Die Detroit Auto Show lebt: BMW 6er, Mercedes GLE Coupé, Ford GT40 und F-150 Raptor, VW Cross Coupé GTE und Porsche 911 Targa GTS. Die Stars der NAIAS 2015!
Die USA fahren auf der Überholspur: Die Wirtschaft boomt wieder, die Arbeitslosenquote sinkt, der Dollarkurs steigt. Und die Kfz-Zulassungszahlen sind bombastisch – mehr als 17 Millionen Fahrzeuge wurden 2014 in den USA zugelassen, das ist das beste Ergebnis seit der großen Wirtschaftskrise vor acht Jahren. Dazu sind die Benzinpreise niedrig wie lange nicht mehr, hier in Detroit kostet ein Liter Sprit umgerechnet 47 Cent. Sogar der Liter Wasser kostet mehr! Goldene Zeiten also, auch auf der Detroit Motor Show 2015. Die großen internationalen Hersteller haben ihr bestes Geschirr aufgefahren: High-Performance-Exponate und Mega-Trucks geben wieder den Ton an, Kleinwagen suchen die Messe-Besucher vergebens. Downsizing – was ist das denn?
Der neue Ford GT hat zwar keinen Achtzylinder mehr, dafür treiben ihn aber mehr als 600 PS aus sechs Zylindern nach vorn.
Ford beispielsweise ist mit einem brachial-muskulösen Dreierpack am Start, das jedem Autofan sofort eine Gänsehaut verpasst. Im Mittelpunkt steht dabei eine Wiedergeburt: Der Ford GT lebt! Zu sehen hier auf der NAIAS 2015. In geheimer Mission wurde der legendäre Sportler in einem Bunker entwickelt und ist mit seinem Mittelmotor und der Carbon-Haut wohl die Attraktion der Messe. 2016 soll der traditionelle Renner befeuert von einem V6-EcoBoost-Aggregat mit rund 600 PS in einer Kleinserie an den Start gehen.
An seiner Seite steht der Ford F-150 Raptor, die Speerspitze der erfolgreichen Pick-up-Baureihe. Der hat neuerdings zwar "nur" einen 3,5-Liter-V6-EcoBoost unter der Haube, soll aber mehr Leistung auf den Asphalt peitschen als sein Vorgänger mit 6,2-Liter-V8 und 417 PS. Genaue Leistungsdaten verrät Ford noch nicht. Im Raptor arbeitet ein komplett neu entwickeltes Zehngang-Getriebe. Für die perfekte Offroad-Stabilität wurde die Karosserie des Raptor gegenüber dem "normalen" F-150 um 15 Zentimeter verbreitert. Los geht's ebenfalls 2016. Außerdem präsentiert Ford mit dem Shelby GT350 R (5,2-Liter-V8, über 500 PS und rund 550 Nm) den dynamischsten Mustang aller Zeiten. Bis 2020 will Ford zwölf neue "Performance Cars" auf den Markt bringen.
Mercedes-AMG GLE Coupé 63
Mercedes GLE Coupé 63 AMG
Bild: Glenn Paulina
Auch die deutschen Hersteller trumpfen hier in der Cobo Hall mächtig auf: Mercedes-AMG hat die Ballermänner GLE Coupé 63 AMG (5,5-Liter-V8-Biturbomotor mit bis zu 585 PS) und C 450 AMG (367 PS und permanenter Allradantrieb) im Messegepäck. Beide bepackt mit satten Schwellern, großen Spoilern, riesigen Lufteinlässen und dicken Doppelendrohren. Das ist Schwabenpower vom Feinsten!
Bleiben wir in Stuttgarter Gefilden und blicken rüber zu Porsche. Da geben sich der Mega-Cayenne Turbo S sowie der todschicke 911 Targa GTS die Ehre. Der 4,8 Liter große V8-Biturbo des Cayenne Turbo S kommt jetzt 570 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment und muss sich somit dem Mercedes GLE AMG knapp geschlagen geben. Für mehr Dynamik als im "normalen" 911 Targa sorgt beim Targa GTS ein 430 PS starkes Triebwerk, serienmäßig gibt's dazu ein Sport-Chrono-Paket, fette 20-Zoll-Räder und eine wunderbar blubbernde Sportabgasanlage.
