Mercedes entwickelt E-Auto und Verbrenner parallel
Mercedes baut auch 2030 noch Verbrenner

Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Elektroauto oder Verbrenner? Beides: Mercedes wird mittelfristig eine zweispurige Strategie umsetzen, hat Vorstand Ole Källenius kürzlich dem britischen Magazin "Autocar" verraten. Da sich nicht mit Sicherheit sagen lasse, ob in naher Zukunft nur noch E-Autos nachgefragt würden, biete die Marke mit dem Stern eben beides an.
Der Mercedes-Chef räumte ein, dass auch er von den schlechten Verkaufszahlen der Elektroautos überrascht wurde. Er unterstrich, dass die Produkte seines Hauses keinen Kompromiss bei Platzangebot, Ausstattung, Technologie und Leistung eingehen dürften – und daher könnten nur maßgeschneiderte Fahrzeug-Architekturen die Lösung sein. Daher sei es unmöglich, ein Verbrenner-Modell in ein E-Auto umzukonstruieren. So werde es weiterhin zwei Plattformen geben.
Elektromodelle werden nominell eingegliedert
"Wir haben 100 und mehr Jahre daran gearbeitet, das Auto mit Verbrennungsmotor zu perfektionieren. Die Kunden werden es nicht akzeptieren, wenn wir einen Schritt rückwärts machen." Parallel zu diesem Schritt werden die Elektromodelle in die bekannte Mercedes-Nomenklatura eingegliedert: Die geländegängige G-Klasse werde bereits nicht mehr EQG heißen, wie es eigentlich der Logik entspräche – sondern "G 580 mit EQ-Technologie".

Frisch auf dem Markt eingetroffen: Die elektrische G-Klasse kostet ab 142.612,50 Euro und heißt wider Erwarten nicht EQG, sondern G580 mit EQ-Technologie.
Bild: Daimler AG
Mercedes habe bereits in sämtliche neuen Verbrenner-Generationen investiert und werde das genauso mit den Elektroauto-Modellen tun. Das versetze das Unternehmen in eine starke Position gegenüber dem gesamten Wettbewerb, sagte Källenius – egal, wohin der Markt sich letztendlich entwickeln werde. "Wenn 2030 der Markt 50:50 ist, wäre es dumm, die Hälfte des Geschäfts liegen zu lassen." Bemerkenswert: Inzwischen sei die Investition in Software und Elektronik-Architektur bei einem neuen Modell höher als in die traditionelle Konstruktion.
Ersatzlösung für Mercedes' E-Auto-Plattform
Eigentlich wollte der Traditionshersteller ab 2025 bereits die Hälfte seiner verkauften Autos mit Elektroantrieb an Bord, also vollelektrisch oder als Plug-in-Hybride, verkaufen. In der ersten Jahreshälfte 2024 waren es nur zehn Prozent. Das nachlassende Interesse an Elektroautos hat nun zum Umsteuern geführt. Ursprünglich war angenommen worden, Mercedes werde die Entwicklung der neuen Elektro-Plattform für große Autos, sprich für E- und S-Klasse, einstellen. Offenbar ist dem nicht so. Mercedes teilte auf Anfrage der Agentur AFP seinerzeit mit, dass "die Marktbedingungen und die Wünsche unserer Kundinnen und Kunden über das Tempo der Transformation bestimmen".
Ursprünglich sollte die neue Plattform "MB.EA-Large" 2028 verfügbar sein, damit die neue Generation S- und E-Klasse darauf aufbauen könnte. Eine historische Investition im mittleren einstelligen Milliardenbereich, die vor allem Gewichtseinsparung gebracht hätte. Demnach soll es mit MB.EA-Large möglich sein, die platz- und gewichtsverschlingenden Akkupakete unterflur und sehr flach einzubauen. Parallel dazu werden ältere Plattformen nicht mehr genutzt. Im Wesentlichen sollte es drei Elektro-Plattformen geben. Als Ersatzlösung ist nun vorgesehen, die bisherige Plattform Electric Vehicle Architecture (EVA2), auf der EQS und EQE aufbauen, weiterzuentwickeln.

Ole Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes Benz Group AG
Bild: Daimler AG
Einige Mercedes-Plattformen werden länger gebaut
Auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche eröffnete Källenius den Aktionären von Mercedes die neue Strategie. "In den kommenden Jahren wird es beides geben: Elektroautos und hochmoderne, elektrifizierte Verbrenner", so Källenius auf der Konferenz. Weitere Effekte: Statt nur noch drei Plattformen werden wohl einige Verbrenner-Architekturen weiter genutzt. Die konventionelle A-Klasse auf der Plattform MFA2 wird bis 2026 gebaut – ursprünglich war vorgesehen, sie in diesem Jahr einzustellen. Andere Baureihen mit Verbrennungsmotor wie GLC, E-Klasse und GLS werden den Medienberichten zufolge sogar bis zu zehn Jahre gebaut, die Technik durch eine zusätzliche Modellpflege frisch gehalten.
Mercedes äußerte sich zunächst nicht zu der neusten Veröffentlichung. Doch dass die zurückgehende Elektroauto-Nachfrage den Hersteller beschäftigt, bestätigte CEO Källenius bereits im Februar 2024. Damals kündigte der Manager an, dass Kunden auch nach 2030 einen Mercedes mit Verbrennungsmotor kaufen könnten. Auch andere Größen der deutschen Autoindustrie wie Bosch und Mahle haben kürzlich darauf hingewiesen, dass die E-Transformation nicht so schnell vonstattengehen werde, wie anfänglich angenommen. Sie fordern deswegen auch, das EU-Verbrennerverbot ab 2035 zurückzunehmen. Zuletzt hatte auch der Massenhersteller Ford mitgeteilt, länger als geplant am Verbrenner festzuhalten.
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