Seit 34 Jahren wird der Lada Niva bereits gebaut. 1976 kam er auf den Markt. Der Lada Niva war damals eine Sensation: selbsttragende Karosserie, vordere Einzelradaufhängung und permanenter Allradantrieb. Sicherheitsbringer wie Airbags, ABS, ESP, die wir heute als Selbstverständlichkeit erwarten, konnten die Russen für dieses Auto auch in 34 Jahren nicht nachliefern. Dafür war der Niva konstruktiv nie gedacht. So gesehen, wäre der neue Dacia Duster ein würdiger Nachfolger des Lada Niva. Denn auch er will Menschen unabhängig von Wetter und Straßenbau machen, die sich teure Allradler bisher nicht leisten konnten oder wollten. Anders als beim antiken Lada findet sich im Dacia immerhin die minimale Sicherheitsausstattung in Form von ABS und zwei Airbags. Alles andere kostet Aufpreis. Er bietet von allem erst einmal das Nötigste.

Überblick: Alle News und Tests zum Dacia Duster

Dacia Duster 1.6 4x4
Der neue Dacia Duster überzeugt mit angenehmen Federungskomfort.
Bild: Sven Krieger
Beispielsweise ausreichend Platz für vier, notfalls fünf Erwachsene. Das gilt auch für Motor und Antrieb. Der Renault-1.6-Benziner kommt mit den 1350 Kilogramm Leergewicht einigermaßen klar, beschleunigt den Duster nicht überschäumend, aber eben ausreichend. So kann der Motor keine Sparwunder vollbringen, was zu unserem Testverbrauch von 8,8 Liter/100 km führt. Die einzige echte Enttäuschung bereiten die Bremsen. Sie lassen zwar heißgefahren nicht nach, verzögern aber immer einfach zu mau, was zu langen Bremswegen führt. Der Dacia kann es aber auch besser. So zeigt er, dass ein angenehmer Federungskomfort nicht zwingend teuren Autos vorbehalten ist. Der Innenraum macht einen keineswegs ärmlichen Eindruck. Und Dacia hat auch an die Unwägbarkeiten des automobilen Lebens gedacht: Dazu gehören eine respektable Bodenfreiheit von 205 mm, ein Allradantrieb mit tatsächlich wirksamer Sperrmöglichkeit.

Überblick: Alle News und Tests zum Lada Niva

Lada Niva 1.7i
Der Lada Niva von 2010 ist unter anderem an größeren Blinkern zu erkennen.
Bild: Sven Krieger
Damit erreicht der Rumäne zwar nicht die Steigfähigkeit der echten Geländegänger von Lada und Suzuki, übertrifft aber deutlich den ebenfalls untersetzungslosen Suzuki SX4, der ohne verkürzten ersten Gang zurecht kommen muss. Trotz Pkw-basierter Technik hat es dagegen Lada schon vor 34 Jahren geschafft, in den Antriebsstrang eine zusätzliche Geländeuntersetzung einzufädeln. Sein vollwertiger Permanentallrad mit von der Zentralsperre unabhängiger Geländereduktion ist in dieser Klasse einmalig. Echten Niva-Kennern sind längst die übrigen Neuerungen aufgefallen: größere Blinker-Positionslicht-Einheiten, neue Instrumenteneinheit jetzt mit Digitaluhr. Oberhalb von 130 km/h – ja, der Lada läuft (ohne Dachgepäckträger) echte 142 km/h, auch wenn das Werk ihm nur 137 km/h zutraut. Dann herrscht allerdings – der Modellpflege zum Trotz – ein höllischer Radau im russischen Gehäuse.

Alle News und Tests zum Jimny

Der lange fünfte Gang hilft da ein wenig, kann aber andererseits nicht verhindern, dass der uralte Motor auf die höchsten Verbrauchswerte im Test kommt: 9,8 Liter/100 km im Schnitt. Auf dem Fahrersitz hockt man zu tief und mit zwangsweise angewinkelten Beinen, das Lenkrad hoch oben positioniert. Dagegen ist das Fahrwerk akzeptabel, gefällt mit sicherem Geradeauslauf und problemlosem Kurvenverhalten. Der Suzuki Jimny – obwohl 22 Jahre jünger als der Lada – kann es kaum besser. Der nur 1,60 Meter schmale Jimny bedingt eben auch eine schmale Spur, der hohe Aufbau hebelt dann das Auto aus, wenn man zu zackig abbiegt. Der Jimny konsumiert trotz kurzer Gesamtübersetzung 7,9 Liter/100 km im Test und rennt echte 155 km/h – was angesichts der Werksangabe von 140 km/h beweist, dass es sich immer lohnt, eine Werksangabe mittels Messung zu überprüfen. So läuft der Jimny durchaus flott, will aber dabei konzentriert gefahren und gelenkt werden.

Überblick: Alle News und Tests zum Suzuki SX4

Suzuki SX4 1.6 4x4
Der Suzuki SX4 fühlt sich in Kurven vertrauenerweckend an.
Bild: Sven Krieger
Hier trumpft der Suzuki SX4 auf. Denn er schont die Nerven von Fahrer und Insassen am meisten. Das schafft er mit seinem brauchbaren Komfort, aber vor allem mit seinem erwachsenen Antrieb. Ein niedriger Verbrauch von im Test nur 7,0 Liter/100 km – das macht die Fahrt entspannend. Dazu kommt, dass der SX4 das einzige Auto in diesem Vergleich ist, das einen modernen Sicherheitsstandard aufweist: problemloses Kurven- und Lenkverhalten, sechs Airbags, ABS, ESP und richtig gute Bremsen. Alles serienmäßig. Der Kofferraum des SX4 ist winzig und eines Fünfsitzers nicht würdig. Der SX4 ist kein Allradler für schwerere Einsätze. Aber einer, der die Haushaltskasse nicht sprengt. Der Jimny kostet 13 Prozent mehr Versicherung, der Duster sogar 50 Prozent mehr. Nur der Lada Niva unterbietet die ohnehin schon niedrigen Versicherungstarife des Suzuki SX4 noch einmal um 19 Prozent. Und den Preis des Russen konnten nicht einmal die Rumänen mit ihrem Duster schlagen.  

Fazit

von

Martin Braun
Der neue Dacia verfehlt den Sieg. Er ist zwar preiswert, geräumig und sogar geländetauglich, gerät aber durch Bremsen, Motor und Versicherung ins Hintertreffen. Genau hier überholt der Suzuki SX4, der zum höheren Preis die Sicherheit bietet, die nicht nur der Dacia, sondern vor allem auch der Jimny und naturgemäß der antike Lada vermissen lassen. Diese beiden sind echte Geländegänger, vor allem aber neue Oldtimer.