Dacia Jogger: Dauertest
Dieser Jogger packt den Marathon!

Der Dacia Jogger TCe 100 Eco-G hat sich über 100.000 Kilometer in der AUTO BILD-Redaktion als variabler Lademeister bewährt. Aber was sagen die Fachleute, wenn sie den Rumänen bis auf die letzte Schraube zerlegt haben?
Bild: Christoph Boerries
Zeitenwende bei Dacia: Mit dem Jogger schlagen die Rumänen 2022 ein neues Kapitel in ihrer Geschichte auf. Neuer Auftritt und neues Logo, die Mischung aus SUV, Kombi und Van macht den Wandel der Marke optisch sichtbar und schafft neues Selbstbewusstsein.
Der Jogger punktet mit viel Raum und Flexibilität
In der AUTO BILD-Redaktion fährt der Jogger seit dem 28. Juli 2022. Bis zum letzten Tag hat er sich hier viele Freunde gemacht. Kein Wunder: Der Jogger ist attraktiv in ein robustes Outdoor-Kleid verpackt, bietet eine Menge Platz und ist äußerst familienfreundlich positioniert. Insofern wundert es nicht, dass bei der Variabilität der bis zu sieben Sitze oder eben einem bis zu 1819 Liter fassenden Kofferraum vor allem Gruppenreisen oder Transporte der unterschiedlichsten Art das Tagesgeschäft unseres Jogger waren.

Mit dem neuen Design des Jogger hat sich Dacia auch aus der optischen Billigecke entfernt.
Bild: Christoph Boerries
Allerdings sind die Literangaben das eine, die tatsächliche Ladeleistung das andere. Unser Testchef Gerald Czajka bemängelte diesbezüglich: "1819 Liter sind rein rechnerisch 30 Standard-Umzugskartons. Tatsächlich geht eher so die Hälfte, weil der Kofferraum natürlich nicht lückenlos gefüllt werden kann und der unebene Boden das gleichmäßige Packen sabotiert." Dennoch bleibt unisono die Meinung aller Fahrer, dass es kaum ein Auto gibt, das zu einem Neupreis von 21.500 Euro so viel hinter der großen Klappe verschwinden lassen kann und vom Konzept eine solche Flexibilität bietet. Bis dahin, dass Fahrräder ohne das Vorderrad auszubauen einfach eingeschoben werden können. Redakteur Andreas May schrieb seinerzeit: "Was mich wirklich begeistert: viel Platz für bis zu sieben Menschen, moderne Technik mit Live-Navigation und Touchscreen – und bezahlbar. Endlich ein Volkswagen für alle, die rechnen müssen."
Technische Daten
Dacia Jogger TCe 100 Eco-G | |
|---|---|
Motor | Dreizylinder, Turbo |
Hubraum | 999 cm3 |
Systemleistung | 67 kW (91 PS) bei 5000/min |
max. Drehmoment | 170 Nm bei 2000/min |
Antrieb | Vorderradantrieb, 6-GangSchaltung |
Leergewicht | 1327 kg |
Zuladung | 457 kg |
Kofferraum | 160–1807 l |
Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h |
Verbrauch* | 6,0 l S/100 km |
Abgas* | CO2 137 g/km |
Der Dreizylinder ist nicht jedermanns Sache
Aber noch etwas machte unseren Jogger zum Liebling der Vielfahrer: sein Antrieb. Bivalent unterwegs, ließ sich der Einliter-Dreizylinder aus einem 50 Liter fassenden Tank mit Super befeuern oder aus einem 40-Liter-Tank mit Flüssiggas (LPG). Wer hier konsequent mit letztgenanntem Treibstoff unterwegs war, konnte, obgleich der Verbrauch immer etwas höher war, sehr preiswert von A nach B reisen.

