Zum Verkürzen der Ladezeit neuer Elektroautos ist die elektrische Plattform einer der Angriffspunkte. Einige Hersteller ragen heraus, indem sie ihre Wagen auf eine 800-Volt-Plattform heben, es ist aktuell der Goldstandard. Schnelles Laden ist ein Zugargument, es könnte Autokäufer bewegen, vom Verbrenner aufs E-Auto zu wechseln – hier wäre ein aktueller Kostenvergleich zwischen Verbrennern und E-Autos.
Seit Kurzem fährt auch der neue Mercedes CLA mit 800 Volt vor, demnächst folgt BMW mit der Neuen Klasse. Auch der neue Volvo XC90 wird ab Modelljahr 2026 auf einer 800-Volt-Bordarchitektur stehen.

Die besten kompakten E-SUVs bis 58.000 Euro im AUTO BILD-Test

CLA 250+ EQ MERCEDES-BENZ
2.
MERCEDES-BENZ
1,8
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43.240 EUR
Cupra Born
6.
Cupra
Born VZ
02 LYNK & CO
9.
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1,9
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Preis
35.995 EUR
Carwow LogoGebrauchtwagen ab 31.950 EUR
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Mazda 6e
9.
Mazda
6e EV 68,8 kWh
Der Hintergrund: Schnelles Laden verhilft Elektroautos zu mehr Reisetauglichkeit. Wenn ein Auto imstande ist, in wenigen Minuten den Akku aufzuladen, verkürzt das die Reisezeit auf der Langstrecke. Und 800 Volt in der elektrischen Infrastruktur spielen dabei eine große Rolle.
Aktuell prescht BYD vor: Der chinesische Hersteller nimmt Vorbestellungen für zwei Modelle mit 1000-Volt-Bordnetz an: Es sind das Premium-Modell Han L sowie das große SUV Tang L.
BYD Han
Die Oberklasse-Limo BYD Han L wird in Kürze mit 1000-Volt-Bordnetz ausgerüstet. Wann das Modell nach Deutschland kommt, ist noch unklar.
Bild: BYD Co. Ltd

Diese Vorteile bietet ein Hochvolt-Bordnetz

Der Hauptgrund für die höhere Bordspannung in Elektroautos liegt in verkürzter Ladezeit. In den vergangenen Jahren brachten mehrere Hersteller Autos heraus, die anstelle von 400 auf 800 Volt-Basis stehen. Es halbiert nicht nur die Ladezeiten, sondern sorgt auch für Gewichtsersparnis, weil Leitungsquerschnitte und Isolierungen einen geringeren Durchmesser haben können. Auch wird weniger Bauraum benötigt. Letztlich erhöht sich die Haltbarkeit des Akkus, weil er sich weniger stark erhitzt. Auch der Kühlungsaufwand sinkt.
Der Trend zu mehr Volt im Bordnetz zeigt: Eine vergrößerte Reichweite, bedingt durch größere Batterien, ist nur ein Faktor bei der Alltagstauglichkeit. Wenn Autos immer größere Akkus bekommen, ist das nicht unbedingt nachhaltig. Es erhöht den Ressourcenbedarf, wie auch den Verbrauch.
Gerade auf langen Strecken kommt der Ladeleistung und damit der Ladegeschwindigkeit eine mindestens ebenso große Bedeutung zu. Oft kann es vorteilhaft sein, häufiger, dafür aber kürzer zu laden.

Einige Hersteller planen bereits mit 1000 Volt

Der chinesische Hersteller BYD stellte im Frühjahr 2025 seine neue Plattform vor, die ein 1000-Volt-Bordnetz ermöglicht. Als Rechenbeispiel für die Ladezeit der neuen 1000-Volt-Elektroautos: Strom für 300 km Reichweite könnte in fünf Minuten geladen werden. Damit nähert sich die Ladezeit dem Tempo beim Tanken an.
Audi RS e-tron GT
Der Audi e-tron GT kann wie sein Technikbruder Porsche Taycan mit 800 Volt Ladestrom ziehen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Hier folgt nun eine Liste von Autos, die aktuell mit 800-Volt-Bordnetz ausgestattet sind. Eine Ausnahme ist – neben den beiden neuen BYD-Modellen – die Luxus-Limousine Lucid Air. Sie hat sogar eine 924-Volt-Technologie an Bord. Ob sich das zum Trend entwickelt? Das bleibt abzuwarten. Der Lucid Air jedenfalls könnte in 20 Minuten Energie für 480 Kilometer zapfen. Sofern man eine Ladestation ansteuert, die 300 oder mehr kW Ladeleistung aufbringt. Große Netzbetreiber wie Ionity haben das bereits, andere rüsten auf.
Mercedes CLA
Der neue CLA ist das erste Mercedes-Modell, das ein 800-Volt-Bordnetz hat. Die Ladeleistung soll bis zu 350 kW betragen.
Bild: Mercedes-Benz AG
Aufgenommen wurden alle in Deutschland erhältlichen Modelle. Der Tesla Cyber Truck hat zwar auch ein 800-Volt-Bordnetz – bisher waren Tesla-Modelle mit maximal 400 Volt ausgestattet –, doch ist der avantgardistische Monster-Pick-up in Deutschland nicht erhältlich. Die beiden BYD-Schiffe sind bisher auf dem deutschen Markt ebenfalls nicht bestellbar.
Auch andere Elektroautos wie der chinesische Xiaomi SU7 haben zwar ein 800-Volt-Bordnetz, sind jedoch bisher nur in ihren jeweiligen Heimatmärkten erhältlich.

