Fensterkurbeln. Wer sich für einen Dacia Logan interessiert, erwartet sicher keinen Luxus. Aber Fensterkurbeln? Und es gibt noch mehr zu kurbeln. An der Lenkung, denn die muss ohne den Vornamen Servo auskommen. Damit kann man leben, muss man aber nicht. Das sehen auch die meisten Logan-Fahrer (87 Prozent) so und haben ihr Auto in den gehobenen Ausstattungen Lauréate oder Ambiance bestellt. Doch wie ist es um die Gebrauchtwagen-Qualitäten der rumänischen Bestseller-Spardose bestellt, fünf Jahre nach dem eher belächelten Start? Auffällig ist die große Kundenzufriedenheit, die auch von den Händlern bestätigt wird. Offensichtlich gehen die Kunden mit gedämpften Erwartungen an die Marke Dacia heran und freuen sich, wenn das Auto besser fährt als erwartet. 
Dacia Logan 1.4
Einziger Luxus: ein Drehzahlmesser. Simples Cockpit, Lüftungsregler im Tiefparterre. Sidebags Fehlanzeige.
Das sollte aber niemanden verblüffen, denn technisch steht der Logan auf der gleichen Plattform wie aktuelle Renault-Modelle, etwa der Modus. Das bürgt für eine steife, crashsichere Karosserie, die zudem für den rauen Alltag auf rumänischen Straßen optimiert wurde – mit einer dicken Schicht Bodyplast, die jedem Steinschlag trotzt. Trotzdem kann Rost auftreten, an den ersten Modellen hat Dacia noch am Lack gespart. Und es darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass die Renault-Aggregate auch Reparatur-Potenzial bergen: Die Motoren verlieren gern Öl, die ungeschützten Bremsscheiben rosten fröhlich, und der Zahnriemen gilt als recht zickig. Doch das größte Problem der kantigen Kiste aus den Karpaten sind die Preise: Unter 5000 Euro geht kaum etwas, wenn der Tachostand fünfstellig sein soll. Und dafür gibt es dann schon andere Autos – ohne Fensterkurbeln.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Dacia Logan 1.4
Riesige Höhle: Das Lastenabteil fasst 510 Liter, ist damit größer als manche Studentenbude. Die Rückbank ist starr.
Unser Testwagen aus dem Autohaus Brunkhorst in Zeven ist eine nackte Hütte: keine Servolenkung, keine Zentralverriegelung, dafür vier Fensterkurbeln. Knapp 128.000 km zeigt der Zähler, und täglich werden es mehr – der Logan dient als Ersatzwagen für Werkstattkunden, wird aber auch zum Kauf angeboten. Unsere Testfahrt beginnt mit einem Kulturschock: Ohne Servo muss ich kurbeln wie ein Schrankenwärter. Doch daran kann man sich gewöhnen, denn zum Ausgleich federt der Dacia sanft über die üblen Frostaufbrüche der Straßen. Störend nur das schwammige Fahrverhalten ab 100 km/h – ob’s an den billigen Winterreifen von Barum liegt? Immerhin: keine Klappergeräusche. Unser Urteil spricht für diesen Dacia: Das Auto ist sauber und unfallfrei, preislich gehört es zu den Günstigsten auf dem Markt. Wer sich am mangelnden Luxus und den fehlenden Seiten-Airbags nicht stört, kommt damit preiswert von A nach B.

Das macht Ärger

Dacia Logan 1.4
Wir kennen uns doch: Motor von Renault, dessen Karriere in den 80ern im R 19 begann. Unverwüstlich, verliert aber oft Öl.
Der Dacia Logan ist ein seltener Gast im AUTO BILD-Kummerkasten. Seine Besitzer haben erfreulich wenig Ärger mit dem preiswerten Auto und seinem Kundendienst. Das bedeutet aber nicht, dass der Rumäne mit der französischen Technik von Renault völlig frei von Fehlern wäre. Er erlaubt sich nur keine großen Klopfer, von den ganz seltenen aktenkundigen Getriebeschäden mal abgesehen. Zu seinen wenigen auffälligen Problempunkten, die man vor einem Gebrauchtkauf unbedingt genau prüfen sollte, gehört die Vorderachse. Der TÜV meldet hier Probleme mit den Traggelenken und den Spurstangen, an denen sowohl das äußere als auch das innere Gelenk bei höheren Laufleistungen ab etwa 80.000 Kilometern Spiel bekommen. Die Manschetten der Antriebswellengelenke sind beim Logan öfter als üblich undicht oder sogar eingerissen. Und nach höheren Laufleistungen, wenn die Dichtungen allmählich verhärten, verlieren Motor und Getriebe vermehrt Öl. Ein Kapitel für sich ist die Lackqualität des Dacia: Vor allem bei frühen Modellen aus den Jahren 2005 und 2006 gab es Probleme, sie bekommen auch schon ersten Kantenrost. Unser Fotomodell von 2007 zeigt jedoch spiegelnden Glanz, der nur vom grundsätzlich welligen Logan-Blech getrübt wird – und von den großflächig verrosteten Armen der Scheibenwischer.
Ein 1.5 dCi in der Kombiversion MCV lief 100.000 km in der Redaktion. Ohne besondere Vorkommnisse, nur zwei Scheinwerferlampen, der Tankgeber und der Unterbau des Fahrersitzes machten unterwegs schlapp. Ergibt die Gesamtnote 2-, ein gutes Ergebnis. Wer sich mit einemDacia nicht anfreunden will, findet Billigheimer anderer Marken. Auch Citroën C1 und VW Fox gehören zu den Preisbrechern auf dem Markt, sind aber im Vergleich zum Dacia Logan deutlich kleiner und federn unkomfortabler, der VW ist zudem nur mit zwei Türen zu haben. Dafür sind beide auch mit ESP lieferbar und bieten insgesamt die modernere Technik und sparsamere Motoren.
Das größte Problem des Dacia Logan sind seine hohen Preise. Richtig gelesen: Denn Gebrauchte sind oft nur unwesentlich billiger als Neue, warum also nicht gleich einen Neuen nehmen? Abgesehen davon macht der Dacia kaum Probleme. Was für die Karpaten taugt, hält auch bei uns durch.