Viel gegensätzlicher kann Sommerurlaub kaum sein: Wer an der Oder nach Norden bis an die Ostsee fährt, erlebt wilde, ursprüngliche Flusslandschaften, verträumte Oderdörfer und schließlich Usedom mit seinen mondänen Kaiserbädern. Unterwegs warten viele Überraschungen: eine sozialistische Planstadt, nachdenklich machende Fluggeräte, ein gigantischer Skulpturenpark und Europas größte Seebrücke. Und manches entlang der polnischen Grenze erinnert an Kuba, Hawaii und den Mississippi.
Hier haben wir die passenden Stellplätze für die Region.

Kloster – Neuzelle

In Neuzelle werden selbst die größten Kirchenmuffel zu Gotteshaus-Fans. Denn die katholische Stiftskirche St. Marien, im 13. Jahrhundert von italienischen Baumeistern im gotischen Baustil errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert von böhmischen Künstlern auf barock gebürstet, ist ein überwältigendes Kunstwerk und eine der bedeutendsten und schönsten Kirchen Europas.
Um sich wirklich auf die Kirche, ihre reiche Geschichte und Innenausstattung einlassen zu können, ist eine Führung ratsam. Touren durch den Prunkbau beginnen täglich um 14 Uhr. Wer in die Welt der Zisterziensermönche eintauchen möchte, entscheidet sich am besten für eine Klosterführung (Mai bis September, immer samstags um 14.30 Uhr, Anmeldung erforderlich). Sehr zu empfehlen ist die Gesamttour, die durch St. Marien, die evangelische Kirche, Park, Kreuzgang und das Museum "Himmlisches Theater" mit Passionsdarstellungen führt. Ein gigantischer und wunderschöner Klosterkomplex.
Stiftspl. 5, 15898 Neuzelle
Tel. 03 36 52-61 02
www.zisterzienserkloster-neuzelle.de
Preise für Führungen siehe Internet

Sozialistische Planstadt – Eisenhüttenstadt

Unter amerikanischen Europa-Touristen ist die um ein riesiges Eisenhüttenwerk angelegte sozialistische Musterstadt "Iron Hut City" schon lange ein Geheimtipp. Unter deutschen Urlaubern hat sich noch nicht wirklich herumgesprochen, wie interessant die in den 1950ern auf dem Reißbrett geplante Stadt an der polnischen Grenze ist. Wie Bauklötze stehen die Plattenbau-Wohnkomplexe I bis IV an den großzügig angelegten Magistralen.
Vieles wirkt überdimensioniert, und das hat seinen Grund. Eisenhüttenstadt sollte viel größer werden, als es heute dasteht. Wegen knapper Ressourcen fiel das Endergebnis allerdings deutlich bescheidener aus. Dennoch ist Eisenhüttenstadt heute das größte Flächendenkmal Europas. Besonders sehenswert sind die schnurgerade Lindenallee, das Friedrich-Wolf-Theater, das Museum Utopie und Alltag – oder das Restaurant Aktivist, das zu DDR-Zeiten bodenständig "Gaststätte Aktivist" hieß und noch heute sozialistischen Charme versprüht. Wie die gesamte Planstadt. Unbedingt eine Stadtführung mitmachen!
Tourist-Info
Lindenallee 25, 15890 Eisenhüttenstadt
Tel. 0 33 64-41 36 90
https://tor-ehst.de
Weitere Wohnmobil-Stellplätze finden Sie auf pincamp.de

BLMK – Frankfurt/Oder

Das Brandenburgische Museum für Moderne Kunst (BLMK) zeigt die weltweit umfassendste Sammlung von DDR-Kunst. Drei Viertel der insgesamt 45 000 Werke stammen aus DDR-Zeiten, nicht vertreten sind allerdings Arbeiten des sogenannten Sozialistischen Realismus. Die Werke werden in enger Taktung in Ausstellungen gezeigt, insgesamt sind es an den beiden Museumsstandorten Frankfurt/Oder und Cottbus bis zu 24 pro Jahr. Einen kleinen Vorgeschmack holen sich Besucher am besten auf der Website des BLMK unter der Rubrik "Sammlung online".
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11
15230 Frankfurt/Oder
Tel. 03 35-4 01 56 29
www.blmk.de
Öffnungszeiten: Di.–So. 11- 19 Uhr
Preise: 4 Euro (Erw.), 3 Euro (erm.), Jugendliche bis 18 J. frei