VW Cross Coupé GTE
VW Cross Coupé GTE
Bild: Glenn Paulina
Volkswagen macht in Detroit nicht ganz so extrem auf dicke Hose. Die Wolfsburger richten sich mit Ihrer US-Neuheit an ein Massenpublikum: Das VW Cross Coupé GTE soll eine neue SUV-Erfolgswelle in den USA einläuten. Der Familientransporter auf MQB-Basis mit Plug-in-Hybridantrieb passt mit seinen 4,85 Metern Länge wunderbar ins Lieblings-Segment der US-Amerikaner, also die Sparte der Midsize-SUVs. Ende 2016 soll die Produktion des VW Cross Coupé GTE im Volkswagen-Werk Chattanooga starten – zunächst nur in den USA. Ein Marktstart in China ist auch angedacht.
BMW 6er Facelift
BMW 6er FaceliftBei BMW dreht sich alles um ein Facelift: Der aufgefrischte BMW 6er steht als Coupé, Cabrio und Grand Coupé im Scheinwerferlicht – natürlich auch als brachiale M-Version. Die Frischzellenkur ist recht dezent ausgefallen, neu sind die BMW-Niere mit nun größeren Öffnungen, vergrößerte Endrohrblenden, LED-Scheinwerfer, 20-Zoll-Räder und eine Sportabgasanlage. Auch am Fahrwerk, Entertainment- und Sicherheitssystemen wurde optimiert.
Außerdem steht auf der Detroit Auto Show 2015 eine echte japanische Legende: Honda (bzw. die US-Tochter Acura) hat endlich den neuen NSX zur Serienreife gebracht, nachdem wir den schnittigen Sportler in den vergangenen drei Jahren auf diversen Messen als nicht enden wollende Studie vorgesetzt bekamen. Nach Stresstests im Windkanal und auf der Rennstrecke ist der ultraflache Renner mit V6-Hybrid-Mittelmotor und einer Systemleistung von über 550 PS (drei Elektromotoren) nun bereit, in einer Kleinserie die Sportwagenszene zu rocken.
Chevrolet Volt
Chevrolet Volt
Bild: Glenn Paulina
General Motors stellt seinen neu aufgelegten Vorzeige-Stromer aufs Messeparkett: Mit einer (angeblichen) optischen Anlehnung an die Corvette C7 Stingray in der Frontpartie startet der neuen Chevrolet Volt ins neue Jahr. Aber ganz ehrlich: Man muss schon sehr phantasievoll sein, um die versprochenen Sportler-Gene zu entdecken. Oder ein Marketing-Manager von GM. Auch an den Leistungswerten des Chevy Volt wurde geschraubt: Der Hubraum des Range-Extender-Motors steigt auf 1,5 Liter, gleichzeitig sollen die Batterien etwa 13 Kilogramm leichter sein. Der Range Extender verliert ebenfalls 45 Kilogramm an Gewicht. Das Schwestermodell Opel Ampera wird von den Neuerungen allerdings nicht profitieren – da der Ampera in Europa nie richtig Fuß fassen konnte, wird er auch bei uns bald eingestellt.
Chevrolet Bolt
Chevrolet Bolt
Bild: Glenn Paulina
Von wegen in Detroit geht es nur um Leistung: Chevrolet zeigt mit dem Bolt einen günstigen Stromer im Kleinwagenformat. Bis zu 350 Kilometer soll der mit einer Akku-Ladung zurücklegen können und 2017 auf den Markt kommen. Der Preis von 30.000 Dollar wird als klare Kampfansage an Tesla gesehen, die 2018 mit dem Stadtflitzer Model C die Massen günstig elektrifizieren wollen.
Alle Stars der Detroit Motor Show 2015 sehen Sie in unserer großen Bildergalerie!