Roll- und Motorgeräusche sorgen für ordentlich Rabatz im Innenraum.
Bild: Christoph Boerries
Nun muss aber auch gesagt werden, dass der 101 PS starke Dreizylinder nicht jedermanns Sache ist. Ist der Jogger, der mit 1327 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht ist, leer, hat er nur wenig Probleme. Packt man die Bude aber richtig voll, wird es zäh. Hinzu kommt eine hakelige, immer zu trocken wirkende Handschaltung, die sich nur knochig durch die Gassen schieben lässt. Der erste Gang ist so kurz übersetzt, dass es einfach besser ist, im zweiten anzufahren. Auf der Autobahn ist dann auch Tempo 160 das höchste der Gefühle. Denn so praktikabel der Jogger ist, so groß ist auch der Resonanzraum, der Roll- und Motorgeräusche im Innenraum zu einem wahren Crescendo anschwellen lässt. Und so schrieb Kollege Olaf Leichert seinerzeit: "Leicht gestört hat mich der Geräuschpegel während der Fahrt bei höherem Tempo, da wird es etwas lauter an Bord – besonders gut gedämmt ist der Jogger nun wirklich nicht."
Billige Materialien treffen auf mäßige Verarbeitung
Nein, ist er nicht, was uns gleich zu einem weiteren Missklang führt. Der Autor dieser Zeilen bemängelte in einem seiner Testberichte, dass der Jogger eher nicht für die Ewigkeit gemacht ist. "Was sich in unserem Dacia nicht so richtig rechnet, ist der optische und haptische Verschleiß. Hier rächen sich vor allem die billigen Materialien und die wirklich mäßige Verarbeitung. Da wären neben schlecht verklebten Teppichen wackelnde USB-Anschlüsse und Plastikteile, die mächtig verkratzt sind, obwohl sie eigentlich kaum berührt werden. Etwas mehr Langlebigkeit würde dem Rumänen gut zu Gesicht stehen."

Mit der Zeit verloren die Lüftungsdüsen an Halt, der USB-Anschluss begann mächtig zu wackeln.
Bild: Christoph Boerries
Wo Dacia beim Jogger noch gespart hat, zeigt sich für die Tester auf der Straße. "Der mit seinen 4,55 Metern fast in die Mittelklasse hineinragende Jogger fühlt sich eher an wie ein Kleinwagen", hieß es. Die Federung ist hölzern, die Karosserie knirscht auf schlechtem Geläuf und verwindet sich in Kurven arg, der Lenkung fehlt es an Präzision, und die Bremsen beißen nur zahm zu, wurde an anderen Stellen bemängelt. Das ist weit entfernt von inakzeptabel, aber ebenso weit weg von teureren Wettbewerbern im Segment.
Messwerte
Testbeginn | Testende | |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 4,2 s | 4,3 s |
0–100 km/h | 13,1 | 13,1 s |
0–130 km/h | 23,6 s | 23,7 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 7,6 s | 7,8 s |
80–120 km/h | 10,7 s | 10,8 s |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 34,2 m | 34,6 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m | 33,9 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 61 dB(A) | 61 dB(A) |
bei 100 km/h | 69 dB(A) | 69 dB(A) |
bei 130 km/h | 73 dB(A) | 73 dB(A) |
Testverbrauch | 6,2 l S 7,5 l LPG | 6,4 l S 7,5 l LPG |
Der Jogger wird bis auf die letzte Schraube zerlegt
Doch jetzt hat der Jogger 103.571 Kilometer abgespult, und die Zeit der Wahrheit ist gekommen. Bestätigen die Jungs von der DEKRA um Teamchef Marcus Constantin das subjektiv Wahrgenommene, wenn sie unseren Jogger bis auf die letzte Schraube zerlegt haben, oder sind die eigenen Ansprüche hier einfach etwas verzerrt?

Um einiges leichter schwebt der Jogger auf der Hebebühne über den Gutachtern.
Bild: Tom Salt
Fangen wir mit den Kleinigkeiten an, die uns Testern so nie aufgefallen sind. Da wurde zum Beispiel durch die DEKRA bemängelt, dass der Kotflügel vorn links übersteht und dadurch ein ungleiches Spaltmaß zur Motorhaube entsteht. Das kann getrost in der Kategorie "geschenkt" verbucht werden. Auch dass der Handschuhfachdeckel im geschlossenen Zustand links einen Überstand hat. Funktional machte sich das während der 100.000 Kilometer nicht bemerkbar. Unansehnlicher war über die Testdistanz tatsächlich, dass die Fußmatte auf der Fahrerseite durchgescheuert war. Lob erhielten hingegen die Sitzpolster. Die sind zwar dünn, wurden aber nie als unbequem bezeichnet und erhielten durch die DEKRA ein Lob für ihre Haltbarkeit. Ebenso das Lenkrad, das kaum Spuren der Zeit zeigte.
Anders sieht es bei den Sicherheitsgurten in der zweiten Sitzreihe aus. Die sind rechts und links außen beschädigt. Gemutmaßt wird, dass sie in Ermangelung einer ordentlichen Führung mehrfach beim Umlegen der Sitzbänke eingeklemmt wurden. Gleiches, in nicht ganz so ausgeprägtem Maße, wurde auch bei den Gurten für die zusätzliche dritte Sitzreihe festgestellt. Hier gilt es also sehr sorgsam zu prüfen, wo der Gurt liegt, wenn die Lehnen zur Aufnahme größerer Ladung umgeklappt werden.
Beginnende Korrosion zeigt sich allenthalben
Geradezu als Phänomen stellte sich der vom DEKRA-Team verzeichnete Kühlmittelverlust der Klimaanlage heraus. Zwar war deutlich erkennbar, dass das Kältemittel an der unteren Anschlussleitung des Kältemittelkondensators ausgetreten war. Wie sich aber die dafür ursächlich verantwortliche Kältemittelleitung in einem fest verschraubten Zustand im Inneren des Kondensators habe verbiegen können, konnten auch die Profis nicht erklären.
Unschön, aber leichter zu erklären waren die von beginnender Korrosion gezeichneten Stellen am Dacia Jogger, die sich allenthalben zeigten. So zum Beispiel an den Scharnieren rechts und links der Motorhaube, an den Innenseiten der Längsträger vorn rechts sowie zwischen dem Schlossträger. Auch an den Längsträgern und den Kotflügelaufnahmen waren erste Anzeichen von Rost zu erkennen. Das gleiche Bild gab es an den Längsträgern im Motorraum und den Schließbügeln der hinteren Türen. Grund sind – wie an vielen anderen Punkten – sogenannte Scher- und Scheuerstellen. Die gab es in unterschiedlicher Ausprägung auch an den Auflagepunkten der Heckanschlussbleche, am Anlagepunkt der Radhausverkleidung oder an den Radhausschalen. Hier vorzugsweise noch ohne Korrosion, aber zum Teil auf dem Weg dorthin.