Insel Ziegenwerder – Frankfurt/Oder

Die Naturinsel zwischen Alter und Neuer Oder hat zwei Gesichter: ein Teil wurde 2003 zum heutigen Europagarten mit einer schmucken Promenade mit Sitzbänken, üppigen Blumenrabatten und schmalen Wasserläufen umgestaltet. Zum Garten gehören außerdem das Heckentheater mit Gastronomie, ein Panoramakino sowie ein XL-Abenteuerspielplatz.
Der andere Teil ist dagegen ursprünglicher und wilder. Hier ragen alte, sich selbst überlassene Baumriesen in den Himmel und bieten den "Ureinwohnern" von Ziegenwerder, darunter Eichhörnchen, Eidechsen und kleine Säugetiere, eine Fluchtmöglichkeit bei Hochwasser. Auch für Menschen, denen die Stadt gerade zu hektisch ist, dient Ziegenwerder als Zufluchtsort. Die Insel ist zu jeder Jahreszeit für einen entspannten Spaziergang gut. Nur bitte den Pegelstand der Oder beachten!
Herrmann-Weingärtner-Weg
15230 Frankfurt/Oder
Tel. Tourist-Info: 03 35-6 10 08 00
www.frankfurt-oder.de

Basare – Slubice (Polen)

Die beiden Basare in Słubice auf der Frankfurt/Oder gegenüberliegenden Flussseite sind gerade bei Deutschen sehr beliebt. Hier gibt es so ziemlich alles zu niedrigen Preisen: Kleidung, Schuhe, Handtaschen, Elektronik, Haushaltswaren, Zigaretten, Alkohol, Parfum, Lebensmittel, Werkzeug, Tiernahrung oder Spielzeug. Manche Angebote sind kompletter Ramsch und etwas für den gelben Sack, andere echte Schnäppchen. Vor allem mit den Obst- und Gemüsepreisen in den Basaren können Anbieter auf deutscher Seite nicht mithalten. Selbst wer nichts kaufen möchte, sollte sich einen klassischen Basar mit seinem wilden Angebot einmal ansehen.
ul. Kopernika und ul. Sportowa
69-100 Słubice
www.bazarslubice.pl
Öffnungszeiten beider Basare: tägl. 8–17 Uhr

"Festung Küstrin" – Kostrzyn (Polen)

Die "Festung Küstrin" ist ein trauriges Beispiel für den Irrsinn des Krieges. Im Januar 1945, als die russischen Truppen unaufhaltsam auf Berlin vorrückten und der Krieg für die Nazis längst verloren war, erklärte Adolf Hitler die Stadt an der Oder zur Festung – und besiegelte damit ihr Schicksal. Im wochenlangen Kampf um Küstrin ging die gesamte Altstadt auf der Oderinsel unter – und mit ihr die alten Festungsanlagen aus dem 16. Jahrhundert, die den Stadtkern jahrhundertelang geschützt hatten. Heute ist das ehemalige Schlachtfeld, die Altstadtinsel, ein Ruinenfeld, eine Art mitteleuropäisches Pompeji, das heute zu Polen gehört. Besucher können die Reste der Festung besichtigen, am besten per Führung. Denn die Ruinen können nur einen Teil der grauenvollen Geschichte Küstrins erzählen.
Graniczna 1, 66-470 Kostrzyn nad Odra
Tel. +48-(0)9 57 52-23 60
http://muzeum.kostrzyn.pl/de
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr
Preise: 25 PLN (Erw.), 20 PLN (erm.), Kinder unter 7 J. frei

Nationalpark Warthemündung – Kostrzyn (Polen)

Am Kostrzyner Stadtrand beginnt der noch junge Nationalpark Warthemündung. Er umfasst 8000 Hektar Wald-, Wiesen-, Sumpf- und Wasserflächen, die sich kilometerweit an der Warthe entlangziehen und von holprigen Feldwegen durchzogen sind. Wer hier hindurchradeln will, braucht einen gut gepolsterten Sattel. Wanderer haben es da besser. Der Nationalpark ist vor allem bei Ornithologen sehr beliebt. Kein Wunder: Hier leben rund 280 verschiedene Vogelarten. Tourenvorschläge für Wanderungen durch das einzigartige Auenland gibt es im Besucherzentrum und im Internet.
Besucherzentrum: ul. 3 Lutego 90, 66-436 Słonsk
Tel. +48-(0)9 57 57-21 10
www.pnujsciewarty.gov.pl

Schloss Dabroszyn – Dabroszyn (Polen)

