Drei sportliche Luxuslimousinen im Vergleich
Jede Menge Kies

Traumhaft, wenn man sich Luxusprobleme leisten kann. Und Typen wie M5, E 63 AMG und RS6 zu farblos finden kann. AUTO BILD hat die Alternativen Bentley Flying Spur Speed, Jaguar XFR und Maserati Quattroporte Sport GT S verglichen.
- Georg Kacher
Das gewisse Etwas hat man oder eben nicht. Bei Autos passt dieses Etwas in kein Punkteschema, denn es geht hier ja nicht um Sieger und Verlierer, sondern vor allem um emotionale Werte wie Präsenz, Ambiente und die Kraft der Verführung. Das gewisse Etwas, es entsteht aus avantgardistischem Design, unkonventionellen Farben und Werkstoffen, extremen technischen Lösungen, Mut zu Luxus und offensiv verpackter Dynamik. Eigenschaften, die selbst in den Highend-Modellen der deutschen Hersteller nur schwach entwickelt sind. In England und Italien werden Individualisten, die keine finanziellen Sorgen kennen, auf Anhieb fündig. Bentley, Jaguar und Maserati wissen, was sie sich wünschen. Der nach Art des Hauses gestylte Bentley Flying Spur will gar nicht verschweigen, worauf es in dieser Klasse ankommt: auf jede Menge Kies. Als Speed überspringt er schon in der Grundausführung locker die 200.000-Euro-Schallmauer, hat einen auf 610 PS leistungsgesteigerten W12-Biturbo unter der Bügelfalten-Haube, bietet im nach Leder und Holz duftenden Fond die Wahl zwischen lässigem Chaiselongue-Stil und förmlicher Klubzimmer-Zweisitzigkeit.
In Sachen Geräuschkulisse gibt sich der Maserati betont sportlich

Bild: Tom Salt
Dem Jaguar XFR sieht man sein dynamisches Talent nicht sofort an

Bild: Tom Salt
Die Limousine aus den Midlands ist so knapp geschnitten wie ein Nadelstreifen-Dreiteiler aus der Savile Row, aber der Fahrer sitzt sehr bequem, und der Platz im XXL-Kofferraum reicht locker für eine zweite Kiste Château d’Yquem. Die wird allerdings gut durchgeschüttelt, denn kaum ein Auto in dieser Liga treibt bei abgeschaltetem ESP so nachhaltig quer wie der Jaguar – trotz Aktiv-Fahrwerks und fetter 20-Zoll-Bereifung. Die zuverlässig geerdete Lenkung und die Zeitraffer-Bremse sorgen dafür, dass sich die Katze nicht in den Schwanz beißt. Der Quattroporte Sport GT S ist ein Straßenkind im Maßanzug. Statt zu entspannen, schnappt er nach Schlaglöchern, schuhplattlert durch Pfützen, straft Querfugen durch Nachtreten und sagt jedem Scheitelpunkt den Kampf an. Die eher unterbereifte Vorderachse (235/35 zu 295/30 hinten) verstärkt den Kontrast zwischen frühem Untersteuern und spätem Übersteuern. Der kräftigen Bremse wünschen wir eine bessere Dosierbarkeit, die zackige Lenkung könnte noch souveräner in sich ruhen, Geradeauslauf und Federungskomfort erfüllen nur durchschnittliche Anforderungen. Wer den 440 PS starken Viertürer fliegen lassen will, der braucht viel Platz, viel Mut und viel Vertrauen in den Dialog von Mensch und Maschine. Der Maserati ist ein Charismatiker, der alle sieben Sinne nachschärft und bis zur Sättigung entlohnt.
Beim Bentley Flying Spur Speed ist der Name auf jeden Fall Programm

Bild: Tom Salt
Fazit
Der Bentley steht für Luxus der alten Schule: viel Leder und Holz, viel Drehmoment, viel Zwölfzylinder-Prestige. Der laute, straffe und rasante Maserati sieht nicht nur aus wie ein echter Straßenfeger, er fährt sich auch so. Der ebenso dynamische wie komfortable XFR ist der beste Jaguar aller Zeiten, denn er kann viel, macht was her und kostet nicht die Welt.
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