Deutschlands beste Autofahrer: Finale 2011

Ein echtes Herzschlag-Finale

Die 23. Ausgabe von "Deutschlands beste Autofahrer" endet mit einem Wimpernschlag-Finale. Erst nach dem Stechen kann sich Student Paul M├Âgel aus Dresden den Titel sichern. Der Weg dahin war nicht immer meisterlich.
Zun├Ąchst einmal m├Âchten wir f├╝r eine oft missverstandene Gattung die Lanze brechen: f├╝r den Mann. Da sage noch einer, dieses haarige Steinzeitwesen sei unzuverl├Ąssig. Wir behaupten glatt das Gegenteil und teilen mit: Das erste Mal in der 23-j├Ąhrigen Geschichte von "Deutschlands beste Autofahrer" erscheinen am Vorabend des Finales alle 40 Teilnehmer p├╝nktlich zum Briefing. Was schon mal historisch ist. Da sich diesmal ausschlie├člich M├Ąnner f├╝r die Endrunde qualifiziert haben, erlauben wir uns, die schweigende Minderheit der Bev├Âlkerung mal ausdr├╝cklich zu loben. Jungs, wir sind stolz auf euch.

Als Hauptgewinn winken zwei nagelneue Ford Focus

Es ist faszinierend, am Abend vor dem Finale den Burschen in die Augen zu blicken. Kann man das Sieger-Gen eigentlich erkennen? Wer wird die Nerven im Zaum haben und morgen seine Bestform abrufen? Die jungen, unbek├╝mmerten H├╝pfer oder die alten, erfahrenen Hasen? Einen Vorteil hat die jugendliche Rasselbande diesmal auf jeden Fall. Erstmals suchen wir nicht nur den Besten von allen, sondern auch den besten Nachwuchsfahrer (bis 23 Jahre). Es werden am Ende also zwei Teilnehmer mit einem Ford Focus nach Hause fahren. Ein junges Talent und ein reiferes Semester.

Die Finalisten m├╝ssen durch die harte Schule

Die Sponsoren von "Deutschlands beste Autofahrer" vergeben Titel und Preise im Gesamtwert von ├╝ber 120.000 Euro.

Zuvor jedoch haben sich AUTO BILD und die Instruktoren des DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) noch ein paar nette Gesellschaftsspiele ausgedacht. Sie werden auf dem LuK Driving Center bei Baden-Baden ├╝ber gute und sehr gute Autofahrer entscheiden. Denn so schnell, meine Herren, kommt ihr nicht an die Beute. ├ťber sieben Br├╝cken m├╝ssen die Finalisten diesmal gehen, sieben praktische und theoretische Pr├╝fungen bestehen. Angefangen bei der Theorie, die es in sich hat. 30 Hammerfragen rund ums Auto. Der Autor w├╝sste nicht die H├Ąlfte. Tobias Reich (35) aus Brandis (Sachsen) setzt sein Kreuzchen ├╝berall richtig. Als Einziger.
Daf├╝r patzt der Ingenieur beim Elchtest so richtig, nur Platz 37. Diesen ungebremsten Spurwechsel wiederum hat Klaus Herbrik (35) aus dem badischen Bruchsal am besten drauf. Er f├Ąhrt mit 72,64 km/h in die Gasse, bew├Ąltigt das Man├Âver, ohne eine Pylone abzur├Ąumen. Damit kann er sich glatt bei AUTO BILD bewerben. Insgesamt aber reicht es f├╝r den IT-Berater nur zu Platz 24. Ja, das ist wirklich auff├Ąllig beim Schlussakkord 2011. Es gibt diesmal keinen ├ťberflieger, keinen Mister Zuverl├Ąssig, der in allen Kategorien eine Topplatzierung einf├Ąhrt.

Auch die sp├Ąteren Sieger zeigen Formschwankungen

Diese ├ťbung kann Leben retten: bremsen/ausweichen vor einem Hindernis. Titeltr├Ąger M├Âgel war hier Bester.