Fünf Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze steht seit ungefähr 1686 Schloss Dabroszyn (früher Tamsel). Auf das Jahr genau weiß das heute niemand mehr. Berühmt wurde das Schloss durch Theodor Fontanes Werk "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", in dem der Schriftsteller von dem Landsitz schwärmt.
Auch heute geraten Besucher des Schlosses noch in Verzückung, wenn hier auch die Zeit, Mitte des 18. Jahrhunderts ebenso russische Soldaten ihre Spuren hinterlassen haben. Die Besichtigungstour führt neben dem Schloss auch durch den prächtigen Park, eine Kirche und einen Bauernhof. Das Ensemble hat eine kuriose Geschichte: So waren griechische Handwerker am Bau des Schlosses beteiligt, in dem sich später Kronprinz Friedrich und die schöne Schlossherrin Eleonora von Wreech in ein wildes Liebesabenteuer stürzten. Und auch die Rote Armee spielt in der Schlossgeschichte eine Rolle. Alle Details, manche davon schmutzig, gibt es während einer Führung.
JP94+R2, 66-460 Dabroszyn
Tel. +48-(0)3 34 79-54 78 45

Kulturhafen - Groß Neuendorf

Der denkmalgeschützte historische Hafen mit seinem charakteristischen Verladeturm war bis zur Stilllegung der Oderbruchbahn 1966 ein wichtiger Umschlagplatz für den internationalen Getreidehandel. Auch Passagierschiffe legten hier an. Bis in die 1990er wurde von Groß Neuendorf noch Getreide nach Berlin verschifft. Dann war Schluss. Heute sind im alten Verladeturm ein Café, Ausstellungsräume und eine Ferienwohnung untergebracht. Sie sind Teil des Kulturbahnhofs, ebenso wie ein Restaurant im benachbarten Maschinenhaus, ein Landwirtschaftsmuseum, eine Kunstgalerie sowie Deutschlands östlichstes Theater.
Gespielt wird in einem historischen Güterwagen. Eine Skaterbahn, eine Aussichtsplattform und ein Fahrradverleih komplettieren das breite Angebot des Kulturhafens, von dem aus Charterfahrten auf der Oder starten. Und wer möchte, kann ein paar Nächte im wohnlich eingerichteten Bahnwaggon oder der aussichtsreichen Turmwohnung statt im Reisemobil verbringen. Ein Bündel toller Ideen für die Nachnutzung eines historischen Ensembles.
Hafenstraße 1a
15324 Groß Neuendorf
Tel. 03 34 78-3 86 86
www.verladeturm.de

Schaufelfähre – Gozdowice (Polen)

Was die Oder mit dem Mississippi gemeinsam hat, ist in dem kleinen Dorf Güstebieser Loose zu sehen. Dort pendelt eine Schaufelfähre über den Fluss ins polnische Gozdowice. Gut, die kleine Oderfähre "Bez Granic" (deutsch: "Ohne Grenzen") kann nicht so ganz mit einem Mississippi-Raddampfer mithalten, schaufelt aber laut und reichlich Oderwasser, um voranzukommen. Mehr als 60 Jahre hatte die Fähre Pause, bevor sich die Gemeinde, Vereine sowie Bürgerinnen 2007 endlich ihr Wassertaxi zurückerkämpfen konnten. Jetzt pflügt die schöne Schaufelradfähre wieder stündlich durch den Fluss.
Infos: Amt Barnim-Oderbruch
Freienwalder Straße 48, 16269 Wriezen
Tel. 03 34 56-3 99 60
www.barnim-oderbruch.de

Kolonisten-Kaffee – Neulietzegöricke

Neulietzegöricke ist das erste Kolonistendorf nach der Trockenlegung des Oderbruchs durch Friedrich den Großen anno 1753. Im Café, dessen Name sich von der Besiedelung der Region ableitet, schenkt Martina Herrlich-Gryzan seit zehn Jahren frisch gemahlenen Kaffee aus und serviert dazu wahlweise selbst gebackenen Kuchen oder Eis aus dem nahen Örtchen Zollbrücke. Wer mag, kostet danach ein Glas hausgemachten Eierlikör.
Die mild gerösteten Kaffeespezialitäten wie auch die Kuchen und Torten sind über die Region hinaus bekannt. Vermutlich wäre auch der preußische König Friedrich II., bekannt auch als der Alte Fritz, ein ausgewiesener Kaffee-Connaisseur, hier gern eingekehrt, obwohl er anderen den Kaffee missgönnte. Er verbot zeitweise die Einfuhr von Kaffee, um den Geldabfluss ins Ausland zu verringern und stellte sogar Kaffeeschnüffler an, deren Job es war, illegale Kaffeeröster aufzuspüren. Das Kolonisten-Kaffee hätten sie sicher schon auf einige Meilen Entfernung erschnüffelt.
Neulietzegöricke 78, 16259 Neulewin/ Neulietzegöricke
Tel. 01 62-2 14 02 21
www.kolonisten-kaffee.de
Öffnungszeiten siehe Internet