Ford GT (2018)
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Der Ford GT fährt in die nächste Runde! Die für die Homologation nötigen 1000 Exemplare waren blitzschnell ausverkauft und sollen bis Ende 2020 ausgeliefert werden. Ford hatte rund sechsmal so viele Anfragen und musste den GT sorgfältig an die Kunden verteilen, die den ...
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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... Supersportwagen nicht in der Garage lassen, sondern auch regelmäßig fahren wollen. Immerhin elf Stück sollen bisher in Deutschland unterwegs sein! Jetzt werden bis Ende 2022 zusätzlich 350 Stück im kanadischen Werk in Markham gebaut – und Ford öffnet das Bewerbungsfenster noch mal. Ab sofort können sich ...
Bild: Werk
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... potenzielle Kunden über www.fordgt.com neu bewerben. Der Basispreis liegt in Deutschland bei etwa 540.000 bis 550.000 Euro. Mit ein paar Optionen, darunter Carbonfelgen, können auch schnell 600.000 Euro fällig werden. Trotzdem ist der GT eine gute Anlage: Der aktuelle Marktwert dürfte inzwischen siebenstellig sein. Dafür gibt es nicht nur die dritte Generation des legendären GT, sondern auch den Le Mans-Sieger der GTE-Pro-Klasse von 2016.
Bild: Werk
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Innenraum: Das Einsteigen ist trotz Flügeltüren kein großes Problem. Der Innenraum des Ford GT ist eine Kanzel – viel Platz gibt es nicht. Wer eine bequeme Sitzposition gefunden hat, sitzt aber richtig gut. Gefühlt ist ein Lamborghini Aventador enger als der Ford GT. Erst über 1,85 Meter wird es mit ...
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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... der Kopffreiheit etwas knapp. Der Blick nach vorne ist gut, die filigranen, freistehenden Spiegel erinnern an den Ferrari LaFerrari. Nach hinten gibt es ein kleines Fenster, durch das man perfekt dem aktiven Spoiler zuschauen kann. Abgesehen davon ist das Cockpit extrem reduziert. Für Fahrer und Beifahrer gibt es jeweils zwei Lüftungsdüsen, die direkt in der Tür sitzen und mit aufschwingen.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Das große digitale Display wird vom mittigen Drehlzahlmesser dominiert. Das kleine Navi-Display ist ins Armaturenbrett eingelassen und hat immerhin eine Rückfahrkamera – das ist bei der bescheidenen Rundumsicht auch besser. Im Innenraum wird schnell klar, dass im GT nichts vom Fahren ablenken soll. Hier gibt es keine Spielereien, es ist nur das Nötigste an Bord.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Fahren: Losfahren klappt im Ford GT so einfach wie im Focus. Denn statt eines Gangwahlhebels für das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe setzt Ford auch beim GT auf den sogenannten "Electronic Shifter": ein ...
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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... Dreh-Wahlknopf, wie man ihn auch von Jaguar oder Land Rover kennt. Auf den ersten Metern im "Normal"-Modus fährt sich der GT recht zahm. Insgesamt stehen fünf Fahrmodi (Wet, Normal, Sport, Track und Highspeed) zur Wahl. Was direkt auffällt: Es ist sehr laut im Innenraum des GT. Das liegt nicht nur am 3,5-Liter-EcoBoost, sondern vielmehr an Tausenden kleiner Steinchen, ...
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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... die gegen das Carbon-Monocoque und die Radhäuser fliegen. Dämmmaterial gibt es im GT nämlich so gut wie gar nicht! Braucht es auch nicht, ist ja schließlich ein Rennwagen für die Straße.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Bei nur 1385 KiloTrockengewicht dürfte klar sein, dass der GT richtig schnell ist. Wie schnell die 4,76 Meter lange Flunder tatsächlich abgeht, ist beeindruckend. Ohne die Gänge bis zur Drehzahlgrenze von 7000 Umdrehungen auszudrehen, steht ganz schnell die 100 auf dem digitalen Tacho. Bis ich plötzlich merke, dass der Testwagen einen Meilen-Tacho hat. Die km/h stehen klein daneben.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Gasannahme und Lenkung des Supersportwagens sind ultradirekt. Allgemein ist der Ford GT kein Auto für Amateure. Während man in einen allradgetriebenen Audi R8 schnell Vertrauen fasst, braucht der GT Zeit und Respekt. Klar, sieben Grad Außentemperatur, feuchte Landstraßen, Michelin Sport Cup 2-Semislicks und 655 PS sind nicht die beste Kombination.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Das liegt natürlich vor allem am V6-Biturbo, der schon im niedrigen Drehzahlbereich von 2500 U/min brutal anschiebt. Wirklich geil anzuschauen ist dabei, wie der Spoiler im Sportmodus ab 113 km/h ausfährt. Und zwar nicht so langsam wie bei einem Porsche, sondern blitzschnell – zack, und der Spoiler ist draußen.
