Dämpfer für die E-Mobilität
Schwacher Absatz bei Elektroautos in Deutschland

– Die Bundesregierung hat das Ziel, 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf die deutschen Straßen zu bringen. Die Zahl der Neuzulassungen zeigt aber: Derzeit sind die Elektrofahrzeuge nicht beliebt.
Bild: dpa
Das Interesse an neuen E-Autos ist bei den Deutschen derzeit gering. Im Juli 2024 wurden 30.762 Elektroautos neu zugelassen – 36,8 Prozent weniger als im Juli 2023, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilt. Der Anteil an allen Auto-Neuzulassungen hierzulande im Juli 2024 lag bei 12,9 Prozent. Damit bestätigt sich ein Trend. Denn schon seit Monaten stockt der Absatz von Elektroautos, die Neuzulassungszahlen sind deutlich geringer als noch im Vorjahr. (Die aktuell besten E-Autos auf dem deutschen Markt.)
Seit Januar 2024 wurden in Deutschland knapp 215.000 E-Autos neu zugelassen, das entspricht 12,6 Prozent der gesamten Neuzulassungen. In den ersten sieben Monaten des Vorjahrs waren es 268.926 Elektroautos, der Anteil an der Gesamtzahl lag bei 16,4 Prozent.
E-Auto-Absatz enttäuscht
"Der Absatz von Elektroautos entwickelt sich enttäuschend", sagt Constantin Gall von der Beratung EY zu den neuen Zahlen. Demnach sind die E-Fahrzeuge derzeit Ladenhüter. In weiten Teilen der Bevölkerung gebe es weiterhin erhebliche Vorbehalte gegen die Stromer. "Die hohen Preise, das sehr überschaubare Angebot an bezahlbaren elektrischen Kleinwagen und der Preisverfall bei gebrauchten Elektroautos werden ebenso kritisch gesehen wie die Reichweitenproblematik, lange Ladezeiten und die lückenhafte Ladeinfrastruktur", erklärt Gall. (Die E-Autos mit der größten Reichweite.)
An der schlechten Nachfrageentwicklung änderten aktuell auch neue Modelle mit höherer Reichweite und kürzerer Ladezeit nichts. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass in Deutschland bis 2030 15 Millionen Batteriefahrzeuge unterwegs sein sollen. Diese Vorgabe scheint derzeit kaum erreichbar. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren mit Stand 1. Januar 2024 1,4 Millionen rein elektrische Autos in Deutschland zugelassen.
"Autoindustrie schlittert damit weiter in die Krise"
Insgesamt wurden im Juli 2024 in Deutschland 238.263 Autos neu zugelassen, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. "Es bleibt eine große Lücke zum Vorkrisenniveau: So lag der Absatz im Juli 2024 um 28 Prozent unter dem Niveau von Juli 2019", analysiert die Beratung EY. Im bisherigen Jahresverlauf wurden in Deutschland demnach fast 500.000 Neuwagen weniger verkauft als im Vergleichszeitraum 2019.
Das vom Ifo-Institut berechnete Geschäftsklima in der Autoindustrie untermauert die angespannte Lage: Im Juli 2024 sank der Indikator auf minus 18,3 Punkte nach minus 9,5 Zählern im Juni. Das teilt das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mit. "Die Autoindustrie schlittert damit weiter in die Krise", sagt Auto-Expertin Anita Wölfl.
Die Autokonzerne beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden drei Monate schlechter als im Juni 2024. Die Auslastung der Werke ist laut Ifo auf 77,7 Prozent gefallen, neun Prozentpunkte unter dem langfristigen Mittelwert. Auch die Exporterwartungen sind demnach kräftig gesunken.
(Mit Material der dpa.)
Service-Links