Schiffshebewerke – Niederfinow

Das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands hievt seit mittlerweile 90 Jahren Wasserfahrzeuge aller Art zwischen Oder-Havel- Kanal und Oder auf und ab. Die Prozedur dauert jeweils nur fünf Minuten. Wie viele Schiffe den "Wasserfahrstuhl", ein Denkmal großer Ingenieurskunst, in all den Jahren genutzt haben, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Fest steht aber, dass das 60 Meter hohe, aus 14.000 Tonnen genietetem Stahl bestehende Hebewerk in Zukunft deutlich weniger zu tun haben wird.
Denn seit zwei Jahren steht gleich nebenan Europas modernstes Hebewerk. Überraschenderweise ist der nagelneue Betonturm nur etwa 55 Meter hoch – und damit fünf Meter kleiner als der historische Stahlkoloss. Wie sein betagter Nachbar befördert das neue Hebewerk Schiffe schwimmend in einem wassergefüllten Trog nach oben oder unten. Allein die wassergefüllte "Badewanne" wiegt 4300 Tonnen! Es ist ein Spektakel in Zeitlupe, dem Riesen bei seiner Schwerstarbeit zuzusehen.
Hebewerkstraße 70a, 16248 Niederfinow
Tel. 03 33 62-71 82 50
https://schiffshebewerk-niederfinow.com
Öffnungszeiten: tägl. 10-18 Uhr
Preis Führungen: 8 Euro (Erw.), 5 Euro (erm.), 25 Euro (Familien)

Radeln im Nationalpark Unterer Odertal – Hohensaaten

Er ist 50 Kilometer lang, fünf Kilometer breit und mehr als 10 000 Hektar groß: Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark zählt zwar nicht zu den ganz großen. Doch wer hier mit dem Rad unterwegs ist, kann sich trotzdem einen veritablen Muskelkater erstrampeln. Zum Beispiel auf der Strecke von Hohensaaten nach Criewen und wieder zurück. Die einfache Tour führt rund 22 Kilometer auf der deutschen Seite immer an der Oder entlang.
Für die Abwechslung empfiehlt sich die Rücktour auf der polnischen Oderseite. Wegen der einzuplanenden Flussüberquerungen ist die Strecke mit etwa 47 Kilometern allerdings deutlich länger als der Hinweg, landschaftlich aber mindestens genauso schön. Es geht durch sehr dünn besiedeltes Auenland, durch das der Fluss den Weg weist. Für Gelegenheitsradler ist die insgesamt rund 70 Kilometer lange Strecke eine echte Herausforderung. Aber wozu gibt es eigentlich E-Bikes?
Nationalpark-Besucherzentrum, Park 2
16303 Schwedt-Criewen
Tel. 0 33 32-2 67 70
https://www.nationalpark-unteres-odertal.eu/de/

"Klein Vinales" – Schwedt

Überall Tabakplantagen! Wer im 18. und 19. Jahrhundert nach Schwedt gekommen ist, dürfte sich wie im weltberühmten Tabaktal von Viñales in Kuba gefühlt haben. Heute ist jedoch von dem einstmals nach Baden und der Pfalz drittgrößten Tabakanbaugebiet Deutschlands nicht mehr viel zu sehen. Statt der Tabakindustrie dominieren die Zelluloseverarbeitung und die durch die Energiekrise der vergangenen Jahre bekannt gewordene Raffinerie.
Dennoch nennt sich Schwedt noch immer Tabakstadt – und unterstreicht seine agrarische Geschichte zusätzlich mit einem Tabakmuseum. Passenderweise ist es in einer früheren Tabaktrockenscheune untergebracht. Hier wird die Geschichte des Tabakanbaus, seiner Verarbeitung und des Tabakhandels nacherzählt, unter anderem anhand historischer Maschinen. Ein Highlight sind die Schaubeete im Außenbereich, auf denen verschiedene alte Tabaksorten sprießen. Wer sich selbst einmal als Tabakbauer versuchen möchte, kann sich im Museumsshop mit Samen eindecken. Die Pflanzen mögen es übrigens wie die Urlauber: warm und sonnig.
Breite Str. 14, 16303 Schwedt
Tel. 0 33 32-25 09 91
https://schwedt.eu
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-15, Sa. u. So. 14-17 Uhr
Preise: 2 Euro (Erw.), 1 Euro (erm.)

