Dacia Duster: Gebrauchtwagen-Test
Wird der Duster gebraucht zum Risiko?

Die zweite Generation des Dacia Duster ist längst der Inbegriff des bezahlbaren SUV geworden. Lohnt sich das Modell der rumänischen Renault-Tochter als Gebrauchtwagen?
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Authentisch zu sein ist seine wahre Stärke. Der Duster von Dacia mag Fans von Statussymbolen und Ausstattungsorgien enttäuschen, doch er fühlt sich genau dadurch erstaunlich befreiend an. Von Anfang an kultivierte er seine Einfachheit, ist ein SUV für Menschen, denen Bodenfreiheit und Alltagstauglichkeit wichtiger sind als Inszenierung. Er ist kompakt genug für die Stadt, groß genug für die Langstrecke mit der Familie und auf Wunsch sogar mit handfestem Allradantrieb zu haben.
Der Duster nutzt seinen Platz hervorragend
Das ist er: Anfang 2018 ging die zweite Generation des Duster auf dem deutschen Markt an den Start. Technisch blieb Dacia seinem vergleichsweise einfachen Grundkonzept treu, Karosserie und Innenraum wurden gegenüber dem Vorgänger jedoch gründlich modernisiert. Ende 2021 folgte ein Facelift: neue Leuchten mit Y-förmiger Signatur, ein überarbeiteter Kühlergrill und Detailänderungen im Innenraum rückten das SUV optisch näher an die jüngeren Dacia-Modelle.

Mit dem Duster gelang der finale Schritt zum hierzulande etablierten Hersteller. Die zweite Generation wurde 2018 eingeführt und bis 2024 gebaut.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Das vielleicht größte Talent offenbart das Maßband. Mit 4,34 Metern Länge ist der Dacia angenehm handlich, nutzt seinen Platz aber hervorragend. Vorn sitzt man hoch und luftig, auch im Fond reisen Erwachsene noch mit Würde. Beim Fronttriebler passen 445 bis 1478 Liter ins Gepäckabteil, der 4x4 bietet aufgrund der Hinterachstechnik etwas weniger Raum. Ungewöhnlich gemessen am Neupreis: Der Duster sieht nicht nur nach Gelände aus. Mindestens 18 Zentimeter Bodenfreiheit, kurze Überhänge und brauchbare Böschungswinkel erlauben Ausflüge abseits befestigter Wege. Für Förster, Pferdebesitzer oder die Zufahrt zur abgelegenen Ferienhütte kann das den entscheidenden Unterschied machen.
Im Innenraum ist ersichtlich, woher der günstige Preis kommt. Die Kunststoffe sind überwiegend hart, die Verkleidungen einfach, die Dämmung ist schlicht geraten. Dafür ist der Duster erfreulich unprätentiös konstruiert. Echte Schalter, eine leicht verständliche Bedienung und wenig Zierrat sind die Zutaten für ein ehrliches Auto.
Technische Daten
TCe 90 | TCe 130 | Blue dCi 115 4x4 | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 2 pro Zylinder/1 |
Hubraum | 999 cm³ | 1332 cm³ | 1461 cm³ |
Leistung | 67 kW (91 PS) bei 4400/min | 96 kW (131 PS) bei 4500/min | 84 kW (114 PS) bei 3750/min |
Drehmoment | 160 Nm bei 2750/min | 240 Nm bei 1600/min | 260 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 166 km/h | 193 km/h | 175 km/h |
0–100 km/h | 13,1 s | 10,6 s | 10,3 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Super | 50 l/Super | 50 l/Diesel + 18 l/AdBlue |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4341/1804/1633 mm | 4341/1804/1633 mm | 4341/1804/1621 mm |
Kofferraumvolumen | 445-1478 l | 445-1478 l | 411-1444 l |
Leergewicht/Zuladung | 1264/467 kg | 1331/442 kg | 1518/431 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1200/630 kg | 1200/660 kg | 1500/750 kg |
Ein bisschen Luxus darf sein
Das hat er: Dacia gliederte die Ausstattungen im Wesentlichen in Access, Essential, Comfort, Expression, Prestige, Journey und Extreme. Wie konsequent Dacia im Jahr 2022 sparte, zeigt unser Testwagen. Bei Access und Essential hat automobile Askese System: kein Touchscreen, hinten Fensterkurbeln, manuelle Außenspiegel. Die Linien Comfort und Expression sind bereits deutlich komfortabler. Bei Gebrauchtinseraten verdienen jedoch weniger die Namen als die konkrete Ausstattung Beachtung.

