Elektroautos laden ab 2026 mit 600 kW
Schnellladen wird bald schon zum Super-Schnellladen

Schnellladen wird bald noch schneller: Zwei Anbieter rüsten bereits ihre Ladenetze auf, Kunden können dann an vielen Standorten mit 600 kW Strom zapfen. Und wahrscheinlich sind demnächst noch ganz andere Ladeleistungen möglich.
Bild: Alpitronic
Laden wird das neue Tanken: Was wie ein Kalauer klingt, spiegelt die aktuelle Entwicklung bei den Ladeleistungen der neuesten Generation von High Power Chargern (HPC) wider – also den richtig, richtig schnellen Ladestationen.
Der technische Fortschritt ist schwindelerregend: 50-kW-Laden galt vor wenigen Jahren als ziemlich schnell. So schnell lädt zum Beispiel der BMW i3, bei AUTO BILD seit Langem im Dauertest. Heute ist das fast schon lahm.
Mercedes stattet sein firmeneigenes Ladenetz MB Charge ab sofort mit Stromquellen aus, die mit 600 kW Strom in den Akku jagen. Auch Ionity rüstet sein europaweites Netz mit solchen Anlagen auf. Doch das könnte erst der Startschuss zu einem neuen Wettrennen um höhere Ladegeschwindigkeiten sein.
Mercedes hat kürzlich einen weiteren Höhepunkt bei diesem Thema gesetzt: Nach der Rekordfahrt des Technologieträgers Mercedes Concept AMG GT XX in Nardó hat dieses Auto gleich noch einen Lade-Rekord aufgestellt. Der innovative Elektro-Sportwagen lud an einer Gleichstrom-Station mit sensationellen 1041 Kilowatt! Also über ein Megawatt. Das hohe Niveau belegt auch der Durchschnittswert aller Ladevorgänge: 850 kW.
Spitzenleistung über zweieinhalb Minuten
Wichtig dabei: Es war kein Labor-Spitzenwert über wenige Augenblicke, sondern laut Mercedes über mehr als zweieinhalb Minuten. In dieser kurzen Zeit flossen rund 42 kWh in den Akku – fast so viel, wie das Basismodell des VW ID.3 "Pure Performance" der ersten Generation 2020 als Stromspeicher aufnehmen kann. Damit zieht das Tempo beim Zapfen von Strom endgültig mit dem vom Sprit mit.

Wenige Tage nach dem Reichweiten-Rekord erzielte der Concept AMG GT XX eine weitere Bestleistung: Der Technologieträger lud an einer speziellen Ladestation mit bis zu 1004 Kilowatt.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Überdies war die gewaltige Ladeleistung fast augenblicklich verfügbar: Vom Aktivieren des Ladevorgangs bis zum Peak vergingen 0,5 Sekunden, teilte jetzt der Mercedes-Technologiepartner Alpitronic mit. Bei der Rekord-Ladesäule handelt es sich um einen Prototyp. Es ist eine modifizierte Version des Typs HYC1000. "Das System ist nicht nur für Pkw-Anwendungen konzipiert, sondern auch für das Laden von Lkw", erklärt eine Sprecherin von Alpitronic.
In fünf Minuten Strom für 400 Kilometer
Bei Lkw mit entsprechend größeren Akkus werden die hohen Ladeleistungen über deutlich längere Zeiträume abgerufen. "Herausfordernd dabei war es, diese Ladeperformance auf Basis des typischen CCS-Standards für Pkw zu erreichen." Das Ziel von Mercedes und Alpitronic: in fünf Minuten Strom für 400 km laden.

Bisher erreicht die Gleichstrom-Schnellladesäule HYC1000 bis zu 600 kW Ladeleistung.
Bild: Alpitronic
Wird die HYC1000 in naher Zukunft serienmäßig mit 1 MW laden? Darauf mochte der Ladesäulen-Hersteller gegenüber AUTO BILD nicht antworten. Aber der Rekord und auch die Typenbezeichnung legen nahe, dass der europäische Marktführer aus Südtirol mit seinem Spitzenmodell noch mehr vorhat.
Ionity ist ebenfalls Kunde von Alpitronic und tauscht die 350-kW-Anlagen in seinem europäischen Schnellladenetz nun gegen die 600-kW-Ladestationen aus.
Neuartiger Hochleistungsakku an Bord
Bis Serienautos so schnell den Akku regenerieren wie der Mercedes Concept AMG GT XX, wird allerdings noch etwas Zeit ins Land gehen. Denn die Megawatt-Leistung verdankt sich mindestens ebenso stark der Infrastruktur auf der anderen Seite: Das Konzeptauto ist mit einem neuartigen Lithium-Ionen-Akku ausgestattet.
Der Prototyp besteht aus mehr als 3000 zylindrischen Zellen. Sie verfügen mit 300 Wh/kg über eine hohe Energiedichte. Um die hohe Ladeleistung zu verdauen, ist die gesamte Batterie flüssigkeitsgekühlt; sie "badet" in einem nicht-leitfähigen Spezialöl. Auch das CCS-Ladekabel des Hyper-Charger-Prototyps von Alpitronic ist flüssigkeitsgekühlt.

Mercedes rüstet sein markeneigenes Ladenetz jetzt mit den leistungsstärksten Ladesäulen von Alpitronic ("HYC1000") aus.
Bild: Mercedes-Benz
Mercedes wird ab 2026 seine Ladeparks in Europa und den USA schrittweise mit den HYC1000-Systemen ausstatten. Das Netzwerk kann – wie üblich – auch von den Modellen anderer Fabrikate genutzt werden. Bis Ende 2030 will der Hersteller weltweit 10.000 Schnellladepunkte in Betrieb nehmen.
Fazit
Unglaublich, wie hier die Ladeleistungen purzeln: 600 kW schon im kommenden Jahr, 850 wahrscheinlich bald, und 1 Megawatt ist bereits in Reichweite. Fragt sich nur, wie hoch bei solchen Turbo-Chargern die Ladeverluste ausfallen – und wie die Lebenserwartung der Akkus dabei geschont werden kann. Es bleibt jedenfalls spannend.
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