Test: Cupra Formentor gegen BMW X2
Sportliche Kompakt-SUV: Spanien trifft auf Bayern
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
PS sind nicht gleich PS. Ja, das klingt nach einer lausigen Stammtischphrase. Aber irgendwie ist da etwas dran. Beispielsweise fühlen sich 300 PS in einem Elektroauto immer auch etwas langweilig an. Okay, die ganze Herde Pferdchen taugt wohl, um dem Nachbarn das erste Mal den Elektrowagen vorzuführen und ihn mit souveränem Durchzug zu beeindrucken. Es geht zudem schön stramm aus dem Stand heraus voran – ssssst –, schon liegen 160 Sachen an. Das war's aber auch schon. Gähn!
Und dann gibt's da diese 300 PS, die so richtig fetzen. In kompakten Sportlern findet man so etwas, in zarten Coupés. Natürlich auch in kleinen SUV, bei Typen wie BMW X2 M35i xDrive oder Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive.

Das Heck des Cupra Formentor VZ wirkt mit den neuen Rückleuchten moderner und sportlicher.
Bild: CHRISTOPH BÖRRIES / AUTO BILD
Wir verraten an dieser Stelle: Hier ist diese üppige Leistungsportion goldrichtig aufgehoben. Da trifft Leistung auf einen trittfesten Allradantrieb, da vermischt sich die Kraft mit knackigem Fahrverhalten, da drückt ein Turbo alter Schule seine verdichtete Luft hör- und spürbar in die Brennräume.
Kurz: In den potentesten SUV der Kompaktklasse trifft temporeicher Spaß auf universelle Tugenden. Klare Sache voller Vorfreude also: Wir vergleichen die beiden kompakten Kracher.
Potente Vierzylinder
Technisch ähneln sich heißer X2 und feuriger Formentor reichlich. Hier wie da sorgt ein Zweiliter-Vierzylinder mit deftiger Aufladung für die Kraft, die Leistung geht jeweils über eine Siebengang-Doppelkupplung an beide Achsen, beide Autos sind im Maximum 250 km/h schnell. Erwähnenswerter Vorteil für den Cupra: Er holt sogar 333 PS aus dem Benziner und drückt 20 Newtonmeter mehr Drehmoment aus dem Kurbeltrieb (420 Nm statt 400 bei BMW).
Das Zahlenwerk klingt zunächst mal nach einer akademischen "Nase vorn". Zumal auch die Sprintwerte zum PS-Zuschlag des Cupra passen – er spurtet laut Messblatt etwas müheloser auf 100 km/h, zieht nach Zahlen besser durch als der BMW. Wichtige Zehntelsekunden auf dem Papier, die sich allerdings kaum auf unsere Testnote auswirken und auch auf der Straße zu keinem dicken Pluspunkt für den Spanier heranwachsen. Denn sowohl Cupra als auch X2 fühlen sich wach, stark und leichtfüßig unter dem Gaspedal an.

Klingt ganz groß: Der Endschalldämpfer der Marke Akrapovič am Cupra tönt aus insgesamt vier Rohren, kostet aber 3915 Euro.
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Im BMW haben wir sogar das packendere Getriebe ausgemacht, es mag im Sportprogramm unter Last und beim Ampelstart die Gänge mit mehr Kante durchreißen. Kleiner Charaktervorteil beim Cupra: Dessen 2.0 TSI dreht etwas williger aus, klingt durch sanftere Tonlagen und weniger knurrigen Unterton aus der Abgasanlage lustvoller, nie angestrengt. Insgesamt ist allerdings der BMW das leisere Auto, vor allem bei höherem Tempo summt der X2 besser gedämmt als der Formentor.
Deutlicher unterscheiden sich die beiden Typen auf der kurvigen Landstraße. Der Cupra schleppt nämlich laut Waage immerhin 125 Kilogramm, laut Popometer sogar eine halbe Wagenklasse weniger mit über den Asphalt. Dadurch lenkt er noch aktiver ein als der ohnehin schon zackige BMW, lässt den Aufbau weniger weit aus seiner aufrechten Lage herausschieben.
Trost für den X2: Der verbeißt sich an der Vorderachse (auch dank enorm griffiger 20-Zoll-Bereifung der Sorte Pirelli P Zero) unnachgiebiger mit der Straßenoberfläche, untersteuert in der Folge weniger, reagiert zudem auf Lastwechsel in schnell gefahrenen Kurven sanftmütiger. Auch auf das Bremssystem wirkt sich die klebrig-pralle Bereifung aus – mit 31,7 Meter Stoppdistanz aus 100 km/h (warme Anlage deklassiert den BMW den Cupra um 2,5 Meter)!

Wem das Heck des BMW X2 M35i etwas zu kantig oder stylish ist, der kann auch zum BMW X1 M35i greifen.
Bild: CHRISTOPH BÖRRIES / AUTO BILD
Erstaunlich: Trotz leichterem Fahrgefühl sehen wir den Cupra auch beim Federungskomfort vorn. Speziell kleine, schnell überfahrene Unebenheiten saugt das Verstellfahrwerk (variable Dämpfer) des Spaniers besser ein. Für beide Autos gilt: Der gute Sitzkomfort komplettiert deren brauchbares Langstreckenkönnen.
Dazu passt das Ausstattungsniveau. In Sachen Fahrassistenz liegen beide Typen (inklusive guter Spurführung und adaptiver Temporegelung) gleichauf; die bessere Klimatisierung steckt dank Dreizonen-Verteilung im Cupra. Dem BMW-Piloten steht dafür ein gut ablesbares Head-up-Display zur Verfügung. Dazu kommen das bessere Kommandoverständnis der Sprachbedienung und eine umfangreichere App-Sammlung der Multimediaanlage.

Die vier BMW-Fanfaren klingen nun deutlich besser als in den Vorgängermodellen.
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Zählen wir hier zusammen, liegen die beiden also äußerst dicht zusammen. Doch auch die Kosten zählen. Dabei dreht der Cupra auf: Er ist in der Basis mit 55.345 Euro Grundpreis zu 65.400 Euro für den BMW viel günstiger zu bekommen, Cupra gibt auf den 2.0 VZ fünf Jahre Garantie, und die Fixkosten fallen ebenfalls deutlich geringer aus. Die Wahl sollte also über diesen Punkt leichtfallen – PS-Kitzel gibt es ja bei beiden Modellen genügend.
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