Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive im Test
Cupra mit Feinschliff an der Formentor-Ikone
Bild: Seat
Golf R? Ja, ein bisschen Hightech steckte schon immer im Cupra Formentor 2.0 TSI 4Drive. Genau diese Philosophie machte ihn über Jahre so erfolgreich. Das Glück für den bösen Bruder aus Spanien ist, dass er die DNA des deutschen Strebers benutzen darf, um seinen seit 2020 sehr erfolgreichen Weg des Andersseins fortzusetzen.
Denn neben der von ein bisschen böse zu ganz böse veränderten Front blitzt jetzt am Heck noch ein LED-Leuchtband mit integriertem Cupra-Logo auf. Und um dieser finsteren Optik nun den richtigen Antrieb zu geben, pumpt unter der langen Motorhaube des Formentor VZ folgerichtig der aus dem aktuellen Golf R stammende 2.0 TSI mit 333 PS.
Cupra Formentor VZ mit Akrapovic-Abgasanlage
Über sieben Gänge verteilt der Doppelkupplungsautomat 420 Nm an die Antriebsräder und treibt den 1,6 Tonnen schweren Spanier mittels Launch Control in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das mag nicht atemberaubend sein, dürfte aber beim Ampelstart dafür sorgen, dass die deutliche Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer einen Blick auf die armdicken Endrohrverblendungen werfen kann, die neben einem feinen Lochmuster auch das Akrapovic-Logo aufweisen. Heißt, es handelt sich um einen klappengesteuerten Auspuff aus Slowenien, der für 3915 Euro zusätzlich flüstern, grollen und auch richtig heiser husten kann.

Die Dreiecke sind ein grafisches Detail, das sich nicht nur in den LED-Leuchten am Heck findet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wie sich der böse Bube äußert, kann ihm der Fahrer mithilfe des Fahrmodus-Schalters befehlen. "Comfort" lässt ihn tief und leise grummeln, "Performance" gibt ihm den schweren Atem mit leichtem Hüsteln, und "Cupra" bringt ihn in Höchstform. Husten, spratzen, lauthals das Zwischengas feiern und mit ordentlichen Soundsalven aus der Kurve schießen.
Cupra Formentor mit Pure-Sound-Modus
Wer im Fahrprogramm "Individuell" die Sound-Option "Pure" wählt, wird dann auch richtig Ohren machen. Hier ist der Soundaktuator deaktiviert, werden die Auslassventile gleichzeitig auf maximale Lautstärke gestellt. Ergebnis: ein aggressiver, zu 100 Prozent natürlicher Sound. Das ist ganz weit entfernt von den inszenierten und komponierten Klängen in Elektroautos. Etwas so Ehrliches gibt es heute kaum noch.

Im Innenraum hat sich optisch wenig geändert, die verwendeten Materialien gefallen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Apropos Cupra-Modus: Der wurde nicht nur als das Hohelied auf die sportliche Klangkulisse erdacht, sondern beinhaltet auch eine optimierte Pedal- und Getriebekalibrierung sowie ein hohes dynamisches Drehmomentverhalten durch das Offenhalten der Drosselklappen. Was wiederum für einen dynamischen Antritt sorgt, wenn es aus der Kurve geht. Ob das, wie Cupra behauptet, auch für die Rennstrecke reicht, lässt sich an dieser Stelle nicht sagen.
Fahrzeugdaten | Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive |
|---|---|
Motorbauart | R4 |
Aufladung | Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1984 cm³ |
kW (PS) b. 1/min | 245 (333)/5600 |
Nm b. 1/min | 420/2100 |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Allrad |
Maße L/B/H | 4451/1992/1520 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 55/420-1475 l |
Normverbrauch • CO2 | 8,8 l SP/100 km • 199 g/km |
Abgasnorm | Euro 6e |
Testwagenpreis | 65.655 Euro |
Auf der Straße mit schnellen Wechselkurven wirken die Komponenten souverän. Die Lenkung ist direkt, vermittelt – anders als noch bei der ersten Ausfahrt auf der Fahrpräsentation erlebt – gute Rückmeldung von der Straße und versetzt den Fahrer in die Lage, leichten Versatz des Wagens bei Unebenheiten gekonnt auszugleichen.
Selbst wenn die Vorderachse im Grenzbereich tief eintaucht und der VZ zum Untersteuern neigt, greift der Torque Splitter mit seiner bedarfsgerechten Kraftverteilung an der Hinterachse ein und holt die Fuhre sicher in die Spur zurück, nachdem die optionale Sechskolben-Akebono-Bremse mit scharfem Biss für die Temporeduzierung gesorgt hat.

