Drei Sportcoupés im Test
Vorsicht, bissig!

Gefährliche Ansage aus Ingolstadt: Mit aufgeladenem Fünfzylinder und 340 PS pirscht sich der Audi TT RS ins Porsche-Revier. Kann der Allradler den Cayman S und den Nissan 370Z zur Strecke bringen? Ein Vergleich auf dem Contidrom.
- Jörg Maltzan
Nie und nimmer! Heftig empört reagieren Porsche-Fans auf Audis Ansage, den Cayman S mit dem TT RS zu schlagen. Der Audi soll ein blitzschneller Räuber sein, der das Stuttgarter Reptil nicht nur zwickt, sondern hemmungslos beißt. Aber wie, bitte schön, soll ein geborener Fronttriebler mit Golf-Abstammung gegen einen Mittelmotor-Porsche bestehen? Vom dankbaren Opfer zum gefürchteten Jäger? Für den Cayman-Clan undenkbar: nie und nimmer. Sehen da Porsche-Freaks die Gefahr eher aus Fernost? Von dort schickt Nissan seinen neuen 370Z auf die freie Wildbahn. Der Überraschungsangriff auf die deutsche Edel-Konkurrenz kommt mit einem Kampfpreis von etwa 40.000 Euro, während der getestete Porsche mit umfangreichen Extras doppelt so teuer ist. Beim Japaner kostet jedes PS nur 128 Euro, im Porsche 254. Kurios: In diesem Traum-Trio ist ausgerechnet der Cayman S mit "nur" 320 PS das schwächste Modell.
Mit dem TT RS kehrt die große Ingolstädter Fünfzylinder-Tradtion zurück
Hier sieht Audi die verwundbare Porsche-Stelle und setzt den RS an die Spitze der tiefen TT-Hierarchie. Nicht mehr der 250 PS starke V6-Sauger und der TTS mit 272-PS-Turbovierzylinder stehen oben, die jüngste Eskalationsstufe hat 340 PS. Da wird das Nie-und-nimmer der Cayman-Gemeinde schon leiser. Sollte es auch, denn mit dem TT RS kehrt eine große Tradition zurück: Der legendäre Fünfzylinder ist wieder da. Er kommt von Konzernmutter VW, die ihn als 170-PS-Saugmotor im US-Jetta verbaut. Bestückt mit einem modifizierten FSI-Zylinderkopf aus dem R8 V10, neuem Kurbelwellen-Gehäuse sowie einem dicken Borg-Warner-Turbolader wird aus dem langhubigen 2,5-Liter-20-Ventiler ein echter Audi-Treibsatz mit verdoppelter Leistung. Bei 340 PS ist es logisch, dass es den RS nur als quattro gibt. "Krücke!", werden die Nie-und-nimmer-Nörgler schimpfen, denn das von VW übernommene Haldex-System leitet die Kraft nur per Lamellenkupplung und nicht wie bei den Audi-Längsmotoren mit einem mechanischen Torsen-Differenzial an die Hinterachse.
Mit eingeschaltetem ESP ist das Turbo-Tier von Audi schneller als ohne

Bild: Uli Sonntag
Auf 200 km/h spurtet das Turbo-Tier fast zwei Sekunden schneller als der Cayman S, und auf freier Strecke läuft er ihm davon. Für 1600 Euro Aufpreis regelt er erst bei Tempo 280 ab; dem Porsche geht bei 275 km/h die Luft aus – ein kleiner, aber feiner Punkt fürs Prestige. Aber auch Normalfahrern, die nicht auf letzter Rille durch die Lande pfeifen, hat der Audi viel zu bieten. Notsitze im Fond, klappbare Rückenlehnen und dadurch bis zu 700 Liter Kofferraum machen ihn zum besseren Alltags- und Urlaubsauto. Nur die straffe Federung stört. Auf schlechten Straßen schießt sie die Passagiere katapultartig aus den Schalensitzen (2855 Euro). Zum Glück gibt es Abhilfe. Für 1100 Euro Aufpreis liefert Audi im TT RS adaptive Dämpfer (Magnetic Drive) mit Normal- und Sporteinstellung.
Der Porsche Cayman S bleibt trotz Niederlage die Pistensau für Puristen

Bild: Uli Sonntag
Im Vergleich wirkt der Nissan 370Z wie ein Held vergangener Tage

Bild: Uli Sonntag
Nur wenn alles perfekt läuft, liegt er auf der Rennstrecke rund eine halbe Sekunde hinterm Audi. Auf normaler Straße fühlt sich der 370Z wohler. Brachial schiebt ihn sein 3,7-Liter-Aggregat an. Mühelos erreicht er Tempo 250. Und das mit verblüffend hohem Fahrkomfort. Bravo: Auf buckeligen Pisten ist seine Federung zwei Klassen besser als die des TT RS. Und der Audi ist immerhin das neue Referenzauto in dieser Klasse. Von wegen nie und nimmer ...
Weitere Informationen zu den drei Sportlern gibt es in der Bildergalerie, den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen als Download im Heftarchiv.
Fazit
Na also, geht doch: Audi schlägt Porsche. Scheiterte der R8 noch am 911, zieht der TT RS am Cayman S vorbei. Günstiger, praktischer und mit mehr Power – so ist er der bessere Allrounder. Nach verlorener Übernahmeschlacht gegen VW ist das Ergebnis für Porsche pikant: Denn die Stuttgarter firmieren bald neben Audi unter einem Konzerndach – und dann trägt der Sieger auch noch vier Ringe ... Nissans 370Z ist nur Dritter, aber kein Verlierer. Er glänzt als Sympathieträger: Nach Punkten hat er keine Chance gegen die Konkurrenz. Bei der weicheren Fahrspaß-pro- Euro-Relation liegt er vorn.
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