Slawen- und Wikingerzentrum – Wolln (Polen)

Das archäologische Museumsdorf besteht aus gut zwei Dutzend in Originalgröße rekonstruierten slawischen Block-, Pfosten- und Spaltbohlenhäusern, wie sie im 9. und 10. Jahrhundert verbreitet waren. Die Siedlung ist zur Landseite hin mit einem von Holzpalisaden gekrönten Erdwall abgegrenzt, am Anlegekai liegt das historische Schiff "Eagle Jumna", ebenfalls ein originaler Nachbau, der auf einen Ausgrabungsfund zurückgeht.
Wer das Dorf betritt, fühlt sich tatsächlich um ein Jahrtausend zurückversetzt. Noch perfekter wird die Illusion einer Zeitreise durch Museumsmitarbeiter, die sich in historischen Kostümen handwerklich betätigen. Vom Töpfer über Bronzegießer, Schmied, Filzer, Weber, Bäcker oder Lederschneider ist alles vertreten. Besucher dürfen ihnen zusehen oder unter Anleitung selbst Hand anlegen. Spannendes, perfekt inszeniertes frühes Mittelalter.
Recław 37, 72-510 Wolin
Tel. +48-(0)7 81 00-40 90
https://jomsborg-vineta.com
Öffnungszeiten: Juli und August tägl. 10-18, übrige Zeit bis 16 Uhr
Preise: 20 PLN (Erw.), 17 PLN (erm.); 10 PLN = 2,32 Euro

Strand – Altwarp

Romantisch, romantischer – Altwarp! Die kleinen, von Schilf umsäumten Strändchen des alten Fischerdorfs zählen zu den verschlafensten und ursprünglichsten an der deutschen Ostseeküste. Vor Altwarp fällt das Stettiner Haff badefreundlich sanft ab. Das Gelände rund um den Mini-Hafen gehört den Campern. Zur Gratisausstattung des Stellplatzes gehören Haffblick, Meeresbrise – und die Sonnenaufgänge über der polnischen Haffseite.
Gemeinde Altwarp
Tel. 03 97 79-26 40
www.fischerdorf-altwarp.de

Naturpark Stettiner Haff – Eggesin

Die Kulturlandschaft südlich des Haffs ist seit 2005 bis an die Grenze zu Polen ein Naturpark. Die abwechslungsreiche Gegend ist geprägt von Landwirtschaft, Wäldern, Heide- sowie Feuchtflächen – und Heimat seltener Tierarten wie See- und Schreiadler, Schwarzstorch und Kranich. Auf Wiesenflächen arbeiten schottische Hochland- und Limousinrinder als Bio-Rasenmäher. Auch Koniks, Abkömmlinge des ausgestorbenen europäischen Wildpferds, traben durch die Landschaft.
Konik kommt aus dem Polnischen und bedeutet „kleines Pferd“. Ein passender Name, denn Koniks werden nur etwa 1,40 Meter groß. Im Naturpark sorgen sie mit ihrem Weideverhalten dafür, dass die offenen vorpommerschen Landschaften erhalten bleiben. Das stärkt die Artenvielfalt. Der weitläufige Naturpark ist ideal für Radtouristen. Infos zu Touren und besonders sehenswerten Orten gibt es im Naturparkzentrum. Kleiner Wermutstropfen: Mehrere Aussichtstürme im Naturpark sind baufällig und deshalb gesperrt. Zum Glück ist der Naturpark auch vom Boden aus betrachtet wunderschön. Eine Gegend zum Durchatmen.
Am Bahnhof 4, 17367 Eggesin
Tel. 03 85-58 86 48 10
www.naturpark-am-stettiner-haff.de
Öffnungszeiten Naturparkzentrum: Mo.-Fr. 9.30-17 Uhr, Sa. 10-16 Uhr