Warum das 800-Volt-Bordnetz allein nicht hilft

Zum 800-Volt-Laden gehört übrigen nicht nur das passende Auto. Das gewaltige Ladetempo ist nur möglich, wenn auch die passende Ladesäule mit ausreichend Power zur Verfügung steht. Denn nur eine Ladeleistung von 300 kW und mehr vermag den Strom derart rasant in den Lucid-Akku zu pumpen. Solche High-Power-Ladesäulen gibt es zwar schon in großer Zahl, doch auch ihr Potenzial ist begrenzt: Laden an einer HPC-Station mit mehreren Ladepunkten zwei Fahrzeuge gleichzeitig, halbiert sich die Ladeleistung pro Fahrzeug (außer bei Ionity, wo die Ladeleistung nicht geteilt wird).
Nun wollen Ionity und andere Ladenetzbetreiber demnächst die maximale Ladeleistung beträchtlich erhöhen: 600 kW werden 2026 möglich sein, höhere Ladeleistungen sind bereits im Blick.
Beim Schnellladen ist im Übrigen zu beachten: Je schneller ein Akkupaket geladen wird, desto mehr wird es gestresst und umso schneller altern die Zellen. Man sollte daher – egal mit welchem Bordnetz – nur dann mit maximalem Tempo laden, wenn es wirklich notwendig ist.
Volvo EX 90 Black Edition
Der Volvo EX90 (hier als Black Edition) wird ab Modelljahr 2026 auf eine 800-Volt-Plattform gestellt.
Bild: Volvo Cars

Diese E-Autos haben ein 800-Volt-Bordnetz

Elektroautos mit 800-Volt-Bordnetz

Elektroautos mit 800-Volt-Bordnetz
Audi
e-tron GT
Q6 e-tron
A6 e-tron
BYD
Dolphin
Han
Tang
Seal
elegend
EL1
Genesis
Electrified GV70
Electrified G80
GV60
Hyundai
Ioniq 5
Ioniq 6
Ioniq 9
Kia
EV6
EV9
Lotus
Eletre
Emeya
Lucid Motors
Air (924 Volt)
Mercedes
CLA
Porsche
Taycan
Taycan Cross Turismo
Macan
Rimac
Nevera
Volvo
ES90 / EX90 (ab Modelljahr 2026)
Bei einem 400-Volt-Bordnetz sind rein rechnerisch 200 Kilowatt Ladeleistung möglich; beim 800-Volt-Netz theoretisch das Doppelte. Porsche bietet beim Sportwagen Taycan aktuell 320 Kilowatt. Dabei kann bis zu fünf Minuten hindurch ununterbrochen mit 300 kW geladen werden – ein Novum. Unter optimalen Bedingungen ist die 97 kWh große Batterie in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen.
Diese beeindruckende Power ist nur an 800-Volt-Ladesäulen möglich – an 400-Volt-Ladesäulen erreicht der Taycan Ladeleistungen von 150 kW. Allerdings ist "der Großteil der Schnellladestationen in Europa" bereits auf 800 Volt ausgelegt, teilt Netzbetreiber EnBW auf AUTO BILD-Anfrage mit.
Volvo EX90 Twin Motor AWD
Auch der Volvo EX90 gehört ab dem Modelljahr 2026 zum elitären 800-Volt-Club. Nach der Limousine ES90 ist es das zweite Modell der schwedischen Marke. In zehn Minuten kann der EX90 Strom für bis zu 250 Kilometer zapfen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beim Porsche Macan beträgt die Ladeleistung ungeachtet des 800-Volt-Bordnetzes maximal 270 kW. Mit gleicher Ladeleistung und gleichem Bordnetz lädt der Audi Q6 e-tron. Und auch der Audi e-tron RS, Ableger des Porsche Taycan, wurde noch nicht aufgewertet und lädt wie bisher mit bis zu 270 kW.
Neu im 800-Volt-Klub ist Mercedes: Der neue CLA hat ein 800-Volt Bordnetz, es ermöglicht bis zu 350 kW. Die Stuttgarter hatten bisher geplant, parallel zur Markteinführung einer neuen Frontantriebsplattform ab 2025 alle neuen Modelle mit 800-Volt-Bordnetz auszurüsten. Bis 2028 sollten drei unterschiedlich große Architekturen für die Elektromodelle entwickelt sein. Das könnte durch den aktuellen Strategiewechsel hin zum Verbrenner nun obsolet werden. Nun soll offenbar die variable Plattform EVA2 für 800 Volt ertüchtigt werden; die jeweils 2. Baureihe von EQS und EQE sind hierfür vorgesehen.