Korrosion ist beim Jogger ein Thema. Hier noch im Anfangsstadium.
Bild: DEKRA
Wirklich überraschend war, dass das DEKRA-Team auch eine beginnende Korrosion an den Schweißnähten, an der Oberfläche und dem Träger am Unterboden des LPG-Gastanks feststellte. Zudem zeigte der Unterboden im Bereich der Benzintankaufnahme an mehreren Punkten eine beginnende Korrosion an Kanten und Schweißpunkten. Kein schönes Bild lieferten auch mehrere Spannschellen der Kühlmittelschläuche, die Halteschellen für die Klimaleitungen und die Auspuffhalter am Unterboden. In allen Fällen zeigte sich beginnende oder fortgeschrittene Korrosion.
Solides Urteil von Testern und Zerlegern
Überraschend gut schlugen sich Motor, Getriebe und Abgasanlage im Dacia Jogger. Der Katalysator zeigte weder am Monolith noch am Partikelfilter irgendwelche Auffälligkeiten. Auch am Turbolader konnte nichts beanstandet werden. Zylinder und Kolben bekamen den Befund "top", Gleiches galt für Pleuellager und Kurbelwelle. Die vorgefundenen Laufspuren an den Nockenwellen und am Differenzial wurden als "der Laufleistung angemessen" eingestuft. Das Urteil der DEKRA-Prüfer um Marcus Constantin fiel am Ende recht wohlwollend aus. Denn außer den oben genannten Punkten sei der Gesamtzustand des Fahrzeugs mit Blick auf die zurückgelegte Laufstrecke während des Dauertests nicht zu beanstanden. Und weil auch wir im Großen und Ganzen zufrieden waren, steht am Ende eine 2+.
Wertung*
Anzahl | Fehlerpunkte | |
|---|---|---|
Zuverlässigkeit | ||
Liegenbleiber | 0 x 15 | 0 |
Motor-/Getriebeschaden | 0 x 15 | 0 |
Defekte Antriebs-/Funktionsteile | 0 x 5 | 0 |
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch | 0 x 3 | 0 |
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt | 0 x 5 | 0 |
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) | 0 x 2 | 0 |
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) | 0 x 1 | 0 |
Langzeitqualität (aus Demontage) | ||
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) | 0–5 | 4 |
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) | 0–5 | 0 |
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) | 0–5 | 0 |
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) | 0–5 | 0 |
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) | 0–5 | 3 |
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) | 0–5 | 1 |
Alltagswertung/Fahren | ||
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch | 0–10 | 2 |
Gesamtpunkte | 10 | |
Note | 2+ |
Fazit
Dacia hat sich gemausert. Der Jogger wirkt nach 100.000 Kilometern deutlich frischer als die Vorgänger des Lademeisters. Ärgerlich sind die vielen perspektivisch nicht vorteilhaften Korrosionsstellen. Zumal die dort sind, wo sie sich dem schnellen Zugriff entziehen. Motor, Getriebe, Sitze und Lenkrad haben die Distanz aber gut überstanden.
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