Fischereihafen – Ueckermünde

Die Uecker, die Feuchtwiesen, das Haffbad am Strand, der Tierpark, die moderne Marina Lagunenstadt: Ueckermünde lockt mit diversen Sehenswürdig- und Annehmlichkeiten und zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen am Haff. Das hat auch kulinarische Gründe. Am Ueckerdamm verkauft die Fischereigenossenschaft Haffküste fangfrischen und schmackhaft geräucherten Fisch: Makrele, Sprotte, Lachs, Scholle und Hering in diversen Variationen. Wer den Fischern beim Entladen ihrer Meeresfracht zusehen oder den Fisch noch zehn Minuten frischer als im Genossenschaftsladen kaufen möchte, sollte sich am Fischereihafen am Kanalweg auf die Lauer legen.
Am Ueckerdamm 1
17373 Ueckermünde
Tel. 03 97 71-5 33 93
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-16 Uhr

Strand – Mönkebude

Heringsdorf, Ahlbeck, Bansin – klar, die Strände der Kaiserbäder (Ziel 27) sind wunderschön. Doch auch abseits vom großen Usedomer Touri- Trubel gibt es schöne Badestellen. Zum Beispiel in Mönkebude zwischen Ueckermünde und Anklam. Das alte Fischerdorf an der Haffseite ist seit 1999 staatlich anerkannter Erholungsort, was auch mit dem nur etwa 50 Meter langen, feinen Sandstrand neben dem Jachthafen zu tun hat. Er wird von Bäumen umsäumt, hier und da stehen ein paar Strandkörbe – fertig. Getränke und Snacks gibt es in der Strandhalle und der Strandoase am Reisemobilstellplatz. Ein Ort zum Dösen und Bücherlesen.
Tourismusbetrieb
Am Kamp 13, 17375 Mönkebude
Tel. 03 97 74-2 03 23
www.moenkebude.de

Otto-Lilienthal-Museum – Anklam

Obwohl am Meer aufgewachsen, zog es Otto Lilienthal (1848-1896) zeitlebens nicht ans oder ins Wasser, sondern in die Luft, und zwar mit abenteuerlich anmutenden Fluggeräten. Im Otto-Lilienthal-Museum sind einige Nachbauten der ikarusartigen Apparate zu sehen, mit denen Anklams berühmtester Sohn und dessen Bruder Gustav die Schwerkraft zu überwinden versuchten. Flugängstliche werden sich beim Anblick der Lilienthal’schen Konstruktionen in ihrer Skepsis gegenüber Flugreisen bestätigt fühlen.
Neben diversen mehr oder weniger flugtauglichen Geräten ist im Museum auch von den Lilienthals entworfenes Spielzeug zu sehen. Klar, dass viele Flugzeuge darunter sind. Tipp für den Fall, dass das Wetter zu gut für einen Museumsbesuch ist: eine Rundwanderung durch den Anklamer Stadtbruch. Das Gebiet zählt zu den größten Hochmoorflächen Deutschlands und existiert nur dank einer Sturmflut vor 20 Jahren. Damals brach ein Deich, worauf sich riesige Wassermengen ins sterbende Moor ergossen und es zu neuem Leben erweckten. Ein mystischer Ort und inzwischen wieder Heimat vieler Wasservogelarten, von Bibern, Ottern und Seeadlern.
Ellbogenstraße 1, 17389 Anklam
Tel. 0 39 71-24 55 00
www.lilienthal-museum.de
Öffnungszeiten: tägl. ab 10 Uhr, Sa. u. So. ab 13 Uhr, montags geschlossen
Preise: 4,50 Euro (Erw.), 3,50 Euro (erm.)

Fischerkaten-Radtour – Rankwitz

Rankwitz an der Peene zählt schon wegen seiner vom Badetourismus kaum berührten Lage zu den gemütlichsten Orten auf Usedom. Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf und überhaupt die gesamte Halbinsel Lieper Winkel ist so etwas wie ein Geheimtipp für Urlauber, die Ruhe schätzen. Die gibt es selbst am Rankwitzer Hafen, dem touristischen "Hotspot" mit Restaurant, Dorfladen, Fischverkauf, Räucherei, Radverleih und ein paar Ferienapartments mit Wasserblick.
Das Örtchen selbst liegt einen guten Kilometer nördlich und ist für seine restaurierten, mit Reet gedeckten alten Fischerkaten bekannt. Hafen, Dorf und die gesamte Halbinsel Lieper Winkel zwischen Achterwasser und Peenestrom lassen sich bestens per Rad erkunden. Die große Runde vom Hafen über Quilitz, Warthe und Grüssow und zurück zum Hafen ist etwa 20 Kilometer lang und führt zu großen Teilen am Wasser entlang – herrlich! Schön außerdem, dass hier kaum mal ein Auto stört.
Usedom Tourismus
Tel. 03 83 75-24 42 44
www.usedom.de
"Die Insel", "Orte" und "Lieper Winkel" anklicken