Diese Hersteller planen 800-Volt-Spannung

Wie sieht es bei BMW aus? Die aktuelle elektrische Luxus-Limousine i7 polarisiert mit ihrem innovativen Front-Design – lädt aber noch mit 400-Volt-Technik. BMWs Neue Klasse steht schon auf einem mit 800-Volt-Netz.
Polestar 3
Der Polestar 3 ist einer von zwei Schweden in der Liste der Könige der elektrischen Ladeleistung.
Bild: Polestar
Und kürzlich hat auch Volvo den Schritt zur 800-Volt-Architektur angekündigt: Ab dem Modelljahr 2026 steht das SUV-Flaggschiff EX90 auf der schnellen Ladearchitektur. Sie soll laut Volvo das Nachladen von Strom für 250 km Strecke in zehn Minuten ermöglichen.

Ladeleistungen von E-Autos in kW

Ladeleistung unter 100 kW

MG R Electric: 92 kW, MG5: 90 kW, Fiat 500 E: 80 kW, Abarth 500 E: 80 kW, Kia Soul EV: 80 kW, Mini Aceman E: 70 kW, Renault Zoe: 50 kW, BMW i3: 50 kW, Mini Cooper SE: 50 kW, Dacia Spring: 30 kW, Smart Fortwo EQ: 22 kW

Ladeleistung 100 bis 150 kW

MG4 Electric: 135 kW, Mercedes EQA/EQB/EQC: 100 kW, Opel Mokka-e: 100 kW, Opel Corsa-e: 100 kW, Peugeot e-208: 100 kW, Peugeot e-308: 100 kW , Smart #1: 150 kW

Ladeleistung 150 bis 200 kW

Audi Q4 e-tron: 135 – 170 kW, BMW iX3: 150 kW, BMW i4: 200 kW, BMW i7: 195 kW, BMW iX: 200 kW, Mercedes EQS SUV: 200 kW, Cupra Born: 135 – 170 kW, Genesis Electrified G80: 187 kW, Mercedes EQE: 170 kW, Mercedes EQE SUV: 170 kW, Ford Mustang Mach-E: 150 kW,, Skoda Elroq: 175 kW, Skoda Enyaq: 135 – 170 kW, Peugeot E-3008: 160 kW, Polestar 2: 150 kW, Renault Megane E-Tech: 130 kW, Toyota bz4x: 150 kW, Volvo EX30: 175 kW, Volvo XC40: 200 kW, VW ID.3: 135 - 183 kW, VW ID.4/5: 135 - 170 kW VW ID.Buzz: 170 kW

Ladeleistung über 200 kW

Audi e-tron GT: 270 kW, Audi Q6 e-tron: 270 kW, Mercedes CLA: 350 kW, Porsche Taycan: 320 kW, Porsche Macan: 270 kW, Tesla Model 3: 170 - 250 kW, Tesla Model Y: 170 - 250 kW, Tesla Model S: max. 250 kW, Kia EV6: 235 kW, Kia EV9: 210 kW, Hyundai Ioniq 5: 235 kW,  Hyundai Ioniq 6: 235 kW, Genesis GV70: 270 kW , Genesis GV60: 240 kW, Volvo EX90 / ES 90: 350 kW





















Fürs schnellere Laden und kürzere Wartezeiten gibt es mehrere Stellschrauben: Die 800-Volt-Bordarchitektur ist eine wichtige. Sie ist leider bislang vor allem Premiumfahrzeugen vorbehalten.