We are back! Zurück in Kalkar an der niederländischen Grenze. Hier haben wir im vergangenen Jahr Familie Kliem mit ihren Dailycampern im Unternehmensporträt vorgestellt. Thomas, Andrea und Sohn Tim bauen in Handarbeit Campervans nach eigens erprobtem Konzept.
Frei nach dem Motto "Gucken ist gut, fahren ist besser!" sind wir nun erneut am Niederrhein, um uns hinters Steuer des kompakten Fiat Scudo zu klemmen. Kein Volkswagen, kein Ford, kein Mercedes: Die Kliems setzen auf ein anderes Basisauto als die meisten Campervan-Ausbauer. Das weckt dann natürlich unser Interesse. Ebenso spannend: Den Dailycamper auf Fiat-Scudo-Basis gibt es nicht mit Aufstelldach. Das Familienunternehmen hat sich ganz bewusst gegen die zeltige Fahrzeugerweiterung entschieden, und das aus altbekannten und nachvollziehbaren Gründen: zu laut, zu heiß, zu kalt.
Wer auf Verbrauch, Maut- und Fährkosten achtet, findet im Fiat Scudo einen günstigen Partner.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Denn einen Schwerpunkt legen Thomas, Andrea und Tim auf die Konzeption des Wohnraums, um für idealen Schlaf zu sorgen. So ist der gesamte hintere Bereich des Fahrzeugs mit Alubutyl und Armaflex gedämmt und isoliert. Außerdem ist im Dailycamper kein Blech zu sehen, weil alle offenen Karosseriestellen mit hochwertigem Nadelfilz verkleidet sind. Dadurch werden Außengeräusche auf ein Minimum reduziert, und auch bei kühleren Temperaturen muss nicht gleich die Zusatzheizung (beim Dailycamper optional) anspringen.
Werden dann die handgenähten Stoffe zur Verdunkelung in die Scheiben gehängt, wird es richtig dunkel und gemütlich im Van, sodass der Nachtruhe nichts mehr im Wege steht – ein wichtiger Bestandteil des Campingkonzepts des Dailycampers!

Das ist der Dailycamper Fiat Scudo

Ein kompakter Van mit weniger als fünf Meter Länge und knapp 1,90 Meter Höhe. Jede Tiefgarage, jeder Supermarktparkplatz und jede noch so kleine Parklücke in der Großstadt sind mit dem voll alltagstauglichen Camper kein Problem. Wer sich keine Zufahrt mehr verbauen will, kommt mit dem Fiat Scudo wirklich überallhin und kann dabei reichlich Gepäck einpacken. So hat der kleine Fiat-Transporter eine Zuladung von knapp 700 Kilogramm, was bei zwei Reisenden wohl nur schwer zu erreichen ist. Denn das ist leider ein Haken am Dailycamper.
Gekocht wird auf einem Gaskartuschenkocher am Fenster. Ein drehbarer Beifahrersitz lässt beide Reisenden am Tisch Platz nehmen.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Das Fahrzeug ist ein reiner Zweischläfer. Und auch im Alltag können lediglich zwei Mitfahrer den Stadtverkehr bewältigen. Die Zielgruppe des Dailycampers ist demzufolge also stark eingegrenzt. Geht man dann als Einzelperson, Paar oder Best Buddies mit dem Fahrzeug auf Reisen, darf man sich aber auf ein klassisches Camping-Konzept mit durchdachten Detaillösungen freuen.

Das hat der Dailycamper

Zunächst einmal alles, was man erwarten kann – einen drehbaren Beifahrersitz, einen Küchenblock mit Gaskartuschenkocher, Spüle mit 25 bis 30 Liter Frischwasser, klappbarer Esstisch, Kompressorkühlbox und ein robustes Bettgestell mit bequemer Matratze und Maßen von 1,22 Metern in der Breite und 1,95 Metern in der Länge. Hinzu kommen zahlreiche Ablagefächer, ein Schrank mit reichlich Platz, sowie ein Tisch und zwei Stühle für gemütliche Abende vor dem Van. Optional gibt’s einen Heckträger für Fahrräder, eine Außendusche, eine Kederleiste samt Tarp und ein Solarpanel mit 150 Watt Leistung.
Knappen Platz für zwei Schlafsuchende bietet die 1,22 Meter breite Liegefläche.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Darüber hinaus bietet der Dailycamper ein paar kreative Details, die Freude bereiten. So weiß vor allem das dimmbare Lichtkonzept unter der Decke zu überzeugen. Ebenfalls pfiffig ist das aufstellbare Heckfenster, welches die Kliems selbst entwickelt haben, um in der Nacht an der Frischluftquelle zu liegen. Und wer nachts keine Lust hat, den Sanitärbereich des Campingplatzes aufzusuchen, für den gibt es sogar ein Porta Potti oder eine Trenntoilette, clever im Schrank unter der Bettkonstruktion verstaut.
Motorisierung 
MultiJet 1.5 HDI 
Leistung 
88 kW (120 PS) bei 3750/min 
Hubraum 
1499 cm3 
Drehmoment 
300 Nm bei 1750/min 
Höchstgeschwindigkeit 
160 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Sechsgang/Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
69 l/Diesel 
Länge/Breite/Höhe 
4980/1920/1892 mm 
Radstand/Bereifung 
2925 mm/215/60 R 16 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
2000/650 kg 
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) 
2000/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
53.990 Euro / 58.855 Euro
Da merkt man, dass waschechte Camper am Werk sind! Optisch ist der Ausbau nicht mit dem auf dem Markt etablierter Hersteller zu vergleichen. Über ein paar Schraubenköpfe und Kanten muss man hinwegsehen können. Das spiegelt sich aber natürlich auch im moderaten Preis wider.
Alle Scheiben im Van können verdunkelt werden.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Komfortabel und spritzig. Die 120 PS reichen aus, um den kompakten Van schnell auf Touren zu bekommen. Die erhöhte Sitzposition vermittelt Nutzfahrzeug-Charakter, die kurze Front und das verhältnismäßig kurze Heck hingegen verkörpern Pkw-Feeling. Daraus ergibt sich ein interessantes Fahrgefühl.
Das Cockpit kann mit moderner Optik und klarem Design punkten. Insgesamt wirkt alles deutlich eleganter und filigraner als beim großen Bruder Ducato. Der Fiat Scudo kann gegen Aufpreis auch mit Automatikgetriebe oder in der Elektrovariante bestellt werden. Ebenfalls auf Anfrage gibt es ein Winterpaket, eine abnehmbare Anhängerkupplung sowie eine Diesel-Standheizung von Webasto oder Eberspächer.
Zugelassen wird der Dailycamper vom TÜV Nord übrigens als Wohnmobil! Das wirkt sich in der Regel auch positiv auf die Versicherungskosten aus. So wird dann aus dem kompakten Alltagscamper auf dem Papier sogar ein "richtiges" Reisemobil.
Spaß macht der Dailycamper auf der Straße! Auch campingtechnisch bietet er alles, was man braucht. Den DIY-Look muss man natürlich mögen und für sich bewerten, wie alltagstauglich ein Zweisitzer ist.