Skulpturenpark – Wolgast

Etwas außerhalb von Katzow haben 90 Künstlerinnen und Künstler aus 23 Nationen den größten Skulpturenpark Europas geschaffen. Auf 20 Hektar Fläche stehen Gebilde aus Holz oder Stahl in der vorpommerschen Landschaft, viele recken sich ein wenig verwittert oder rostrot korrodiert in den Himmel. Ein mystischer Anblick, besonders bei Nebel oder Regenwetter. Den Anfang machte der Bildhauer Thomas Radeloff, als er 1991 seine "Drei Figuren" auf eine Wiese stellte. Das Projekt nahm schnell Fahrt auf, jedes Jahr kamen während internationaler Workshops neue Kunstwerke hinzu. Das Ergebnis ist ein sehr eindrucksvoller Skulpturenpark von europäischem Rang – und bestens geeignet für einen ausgedehnten "Slalom"-Spaziergang um die Kunstwerke.
Dorfstraße 45, 17509 Katzow
https://skulpturenpark.wixsite.com/skulpturenparkkatzow
durchgehend kostenlos zugänglich

Genossenschaftliche Verkaufsstelle Fisch – Freest

Frischer geht’s wirklich nicht. Die knapp zwei Dutzend Freester Fischer kuttern täglich zu Fangfahrten auf die Ostsee hinaus. Ein Teil des Fangs landet nur Minuten nach der Rückkehr in den Freester Hafen in der genossenschaftlichen Verkaufsstelle der Fischer an der Dorfstraße, keine 200 Meter vom Hafen entfernt. Neben fangfrischem gibt es hier küchenfertigen Fisch und Fischfilets, Räucherfisch in diversen Variationen aus eigener Räucherei sowie Tiefkühlfisch, Marinaden, Salate, Salzhering und Fischkonserven, dazu Fischbrötchen und -buletten und andere Snacks. Kurz: Die Verkaufsstelle der Freester Fischer ist ein kleines Paradies für alle, die Fische zum Fressen gern haben.
Infos: Fischereigenossenschaft "Peenemündung" Freest
Dorfstraße 29, 17440 Kröslin/Freest
Tel. 03 83 70-2 58 25
www.fischerei-freest.de
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-17 Uhr, Sa. bis 12 Uhr

Robben-Safari zur Greifswalder Oie – Peenemüde

Die Greifswalder Oie ist so etwas wie das Helgoland der Ostsee. Die Insel liegt nordöstlich von Peenemünde ziemlich abgeschieden im Meer. Die Schiffstour zur Oie dauert etwa 90 Minuten, danach ist Landgang angesagt: Ein Guide des Vereins Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur führt die Ausflügler zwei Stunden über das kleine Eiland und erklärt ihnen die besondere Flora und Fauna. Highlights sind die Kegelrobben, die die Oie als Rückzugsort nutzen, und der Leuchtturm, der von den Stränden Usedoms aus zu sehen ist. Inselbesucher können ihn besteigen und von oben bis Rügen auf der einen Seite und Swinemünde auf der anderen sehen.
Apollo Fahrgastreederei
Hafenpromenade 8, 17449 Peenemünde
Tel. 03 83 71-2 84 29
www.schifffahrt-apollo.de
Touren anklicken, Termine siehe Internet
Preise: 27,50 Euro (Erw.), 12,50 Euro (Kinder 5-11 J.), 80 Euro (Familien)

Salzhütte – Koserow

Das Team der Salzhütte hat sich passend zur Lage des Restaurants am Wasser auf die Zubereitung von Fisch spezialisiert. Täglich sorgt der Salzhütten-Fischer für frischen Fisch- Nachschub aus der Ostsee, ein Teil des Fangs wird anschließend nach traditioneller Art auf gut abgelagertem Buchenholz geräuchert. Daher der verlockende Duft, der das denkmalgeschützte, mit Reet gedeckte Ensemble einhüllt. Seinen letzten Weg auf dem Servierteller tritt der Fisch gebraten, sanft gekocht oder als Einlage in einem Süppchen an. Kulinarischer Tipp: die Räucherplatte mit Aal, Lachs und Heilbutt, je nach Gusto ganz schlicht mit Brot, Brat- oder Backkartoffeln.
Am Strande 1, 17459 Koserow
Tel. 03 83 75-2 06 80
www.koserower-salzhuette.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-17.30 Uhr

