Der Entwickler von "Gran Turismo" im Interview
"Wir geben unser Bestes"

–
In einem Interview stellt sich Kazunori Yamauchi, "Gran Turismo"-Entwickler und Autorennspiele-Guru, den Fragen von AUTO BILD.
Kennen Sie Shigeru Miyamoto? Oder Kazunori Yamauchi? Nein? Erster ist der Entwickler von "Super Mario" und der Zweite ist federführend für die bekannteste und größte Rennspielserie aller Zeiten verantwortlich: "Gran Turismo". Beide sind in Japan so etwas wie die absoluten Popstars der Videospielbranche und so bekannt wie hierzulande Dieter Zetsche oder Wendelin Wiedeking. Dabei hat sich Kazunori Yamauchi in seiner "Gran Turismo"-Reihe wie kein anderes Spiel dem Realismus verschrieben. Die Rennsimulation hat sich weltweit bereits knapp 50 Millionen Mal verkauft. In einem Interview stellt sich der Guru der Autorennspiele unseren Fragen.

Yamauchi: Dass Simulationen generell sehr wichtig sind, nicht nur im Autobereich. Denken Sie an die Ausbildung von Piloten. Im Rennsport bilden sie die Grundlage des Trainings – echte Kurse bergen schließlich große Gefahren, wenn man sich Fehler erlaubt. Besonders auf der anspruchsvollen Nordschleife. War Ihnen das Üben mit Ihrer eigenen Software vor Ort eine Hilfe? Eine große. Ich schaffte dort letzten Winter bei Regenwetter eine 9:45. In welchem Wagen? Im neuen Nissan GT-R. Sind Ihre Spiele der theoretische Teil, zu dem auch Praxis auf echten Rennstrecken gehören sollte, sofern der Kunde es einrichten kann? Ja, genau. Ich persönlich fahre echte Rennen sogar lieber als virtuelle. Färbt das virtuelle Schnellfahren eigentlich auf den Fahrstil im öffentlichen Straßenverkehr ab? Ja, und zwar positiv. "Gran Turismo" vertieft das Wissen über die Fahrphysik. Das macht die Spieler im echten Leben zu sichereren Verkehrsteilnehmern.

Der Reiz des Virtuellen liegt ja gelegentlich darin, nicht den Gesetzen der Realität unterworfen zu sein. Können Sie sich vorstellen, zukünftig eine Komponente in Ihre Spiele einzubauen, die auf etwas anderes abzielt als puren Realismus? Nein. Für mich sind Autos elementare Bestandteile unserer Gesellschaft. Da muss man vorsichtig sein. Wenn man ihnen Eigenschaften verleiht, die in der Realität nicht vorhanden sind, könnte das einen negativen Einfluss haben. Negativen Einfluss worauf? Auf die Beziehung von Mensch zu Auto. Ich möchte sie mit meinen Spielen nicht verändern, sondern reflektieren. Wir Deutschen haben ein ganz besonderes Verhältnis zum Auto – der Automobilbau ist unsere wichtigste Industrie, die Autobahnen sind weltberühmt, deutsche Modelle stellen technologisch vielfach die Weltspitze dar. Warum wird bei uns eigentlich kein einziges hochklassiges Computerrennspiel produziert? Ich glaube, die Deutschen haben aufgrund ihrer automobilen Geschichte einen ganz besonders engen Bezug zu Fahrzeugen, besonders zu Rennfahrzeugen. So eng, dass man gar nicht darauf gekommen ist, Computerspiele mit Autos zu machen...
Service-Links