seriöse Anbieter von Tuning-Boxen bieten zudem eine Garantie für den Motor. Das individuelle Chiptuning vom Profi kostet je nach Motor zwischen 500 und 1000 Euro.

FAQ - Chiptuning

Benötigt ein chipgetunter Motor besondere Pflege?

Wie bei Serienmotoren ist auch hier die Pflege maßgeblich mit dafür verantwortlich, wie lange der Motor hält. Bei chipgetunten Wagen bedeutet das vor allem häufigere Ölwechsel. Mindestens einmal im Jahr bzw. alle 15.000 Kilometer ist empfehlenswert, auch wenn der Hersteller ein anderes Intervall vorgibt. Einige Tuner schwören dabei auf den Einsatz spezieller Leichtlauföle (z. B. 0W40, Herstellervorgaben beachten!). Wer das Tuning beim Profi machen lässt, kann sich hier auch erkundigen, welches Öl am besten ist. Das Gleiche gilt andersherum beim Abkühlen: Die Belastung für Motor, Kühl- und Ölpumpe ist höher, daher besser den Motor vor dem Abstellen mit niedrigen Drehzahlen kurz abkühlen lassen (auch wenn Öl- und Kühlkreislauf bei modernen Autos nach dem Ausstellen des Motors noch nachlaufen). Und: Service-Intervalle einhalten.

Bleibt die Herstellergarantie erhalten?

Der Hersteller gibt verständlicherweise keine Garantie auf fremde Umbauten, dementsprechend erlischt die Garantie mit der Leistungssteigerung. Allerdings erlischt nur die Garantie auf Teile, die durch das Chiptuning beeinträchtigt werden. Geht in der Garantielaufzeit etwas anderes kaputt (z. B. das serienmäßige Autoradio), besteht für diese Teile nach wie vor Garantie. Bei seriösen Anbietern gibt in der Regel der Tuner eine eigene Garantie für Motor und Antriebsstrang.

Was kostet die Eintragung beim TÜV?

Das Chiptuning muss vom TÜV abgenommen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Ansonsten erlischt die Kfz-Zulassung. Renommierte Tuner haben für ihr Chiptuning bereits ein Teilegutachten oder eine ABE. Die Abnahme beim TÜV kostet dann meist nur zwischen 30 und 50 Euro. Liegt für das Tuning weder Teilegutachten noch ABE vor, muss eine kostspielige Einzelabnahme erfolgen. Meist liegt der Preis dafür bei mehreren Hundert Euro. Deswegen ist es ratsam, sich an einen Tuner zu wenden, der für das Chiptuning bereits Teilegutachten oder ABE anbietet. Die Gebühr für die Eintragung in den Fahrzeugschein bei der Kfz-Behörde liegt noch mal bei rund 20 Euro.

Muss ich das Tuning der Kfz-Versicherung melden?

Ja, die Mehrleistung muss in die Fahrzeugpapiere eingetragen und auch der Kfz-Versicherung gemeldet werden. Der Tarif wird dadurch gegebenenfalls etwas teurer, da die Motorleistung eines vieler Kriterien ist, nach denen sich der Versicherungsbeitrag berechnet. Wird dem Versicherer das Tuning verschwiegen, sind spätestens bei einem Schaden Probleme mit der Versicherung programmiert.

Steigt die Kfz-Steuer nach dem Chiptuning?

Sie sollte es zumindest. Denn seit dem 1. Juli 2009 bemisst sich der Steuerbetrag nicht mehr nur nach dem Hubraum, sondern auch nach CO2-Ausstoß. Durch die Leistungssteigerung stößt der Wagen auch unweigerlich mehr CO2 aus. Die neuen Daten sollten in einer Abgasmessung (z. B. beim TÜV) erfasst und der zuständigen Kfz-Behörde gemeldet werden – alles andere wäre Steuerbetrug und damit strafbar.

Kann man Chiptuning auch selbst machen?

Der Einbau einer Tuning-Box ist vergleichsweise einfach. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl kann das jeder selbst machen. Umprogrammierungen des Steuergerätes – egal auf welche Weise – sollte man jedoch den Profis überlassen. Die Gefahr, hier Schäden anzurichten, die schlimmstenfalls sogar das Steuergerät oder den Motor zerstören, ist groß.

Kann man jedes Auto chiptunen?

Grundsätzlich ja. Allerdings lohnt es sich nicht immer, denn manchmal ist die Leistungsausbeute so gering, dass sie den Preis nicht aufwiegt. Vergleichsweise viel Leistung kann man aus den meisten Turbodieseln herausholen. Auch Turbobenziner bieten viel Potenzial für eine Leistungssteigerung. Bei Saugmotoren ist die Ausbeute hingegen eher verhalten, deswegen hat das Chiptuning hier wenig Sinn. Denn für eine Leistungssteigerung benötigt der Motor mehr Luft und mehr Kraftstoff. Und nur bei aufgeladenen Motoren lässt sich die Luftzufuhr zum Motor über den Ladedruck (Wastegate-Steuerung) elektronisch steigern. Ausnahme sind einige wenige Saugmotoren, die werkseitig mit einer sehr zurückhaltenden Motorsteuerung quasi gedrosselt sind und daher durch Softwareeingriffe eine nennenswerte Leistungssteigerung ermöglichen.

Woran erkennt man einen seriösen Tuner?

Beim seriösen Tuner hat die Leistungssteigerung einen gewissen Preis. Bei Angeboten von unter 300 Euro sollte man auf jeden Fall skeptisch werden. Zudem ist es ratsam, sich vorab im Netz über die jeweilige Werkstatt zu informieren und ggf. Bewertungen zu lesen. Schon ein ordentlich gepflegter Web-Auftritt ist ein Hinweis darauf, dass man es mit einem seriösen Anbieter zu tun hat. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Garantie, denn gute Tuner geben eine Garantie auf das Chiptuning.

Zusammenfassung: die wichtigsten Infos zum Chiptuning

  • Beim Chiptuning wird die Software des Steuergerätes angepasst bzw. ein Modul zwischen Motor und Steuergerät geschaltet, sodass eventuelle Kraftreserven des Motors ausgeschöpft werden.
  • Für ein gutes Chiptuning liegen die Kosten bei mehreren Hundert Euro.
  • Chiptuning ist immer eine Belastung für den Motor, die zulasten der Lebensdauer geht. Deswegen ist es umso wichtiger, hier nur einen Profi ranzulassen, der die Leistungssteigerung präzise auf den Motor abstimmt.
  • Die Herstellergarantie auf alle durch das Chiptuning beeinträchtigten Bauteile erlischt. Deswegen sollte man auf einen seriösen Tuner achten, der seinerseits eine Garantie auf Motor und Antriebsstrang gibt.
  • Es sollten bereits Teilegutachten oder ABE vorliegen. Die Einzelabnahme kann noch mal so viel kosten wie das Tuning selbst.
  • Ist das Tuning nicht eingetragen, erlischt die Zulassung. Auch die Kfz-Versicherung muss informiert werden, ansonsten kann sie im Schadensfall Regress fordern.
  • Genau genommen steigt mit dem Tuning auch der CO2-Ausstoß. Da sich danach unter anderem die Kfz-Steuer bemisst, sollte man ihn messen lassen und der Behörde den neuen Wert mitteilen. Ansonsten droht Strafe wegen Steuerbetrugs.