Der Chef des großen Autozulieferers Mahle, Arnd Franz, fordert, das Verbrenner-Verbot der EU rückgängig zu machen. "Wir müssen das von der EU beschlossene vollständige Verbot für Fahrzeuge mit Verbrenner aufheben", sagte Franz der Zeitung "FAZ". Das würde bedeuten, dass auch nach 2035 neue Autos mit Verbrennungsmotor in Ländern der Europäischen Union uneingeschränkt zugelassen werden dürften. Das De-facto-Verbot hatte das EU-Parlament im Februar 2023 beschlossen.
Der schwäbische Konzern Mahle, einer der größten Zulieferer der Welt, hat erst kürzlich durch Innovationen im Bereich der Elektromobilität von sich reden gemacht. Mahle-Chef Franz ist folgerichtig auch grundsätzlich der Ansicht, dass Elektroautos früher oder später "die dominante Technologie" sein werden. Doch er gibt zu bedenken, dass die hohen Ziele der CO2-Reduzierung allein mit Elektromobilität nicht zu machen seien.
Magnetfreier E-Motor von Mahle
Mahle hat kürzlich einen Elektromotor entwickelt, der sensationell sparsam sein soll.
Bild: Mahle

"Nachhaltige Verbrenner für wirksamen Klimaschutz"

Sein Vorschlag: Alternative Kraftstoffe wie E-Fuels und Wasserstoff sollen in den Anwendungsfällen, in denen vollelektrische Fahrzeuge noch Schwierigkeiten haben, die Dekarbonisierung unterstützen. "Für wirksamen Klimaschutz müssen wir schneller reduzieren. Dafür brauchen wir einfach alle Hebel. Und dazu gehören auch nachhaltige Verbrennungsmotoren."
Franz' Kritik reiht sich ein in die Äußerungen anderer großer Player der Branche, die in letzter Zeit die Stimme gegen das Verbrenner-Verbot der EU erhoben. So äußerte der Kopf von Bosch, Stefan Hartung, kürzlich in einem Mediengespräch die Ansicht, dass weltweit Autos mit Verbrennungsmotor noch mindestens 30 bis 35 Jahre benötigt würden.

Hochlauf der E-Mobilität geht langsamer als erwartet

Deutschland müsse die Technologie schon deswegen weiterentwickeln, um den weltweiten Markt nicht zu verlieren. "Man kann die Kunden außerhalb Europas nicht zwingen, sie nicht einzusetzen", so Hartung. Er höre vermehrt von Fahrzeugherstellern, dass der Hochlauf der E-Mobilität langsamer vonstattengehe, als bisher angenommen wurde. Das liege auch an technologischen Herausforderungen. Es würden Erfindungen und Lösungen benötigt, die es einfach bisher noch nicht gebe.

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Vor ihm hatte Mercedes-Vorstand Ola Källenius Mitte Februar 2024 in der "Zeit" laut darüber nachgedacht, dass Mercedes seinen Kunden auch nach 2030 ein Auto mit Verbrennungsmotor verkaufen werde. Bis dato hatte der Plan des weltweit ältesten Autoherstellers geheißen, Ende der 2020er-Jahre aus der Verbrenner-Produktion auszusteigen. Nun also Steuer herum: "Bis deutlich in die Dreißigerjahre", so Källenius, werde jetzt damit gerechnet, Diesel und Benziner zu entwickeln und zu bauen.