Die einen erwarten mehr Ruhe und Sicherheit, die anderen lehnen es als Gängelung und verordneten Stillstand ab: Tempo 30 flächendeckend in der Stadt ist derzeit in der Diskussion. Die Befürworter von der Initative "30 km/h – macht die Straßen lebenswert!" haben jetzt einen ersten wichtigen Erfolg zu verzeichnen: Die EU-Kommission in Brüssel ließ ein europaweites Bürgerbegehren zu. Bis November 2013 müssen eine Million Unterschriften in mindestens sieben EU-Mitgliedsländern gesammelt werden. Bei Erfolg wäre die Kommission gezwungen, sich innerhalb von drei Monaten mit dem Thema zu befassen und möglicherweise gesetzgeberisch tätig zu werden.

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Kampagne für Entschleunigung
Tempo 30 auch auf Haupstraßen? Laut Umweltbundesamt wäre der Zeitverlust gering, der Umweltnutzen jedoch unklar.
Ziel der Initiatoren ist es, Tempo 30 in der Stadt nicht nur in Wohngebieten, sondern als Regelgeschwindigkeit – also auch auf Hauptverkehrsstraßen – zu etablieren. Die Einrichtung von 50 km/h an bestimmten Stellen müsste dann jeweils als Ausnahme begründet werden. Unfallgefährdung, Luftverschmutzung und Lärmbelastung sollen reduziert werden, Gehen, Radfahren und die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln an Attraktivität gewinnen. Gegner wie der ADAC halten das Vorhaben für "gefährlich, teuer und schlecht für die Umwelt". Verkehr drohe sich bei fehlendem Tempogewinn auf Hauptstraßen in Wohngebiete zu verlagern, so Europas größter Verkehrsclub. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht das anders. Der Zeitgewinn bei 50 km/ Höchstgeschwindigkeit bewege sich bei einer Durchschnittsfahrt im Sekundenbereich, so UBA-Sprecher Stephan Gabriel Haufe.

Tempo 30 für Lärmschutz: Nachts wird geschlichen

Die Komplexität des Thema zeigte sich auch auf einer vom UBA veranstalteten Fachtagung in Berlin. Die rund 100 anwesenden Experten kamen zu keinem abschließenden Urteil über Sinn und Zweck von flächendeckendem Niedrigtempo. Studien aus mehreren Ländern konstatierten zwar mehr Sicherheit und weniger Lärmbelastung, doch beim Umweltnutzen herrsche Unklarheit, so Haufe. Zwar werde weniger Feinstaub aufgewirbelt, doch stießen Verbrennungsmotoren stärker umweltschädliche Stickstoffoxide aus.