Ein Händchen für interessante kleine Autos haben sie seit Jahrzehnten: Unsere französischen Nachbarn revolutionierten mit 2 CV, R4, R5 und Twingo die gesamte Kleinwagenwelt. Zuletzt punkteten sie mit Twizy, Zoe und C3 Aircross. Der halbkugelförmige Citroën C3 ist als Polo-Konkurrent etwas konventioneller gedacht, misst stattliche 3,94 Meter und bereichert in zweiter Generation seit Ende 2009 das Straßenbild. Den kleinen Gallier mit dem Doppelwinkel gibt es gebraucht mit einer weit gespreizten Motorenpalette von 60 bis 120 PS, inklusive drehmomentstarker e-HDi-Diesel. Im Jahr 2013 erfuhr der C3 eine Modellpflege, um Look und Motoren dem aktuellen Markenstandard anzupassen. Im reinen Stadtbetrieb sollte der getestete milde 1100er-Benziner mit Euro 5 und genügsamen 60 Pferden zumindest gleichmütigen Autofahrernaturen ausreichen. Dem C3 gelingt insbesondere in dieser Version, womit sonst Renault-Tochter Dacia offensiv wirbt. Er erfüllt grundlegende Transportansprüche, fährt anständig und gibt sich dabei freundlich und zugleich komplett uneitel.

Das Basis-Modell Attraction wird seinem Namen nicht gerecht

Citroën C3
Kein Rätselraten: Das nüchterne Cockpit setzt auf tristes Plastik statt Bedienexperimente.
An Bord des Grundmodells Attraction darf man lange nach Attraktionen suchen. Es geht so spartanisch zu wie in einem balearischen Billig-Mietwagen: Einfachste Kunststoffoberflächen und Polster, serienmäßig keine Klimaanlage oder Kopfairbags sind nackte Tatsachen. Konturlose Sitze, ein unpräzise geführtes Fünfganggetriebe und Trommelbremsen hinten erinnern stark daran, wie sich Autofahren in den Neunzigern anfühlte. Wer sich vom C3 feinere Technik oder hübsche Gimmicks wie die ins Dach reichende Zenith-Panoramafrontscheibe wünscht, muss auch gebraucht empfindlich mehr investieren als für die von uns getestete Basisvariante vom freien Händler.
Überblick: Alles zum Citroën C3

Das jungfräuliche Serviceheft zeugt von mangelhafter Wartung

Citroën C3
Der 1,1-Liter-Vierzylinder stammt aus der PSATU-Reihe, wurde mit dem Citroën AX eingeführt.
Als Kontrastprogramm zu übergewichtigen Crossovern und technikaffinem Leasing-Luxus gibt der gebrauchte Standard-C3 den authentischen Typen für den ehrlichen Großstadtalltag ohne Einzelgarage und Waschanlagenflatrate. Beim Ampelsprint mag er schlechte Karten haben, doch sein luftiges Raumangebot auch auf dem Rücksitz, 300 Liter Kofferraum (umgeklappt 1121 Liter) und eine komplett rätselfreie Bedienungslogik samt realistischer Aussicht auf Parklücken sind für frankophile Großstädter ohnehin die härtere Währung. Leider bestätigt sich bei unserem luziferroten 2012er Testwagen das Vorurteil, dass französische Kleinwagen hierzulande gern etwas zu nachlässig unterhalten werden: Ein jungfräuliches Serviceheft ohne gestempelte Servicehistorie, viele Dellen und Anfahrschäden rundum gibt es nach fünf Jahren und 75.572 Kilometern Nutzung gratis dazu. Interessenten sollten bei der Besichtigung günstiger C3-Modelle einen Experten hinzuziehen, alle Dokumente genauestens prüfen oder einen Fachhändler aufsuchen. Dann steigt die Chance auf einen Franzosen ohne Macken. Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim Citroën C3 außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Bildergalerie

Citroën C3 im Gebrauchtwagen-Test
Citroën C3 im Gebrauchtwagen-Test
Citroën C3 im Gebrauchtwagen-Test
Kamera
Citroën C3 im Gebrauchtwagen-Test

Fazit

Der gebrauchte C3 ist ein sympathisches Stadtauto mit durchwachsenen Qualitäten. Als frankophile Polo-Alternative kann er nur funktionieren, wenn die Fahrzeughistorie passt!