Europas längste Seebrücke – Heringsdorf

Wer hat die längste? Wenn es um Seebrücken geht, liegt Heringsdorf europaweit vorn. Der "Steg in die See" misst exakt 508 Meter. Er ruht auf rund sechs Meter tief im Ostseegrund verankerten Stahlpfeilern, die zusätzlich stabilisierend mit Sand gefüllt sind. Schließlich muss die Seebrücke immer häufiger Sturmfluten trotzen, zuletzt verursacht durch Sturmtief "Wolfgang" im Oktober vergangenen Jahres. An der Spitze der Brücke, weit draußen in der Ostsee, thront ein futuristischer Bau mit pyramidenförmigem Dach, in dem ein italienisches Restaurant untergebracht ist. Der Weg dorthin lohnt sich wegen der mediterranen Gerichte und natürlich wegen des grandiosen Meerblicks. Ein Gefühl wie auf einem Schiff, nur ohne appetithemmendes Schaukeln und Schwanken. Auch bei schlechterem Wetter ist die Promenade übrigens ein Tipp. Denn 300 Meter des XL-Stegs sind überdacht. Für den Ernstfall gehört dennoch ein Südwester ins Reisegepäck.
Tourist-Info
Delbrückstraße 69, 17424 Heringsdorf
Tel. 03 83 78-24 51
www.kaiserbaeder-auf-usedom.de
Restaurant Ponte Rialto auf der Seebrücke:
https://ponte-rialto.eatbu.com

Kaiserbäder-Promenade (Ahlbeck)

Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin ganz weit vorn in der Gunst der deutschen Badegäste. Grund dafür waren vor allem die wunderschöne Ostseelage, der lange Usedomer Sandstrand, das vielfältige kulturelle Angebot und die charakteristische Bäderarchitektur. All dies gefiel auch Kaiser Wilhelm I., der wie sein Nachfolger, Wilhelm II., häufiger auf Usedom sommerfrischte, was den drei Badeorten den gut zu vermarktenden Titel "Kaiserbäder" einbrachte.
Heute sind die Kaiserbäder und der polnische Teil Usedoms durch die 8,5 Kilometer lange Kaiserbäder-Promenade miteinander verbunden. Damit ist sie die längste Promenade Europas. Guter Start- oder Zielpunkt für Flaneure ist die vergleichsweise kurze, aber wunderschöne denkmalgeschützte Seebrücke in Ahlbeck von 1898, an deren Fuß das berühmte, original erhaltene Restaurant mit seinen charakteristischen vier Türmchen steht. Es war Drehort etlicher Filme, darunter von Loriots "Pappa ante Portas", und zählt zu den häufigsten Fotomotiven auf Usedom.
Kaiserbäder Tourismus Service
Lindenstraße 60, 17419 Heringsdorf
Tel. 03 83 78-27 30
Infos auch unter www.usedom.de

Fischräucherei Klönsnack – Kamminke

An sonnigen Sommertagen – und davon gibt es so einige auf Usedom – umweht das gemütliche Fischrestaurant am Meer ein Hauch von Waikiki Beach, Hawaii. Das liegt am großen Angebot an Meeresfrüchten, dem sanften Gurgeln des Haffs und den lauschigen Außenplätzen. Klönsnack-Gäste speisen unter offenen, reetgedeckten Pavillons mit Haffblick – sehr romantisch, gerade zum Sonnenuntergang. Zugegeben, für das 100-prozentige Hawaii-Gefühl fehlen ein paar Surfer auf dem Wasser, und auch Fischgerichte werden in Kamminke doch etwas anders als auf der Inselgruppe im Pazifik interpretiert. Üblicherweise kommt der Fisch klassisch deutsch mit Bratkartoffeln oder Pommes auf den Tisch. Kein Schnickschnack im Klönsnack, sondern leckere Hausmannskost.
Auf der Mole, 17419 Kamminke
Tel. 03 83 76-29 88 42
www.fischraeucherei-kamminke.de
Öffnungszeiten: tägl. 11-20 Uhr, Fr. u. Sa. bis 22 Uhr
Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte prüfen Sie vor Ihrer Abreise alle Daten wie Preise und Öffnungszeiten.
Autor: Jens Lehmann