Ja, liebe Freunde sportlicher Autos, es gibt eine Welt jenseits von Ford Focus RS und Golf GTI. Nicht für uns Normalverdiener, aber für die Prinzen und Promis oder solche, die sich dafür halten. Sie fahren gern in Coupés von Mercedes-AMG, Bentley oder Rolls-Royce. Mit den edlen Zweitürern rollen sie bei Partys und Filmpremieren vor, lassen die teuren Karossen von Bediensteten im Schatten ihrer Luxusvillen polieren. So weit das gängige Klischee dieser Reichen, in deren Kreisen auch die Marke Aston Martin vertreten ist. Vor allem der Vanquish ist hier ein gern gewählter Begleiter.

Der mächtige Nobelhobel von Bentley ist ein alter Bekannter

Bentley Continental GT Speed
Altbekannt: Seit seinem Marktstart 2003 hat sich der Bentley Continental GT nur unwesentlich verändert.
Und obwohl das britische Nobelcoupé einen im Vergleich zur Konkurrenz dynamischeren Eindruck vermittelt, ist seine Technik mit dem nicht mehr taufrischen V12 und dem angestaubten Interieur in dieser Liga nicht mehr zeitgemäß. Dazu zählt er mit rund 250.000 Euro Einstandspreis zu den teureren Boliden der Szene. Mit dem DB11 soll nun alles besser werden. Auf jeden Fall ist er moderner und günstiger als der Vanquish. Und mit dem aufgeladenen V12 liegt Aston Martin nun auch leistungstechnisch auf Augenhöhe mit den Konkurrenten – hier und heute vertreten durch Bentley Continental GT Speed und Mercedes AMG S 63 4Matic Coupé. Die beiden zählen zu den typischen Karossen in der Liga der Reichen und Schönen. Der Bentley hat sich seit dem Marktstart 2003 kaum verändert, das frischere S-Klasse Coupé konnte beim letzten Aufeinandertreffen den Vergleich gegen Vanquish und GT Speed klar gewinnen. Mit dem britischen Neuzugang werden die Karten nun neu gemischt.
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Aston Martin setzt auch beim DB11 auf optische Zurückhaltung

Aston Martin DB11
Schönheit: Der Aston Martin DB11 pflegt den dezenten Auftritt, optische Protzerei ist nicht sein Ding.
Der offizielle Nachfolger des DB9 beeindruckt schon auf den ersten Blick. Dabei zählt der optisch laute Auftritt sicher nicht zu seinen Eigenschaften. Die Kiemen in den Kotflügeln und die Nüstern auf der Haube sind vergleichsweise dezent gestaltet, die Leuchten schlicht und schmal, wildes Flügelwerk sucht man – zum Glück – vergebens; mehr als einen winzigen Heckspoiler bemüht der Aston nicht. Und auch der fährt nur aus, wenn das Sportprogramm aktiv ist und mindestens 145 km/h anliegen. Doch der DB11 kann auch anders. Allein die technischen Daten versprechen frischen Wind in dieser Klasse. Der doppelt aufgeladene V12 wird bei Ford in Köln gebaut, leistet aus 5,2 Liter Hubraum 608 PS und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Dank Alu-Chassis wiegt der DB11 deutlich unter zwei Tonnen. Der Fahrer kann unter drei Fahrmodi – GT, Sport und Sport Plus – wählen, die auf Motorelektronik, Fahrwerk, Lenkung und die Achtstufenautomatik von ZF Einfluss nehmen. Nach rotem Teppich und Blitzlichtgewitter klingt das jedenfalls nicht gerade, vielmehr scheinen die Briten hier Speed und Rennstrecke im Fokus zu haben.
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Ein mächtiger V8 trifft im Mercedes auf Allradantrieb

Mercedes-AMG S 63 Coupé
Drehmomentmonster: Der doppelt aufgeladene V8 des S 63 drückt satte 900 Nm in den Antriebsstrang.
Fahrdynamische Erwartungen, von denen sich die Schwergewichte Mercedes und Bentley weit weniger in die Pflicht genommen fühlen. Der AMG hat 2,1 Tonnen Luxusmasse zu stemmen, der Continental gar mehr als 2,3. Doch beide halten mit anderen Qualitäten dagegen. Der Mercedes führt den im Vergleich günstigsten Einstiegspreis und Allradantrieb ins Feld. Unter der Haube arbeitet ein 5,5-Liter-V8, dem zwei Turbolader zu 585 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment schon ab 2250 Touren verhelfen. 4Matic-Allradantrieb und Siebenstufenautomatik mit nasser Anfahrkupplung sollen das dicke Coupé kraftschlüssig aus dem Startblock sprengen. Der facegeliftete Bentley setzt für den Clinch mit dem jugendlicheren Aston Martin auf ähnliche Komponenten. So wuchtet der sechs Liter große W12 – eigentlich ein doppelter VR6 – das britische Schwergewicht dank zweier XXL-Lader mit 635 PS und 820 Newtonmetern auf bis zu 331 km/h, verwaltet von einer ZF-Achtstufenautomatik und Allradantrieb.
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In den zuvor genannten Kreisen dürfte kaum jemand eine Launch Control aktivieren oder herausfinden wollen, wie sich diese Kraftmeier am Limit ohne ESP verhalten. AUTO BILD SPORTSCARS nimmt auf den Luxusbonus indes keine Rücksicht, auch auf solche sündhaft teuren Nobelhobel wartet das klassische Testprogramm.
Weitere Details zu den drei schnellen Luxuscoupés finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

In diesen gehobenen Kreisen gibt meist der Geschmack den Ausschlag. Der eine mag Austern, der andere zieht Kaviar vor. Wer einen Bentley fährt, dürfte sich auch das Nachfolgemodell zulegen. Entsprechend der Mercedes-Fahrer. Wir von AUTO BILD SPORTSCARS entscheiden neutral, ohne Vorlieben. Und deshalb gewinnt den direkten Vergleich der neue Aston Martin DB11. Ein evolutionär weiterentwickeltes Design, neue Motorentechnik und ein Set-Up, das den DB11 zum perfekten Begleiter für alle Tage und Wege macht. Auf den Punkt: Die Briten haben die Idee vom Gran Turismo perfektioniert. Davon ist das S-Klasse Coupé nicht weit weg, es ist günstiger und nicht viel langsamer. Aber Handling und Auftritt liegen nicht auf Aston-Martin-Niveau. Und der dicke Bentley? Teuer und schwer – ein Faszinosum auf Rädern!