Nehmen wir zum Beispiel Robin Rothmann (22), Informatiker aus Dresden. Zwischenzeitlich klar auf Poleposition, als Einziger bei f├╝nf ├ťbungen unter den Top Ten, eine Hand schon am Pott ÔÇô und dann vergeigt er den Elchtest (Platz 38) und hat anschlie├čend einen Blackout beim Handling auf der Kreisbahn (Platz 26). Am Ende wird er F├╝nfter. Selbst die sp├Ąteren Sieger brillieren mit Formschwankungen. F├╝r Chef-Instruktor J├╝rgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) keine ├ťberraschung: "So ein Finale geht an die Nerven. Den ganzen Tag m├╝ssen die Jungs die Konzentration hochhalten ÔÇô das k├Ânnen die wenigsten."
Bente ist ein alter Hase im Gesch├Ąft. Seit 23 Jahren dabei, hat er Tausende Autofahrer in Sicherheitstrainings geschult und ist stolz darauf, dass die Zahl der im Verkehr get├Âteten Personen Jahr f├╝r Jahr nach unten geht. Sicher auch ein Verdienst der immer mehr verbreiteten Assistenzsysteme (ESP, ABS), der Gurtstraffer und Airbags, aber eben auch eine Folge gezielter Schulungen wie "Deutschlands beste Autofahrer". Eine Vorbildfunktion, die bei der feierlichen Preisverleihung am Abend im Malersaal des Dorint-Hotels ausdr├╝cklich vom Schirmherrn der Veranstaltung gew├╝rdigt wird. Stellvertretend f├╝r seinen Chef, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, lobt der Parlamentarische Staatssekret├Ąr Andreas Scheuer (ein bekennender Oldiefan) das Engagement von AUTO BILD.
Ob auf dem Weg zu weniger Verkehrstoten noch mehr Reglementierung und Kontrolle der Autofahrer n├Âtig sei, wird anschlie├čend leidenschaftlich von den Vertretern der Sponsoren diskutiert. W├Ąhrend die Gesch├Ąftsf├╝hrerin des DVR, Ute Hammer, erh├Âhte Kontrolle und eine Null-Promille-Grenze f├╝r "zwingend notwendig" h├Ąlt, erteilt Robert Rademacher, Pr├Ąsident des ZDK, beispielsweise einem strikten Tempolimit eine klare Absage: "Warum? Wir haben doch die Richtgeschwindigkeit, das ist in der ganzen Welt einmalig." Diese Ansage wird im Saal mit Beifall bedacht. Nat├╝rlich, m├Âchte man sagen. Da sitzen ja schlie├člich Autofans.

Michael Furchner, Sachbearbeiter aus Wolfsburg, wird knapper Zweiter und freut sich ├╝ber eine Ford Focus Limousine.

Schmunzeln m├╝ssen die 40 Finalisten ÔÇô knapp die H├Ąlfte von ihnen unter 23 Jahren ÔÇô, als Ford-Marketingdirektor Carl-Philipp Mauve ank├╝ndigt, die K├Âlner w├╝rden demn├Ąchst einen programmierbaren "Eltern-Schl├╝ssel" auf den Markt bringen. Mit ihm k├Ânnen Mama und Papa bei den Autos ihrer Z├Âglinge das Tempo vorgeben, die Lautst├Ąrke der Anlage beschr├Ąnken oder verhindern, dass das ESP deaktiviert wird. Brauchen wir das wirklich? LuK-Entwicklungsvorstand Peter Gutzmer ist skeptisch: "Wir m├╝ssen die Menschen erziehen, nicht ├╝berregulieren."

Am Ende liegt der Youngster hauchd├╝nn vor dem Routinier

Student Paul M├Âgel (21) macht das Rennen und gewinnt einen nagelneuen Ford Focus Turnier.

So engagiert die Diskussion gef├╝hrt wird, so ungeduldig rutschen mittlerweile die eigentlichen Stars des Abends von einer Pobacke auf die andere. Kurz vor elf lassen wir schlie├člich die Katze aus dem Sack. Besser gesagt: die Katzen. Wie es sich f├╝r ein spannendes Finale geh├Ârt, laufen die beiden besten Finalisten punktgleich im Gleichschritt ├╝ber die Ziellinie. Erst das Stechen entscheidet. Und da hat Youngster Paul M├Âgel (21) aus Dresden sein freches B├Ąrtchen vorn, gewinnt hauchd├╝nn vor Routinier Michael Furchner (39) aus Wolfsburg. Ausschlag gab das bessere Ergebnis im direkten Vergleich. ├ťberraschend cool nimmt M├Âgel anschlie├čend Gl├╝ckw├╝nsche und den Ford Focus Turnier entgegen. Obwohl sich der Mechatronik-Student das Kunstst├╝ck leistete, in der Theorie Drittletzter zu werden, hat er "eigentlich schon damit gerechnet, vorn zu landen". Das h├Ątte eine Frau nie gesagt. M├Ąnner!
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