Die elektrisch verstellbaren "Supersport-Schalensitze" heißen nicht nur so, sie sind es auch in allen Belangen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach unseren Messungen verzögern die Japan-Stopper übrigens, ob warm oder kalt, nahezu gleich in 34,2 zu 34,6 Metern. Das ist kein bemerkenswerter, aber ein sehr guter Wert. Was die Bremsen aber wirklich besonders macht, ist das Gefühl der feinsten Dosierbarkeit, das sie dem Fahrer vermitteln.
Erstklassige "Supersport-Schalensitze"
Zudem verfügt der VZ serienmäßig über erstklassige „Supersport-Schalensitze“, die dank ihrer hohen Seitenwangen nicht nur das Gesäß des Fahrers am rechten Fleck belassen, wenn es mal heiß hergeht, sondern auch den unteren und oberen Rücken fest einspannen, ohne dabei das Gefühl von Beklemmungen zu erzeugen. Die Hinterbänkler werden erwartungsgemäß nicht so fest gehalten, haben aber eine angemessene Beinfreiheit.
Dieses sehr gelungene Spaßgerät ist auf den freien Strecken der Autobahn einen Tick schneller als die abgeregelte und deutlich teurere Konkurrenz. Mit einer Spitze von 262 km/h nach GPS-Messung dürfte die Zahl derer, die das im Alltag toppen, nicht mehr groß sein. Allerdings hat diese Art der Temporeise ihren Preis an der nächsten Zapfsäule.

Dank 420 bis 1475 Liter Ladevolumen ist man mit etwas Geschick auch für die Urlaubsreise einigermaßen gerüstet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach unseren Messungen schlürft der VZ bei flottem Lauf 13,0 Liter über 100 Kilometer weg. Nun ist man natürlich nicht immer im Attacke-Modus unterwegs, und so hat sich der spanische Straßenbolide dann auf unserer 155 Kilometer langen Testrunde mit Landstraße, Stadt und Autobahn mit 9,6 Litern angenehm zurückgehalten. Im Sparverbrauch reichten dem potenten Spanier sogar 7,8 Liter Super Plus. Zugegeben, wer den Formentor VZ so bewegt, der braucht ihn eigentlich nicht. Dem könnte der mit 150 PS befeuerte Bruder genügen, mit dem er sich nicht nur die Optik, sondern auch das Infotainment teilt.
"Hallo, Cupra" aktiviert den KI-Assistenten
Im Zentrum steht das serienmäßige 12,9-Zoll-Zentraldisplay, hinter dem sich ein neues Betriebssystem verbirgt. Die Programmierung der elektronischen Unterhaltungs- und Informationseinheit ist jetzt Android-basiert und wird von einer lernfähigen künstlichen Intelligenz (KI) unterstützt. Wer also Fragen hat, kann diese nach dem Ruf "Hallo, Cupra" stellen. Nicht jede kann beantwortet werden, aber der Hinweis "Oh, da bin ich überfragt" ist sehr charmant. Was die Erfüllung von konkreten Aufgaben betrifft, kann nicht nur die Sitzheizung, sondern auch die Klimaanlage gesteuert werden. Das dürfte allen entgegenkommen, die mit den Slidern zum Regeln der Temperatur nicht viel anfangen können und alte Drehregler vermissen.

Haifischnase, integriertes Logo auf der Motorhaube und dreieckige LED-Scheinwerfer prägen die Front.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gepatzt hat das System beim Navi-Test. Nicht bei den Spracheingaben, aber bei der Echtzeit-Verkehrsinformation, die immer wieder in den Offline-Modus sprang. Kein Problem, wird eben das Smartphone kabellos gespiegelt und Apple CarPlay oder Android Auto genutzt. Und weil wir gerade bei der Streckenplanung sind, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Kofferraum für reisewütige Familien mit 420 Litern (Fronttriebler 450 Liter) nicht üppig ist.
Knarz- und Klappergeräusche halten sich im Rahmen
Ansonsten bleibt sich der Formentor treu, denn nennenswerte Änderungen im Innenraum gibt es nicht. Die Verarbeitung ist ordentlich, das verwendete Material hochwertig. Was in Summe dafür sorgt, dass sich Knarz- und Klappergeräusche im Rahmen halten.
Wer sich jetzt dem Fahrspaß frönend in den Cupra Formentor VZ stürzen möchte, der sollte mindestens 55.345 Euro auf der hohen Kante haben. Wem der Stift beim Kreuzemachen in der Optionsliste locker in der Hand liegt, der kann es allein mit dem Extreme-Paket auf 61.740 Euro bringen. Zum Vergleich: Der VW Golf R kostet ab 54 945 Euro. Aber wie sagt man? "Golf kann ja jeder."
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