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Fazit von Jan Götze: Auch wenn ich diese Redewendung in Bezug auf Sportwagen nicht mag: Der Ford GT ist wirklich ein Rennwagen für die Straße! Er ist laut, eng und extrem schnell. Außerdem ist er in Deutschland seltener als fast alle Lamborghini, Ferrari oder Porsche!
Bild: Auto Bild / Katharina Berndt
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Bestellprozess: Bei der Auswahl der Kunden ist es egal, ob es sich um Promis oder Besitzer des Vorgänger-GT handelt. Ford sucht sich die Kundschaft für den neuen Supersportwagen ganz gezielt aus. Das gesamte Prozedere erinnert stark an Ferraris Verkaufsstrategie bei limitierten Modellen wie ...
Bild: Werk
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... dem Enzo oder dem LaFerrari. Während der Online-Bewerbung müssen die potenziellen Käufer eine Reihe von Fragen beantworten. So will Ford sicherstellen, dass der GT in Liebhaberhände kommt und gefahren wird. Außerdem wird deutlich, dass soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook für Ford eine entscheidende Rolle beim Marketing spielen. Dass dieser Plan nicht immer aufgeht, ...
Bild: Werk
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... wurde am prominenten Beispiel von John Cena deutlich, der seinen Ford GT kurz nach Auslieferung verkauft hat. Für alle Kunden, die das Glück hatten von Ford auserwählt zu werden, gilt es früher oder später die Konfiguration ihres GT festzulegen. Auch hierfür hat sich Ford etwas einfallen lassen: Das Ordering-Kit.
Bild: Ford Motor Company
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Geöffnet wird die edle Carbon-Box per Klickverschluss – genau der Verschluss, der auch am Ford GT zum Einsatz kommt. Im Inneren der Box verbergen sich die acht originalen Außenfarben, die frei mit unterschiedlichen Rennstreifen und dem gewünschten Radsatz im Miniaturformat kombiniert werden können. Die zukünftigen GT-Fahrer können sogar die Farbe der Bremssättel im Ordering-Kit wählen.
Bild: Ford Motor Company
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Zusätzlich sind Proben der verschiedenen Leder-/Alcantara-Mixe beigelegt. Besonderes Highlight ist eine Aussparung für die persönliche VIN (Vehicle Identification Number). Sobald die Konfiguration abgeschlossen ist und die Fertigung des jeweiligen Ford GT begonnen hat, bekommen die Besitzer eine Plakette mit ihrer VIN zugeschickt.
Bild: Ford Motor Company
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Motor: Ein Ford GT ohne V8? Bisher undenkbar, jetzt Realität. In der dritten Generation des Supersportwagen setzt Ford nicht mehr auf einen großvolumigen V8, sondern auf einen 3,5-Liter-EcoBoost. Genau genommen auf einen Motor aus einem Pick-up! Den Block und verschiedene Parts teilt sich der GT mit ...
Bild: Jeff Jablansky
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... dem F-150 Raptor. Rund 60 Prozent des Motors sind identisch. Der größte Unterschied: Während der EcoBoost im Raptor maximal 457 PS und 691 Nm leistet, kommt der GT mit 655 PS und 746 Nm. Die Kraft wird ...
Bild: Jeff Jablansky
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... immer über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterräder geleitet. Dank des niedrigen Trockengewichts von nur 1385 Kilo beschleunigt der GT in nur 2,8 Sekunden auf 100 km/h.