Nüchtern gestaltete Cockpitlandschaft, Typ leicht abwischbar. Hier findet man sich auf Anhieb ohne Handbuch zurecht.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Je nach Modelljahr und Konfiguration gibt es elektrische Komfortfunktionen und das acht Zoll große Media-Display. Prestige und Journey sind nochmals komfortbetonter: Je nach Ausführung sind Klimaautomatik, Infotainment, Sitzheizung, Keyless-System, Totwinkelwarner sowie Rückfahr- oder Multiview-Kamera an Bord.
Gerade die Kamera ist sinnvoll, denn Übersichtlichkeit und hohe Sitzposition passen gut zum Charakter des Dacia. Wunder sollte man beim Thema Assistenz allerdings nicht erwarten. Der Duster entstammt einer Zeit und Preisklasse, in der ein Auto noch nicht permanent versuchte, seinen Fahrer zu erziehen. Am Nutzwert ändert die Ausstattung ohnehin wenig. Familienurlaub, Hund, Baumarkt: Der Duster erledigt solche Aufgaben ohne Verrenkungen. Und genau so geht praktischer Luxus.
Der Duster mag es lieber gemütlich
So fährt er: Auf der weichen Welle. In schnell gefahrenen Kurven neigt sich die Karosserie, bei Autobahntempo machen sich Wind und Reifen bemerkbar. Dafür schluckt der Duster schlechte Straßen bemerkenswert gelassen. Lange Federwege und hohe Reifenflanken nehmen, solange das Fahrwerk noch fit ist, Flickenasphalt, Schlaglöchern und Feldwegen viel von ihrem Schrecken.

Kurven meistert der Duster eher unwillig, er gefällt eher bei gelassener Fahrweise.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Braver Einstiegsmotor ist der TCe 90, ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 91 PS. Für Stadt und Umland reicht das, beladen fehlen Reserven. Favorit ist der TCe 130: Der 1,3-Liter-Vierzylinder liefert 131 PS und 240 Nm und passt gut zum Duster. Der TCe 150 mit 150 PS und 250 Nm zeigt sogar zaghaft Sinn für Fahrspaß. Typischer ist der Eco-G 100 mit 1,0-Liter-Dreizylinder und LPG-Anlage – der Motor für Knauserkönige. Vielfahrer sollten den Blue dCi 115 mit 1,5-Liter-Diesel und 115 PS auf dem Zettel haben.
Stärken
- Gemessen an der Größe gutes Raumangebot
- Optionaler Allradantrieb
- Moderate Fixkosten
Schwächen
- Karge Basisausstattung
- Heftiges Gebrauchtpreisniveau
- Maue Ergebnisse im TÜV-Report
Der Duster ist einfach, aber nicht unkaputtbar konstruiert
Das macht Ärger: Dacia Deutschland spendierte drei Jahre (maximal 100.000 Kilometer) Neuwagengarantie, zwei Jahre Lackgarantie und sechs Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Simpel konstruiert heißt leider nicht unverwüstlich. Beim Duster II lohnt ein genauer Blick auf Lenkung und Vorderachse. Spiel an Gelenken und Spurstangenköpfen kommt vor. Auch Betriebs- und Feststellbremse funktionieren nicht immer tadellos.
Beim Diesel sind Abgasnachbehandlung und AdBlue-System häufiger problematisch – der Fehlerspeicher sollte trotz aller technischen Übersichtlichkeit zwingend ausgelesen werden. Beim 4x4 empfiehlt sich ein Blick von unten: Anfahrschäden, ramponierte Verkleidungen oder reichlich Dreck sind ein Indiz für regelmäßigen Geländeeinsatz, der spürbar zulasten der Antriebstechnik geht. Außerdem leiden gerade ältere Duster oft unnötig unter allzu pragmatischen Besitzern, die es mit der Wartung nicht so genau nehmen. Beim KBA sind bis heute sieben Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,4 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 137 g/km |
Inspektion | 250-500 Euro |
Haftpflicht (20)* | 704 Euro |
Teilkasko (16)* | 746 Euro |
Vollkasko (16)* | 1109 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d) | 111 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 952 Euro |
|---|---|
Anlasser | 872 Euro |
Wasserpumpe | 552 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 536 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1160 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 690 Euro |
Radioeinheit | ab 1232 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/65 R 16 H) | 500 Euro |
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