Drei Sportlimousinen im Vergleich

Muskeln im Ma├čanzug

Mit ihren Sechszylinder-Limousinen A4 3.2 FSI quattro, 330i und C 350 fahren Audi, BMW und Mercedes-Benz auf Sportwagen-Niveau.

Unauff├Ąllig, aber sch├Ân (und) stark

Es mu├č etwa 1973 gewesen sein. Der beste Freund meines Vaters (ein Estrichleger) kaufte sich einen Mercedes 280 E. Das Ding war beige und bis auf die zu den Radh├Ąusern herumgezogenen Hecksto├čstangen und Zweichfach-Endrohre so unscheinbar wie der vier Jahre alte 200er meines Herrn Papa. Doch was f├╝r ein Unterschied! Als ich das erste Mal im "Zwoachtziger" mitfahren durfte, ver├Ąnderte das meine Autowelt nachhaltig. 185 statt 95 PS waren eine Erleuchtung. Ich war zehn und wollte Estrichleger werden.

Auch 32 Jahre sp├Ąter hat die Masche "gro├čer Sechszylinder in kleiner Stufenhecklimousine" nichts an Reiz verloren. Jetzt hei├čt die Kombination C 350 und ist nach wie vor geeignet, Porsche-Piloten zu schocken. Doch anders als einst der Strich-Acht mu├č sich der Benz heute nationaler Konkurrenz erwehren. Auch Audi und BMW bieten mittlerweile fette Sechszylinder f├╝r ihre kleinen Limousinen an.

├äu├čerlich geben alle drei den Muskelmann im Ma├čanzug. Motto: unauff├Ąllig, aber sch├Ân. Ihre Potenz bleibt elegant verborgen. Nur die Auspuff-Spitzen k├╝nden von der Power der Premiummodelle.

BMW gibt sich weniger dynamisch

Der j├╝ngste Kraftprotz im Trio ist der BMW 330i. Der Name ├Âffnet bei mir ungewollt die Schublade f├╝r Sportutensilien. Vorurteile zu pflegen ist gef├Ąhrlich. Denn die optische Musterung wirft die Frage auf: Ist der neue BMW dynamischer als Audi und Mercedes?

Viel spricht dagegen. F├╝r mich ist der Neue weniger markant. Er ist l├Ąnger und breiter geworden; sein Design weniger gewagt als bei 5er und 7er. Vorn ist er klar als BMW identifizierbar, doch bei Seitenlinien und Heck scheinen die BMW-Oberen ihren Stylingchef eingebremst zu haben. Von hinten wirkt mir der 3er viel zu beliebig ÔÇô eben genau das andere Extrem zum 7er. Immerhin verbessern die gewachsenen Ma├če Raumgef├╝hl, Platzangebot und Sitzkomfort.

Die Prim├Ąrtugenden des 330i erwartet die Kundschaft beim Fahrerlebnis. Hart aber wahr: Im neuen 330i entt├Ąuscht der vielgelobte Reihensechszylinder. Seine 258 PS reichen zwar, um konkurrenzf├Ąhige Me├čwerte zu erzielen, doch subjektiv wirkt er angestrengter und langsamer. Grund: Gegen├╝ber A4 3.2 und C 350 hat er ein Drehmoment-Defizit von 30 beziehungsweise 50 Newtonmetern. Wer mit Audi und Mercedes mithalten will, mu├č den kurz ├╝bersetzten BMW ausquetschen und viel schalten. Erst ab 4500/min legt er dank Valvetronic so kr├Ąftig los, da├č er ebenb├╝rtig spurtet.

Auf kurviger Strecke souver├Ąn

Die leichtg├Ąngige Aktivlenkung (1300 Euro) ist Geschmackssache. Beim Rangieren sicher prima. Doch wer sch├Ątzt den kr├Ąftigsten 3er diesseits vom M3 wegen Einparkqualit├Ąten? Ich jedenfalls nicht! Den Aufpreis kann man sich sparen, die Aktivlenkung ├Ąndert nichts am nerv├Âsen Geradeauslauf.

Wie schon der 320d zeigt auch der 330i hier schlechte Manieren und will permanent korrigiert werden. Bei zackigen Richtungswechseln erf├╝llt er dagegen die hohen Erwartungen. Auf abgesperrter Strecke mit deaktiviertem DSC wird er zur ausgepr├Ągten Sportlimousine. Frei von Lastwechseln zieht er pr├Ązise seine Spur. Wer es beherrscht, kann den Hecktriebler zum ├ťbersteuern provozieren.

Kurze Federwege reduzieren Schaukelbewegungen, kosten aber merklich Komfort. In Verbindung mit den Runflat-Reifen resultiert daraus ein steifbeiniges Abrollen, das auf miesen Stra├čen nervt. Scharfkantige Unebenheiten wie Gullydeckel dringen schlecht gefiltert in den Innenraum. Wellen und Verwerfungen meistert das Fahrwerk befriedigend.

Werksangaben und Testwerte

Auch der Audi ist keine S├Ąnfte. Seine Federung entkoppelt die Karosserie nur geringf├╝gig besser von der Fahrbahn als die des BMW. Klar: Mit seinem 256 PS starken V-Sechs will auch der A4 ein Spitzenathlet sein und versucht zudem, mit Allradantrieb zu punkten. Das gelingt ihm nur teilweise.

Auf trockener Stra├če bietet das mit Torsendifferential best├╝ckte System keine Vorteile. Im Gegenteil: Bei scharfer Gangart schiebt der A4 kopflastig mit starker Untersteuertendenz durch enge Kurven und wirkt sperriger als BMW und Mercedes-Benz. Lastwechsel erzeugen zudem st├Ąrkeres Eigenlenkverhalten, das Heck will nach au├čen drehen. Auch im Nassen bietet der quattro-Audi keine bessere Fahrdynamik als die beiden Hecktriebler. Allerdings beeindruckt er beim Beschleunigen in Kurven mit narrensicherer Stabilit├Ąt. Ein klares Sicherheits-Plus, das elektronische Fahrhilfen fast ├╝berfl├╝ssig macht.

Kosten und Ausstattungen

Seinen Vorsprung durch Technik demonstriert der Audi beim Interieur. Ob Sitze, Armaturen oder die solide Rastung der Schalter ÔÇô bei Anmutung und Anfa├čqualit├Ąt ist derzeit keiner besser. Eine bemerkenswerte Entwicklung: Denn zu Strich-Acht-Zeiten war Audi noch eine langweilige Hutfahrer-Marke.

Teurer, aber besser: die C-Klasse

Heute gilt eher der Mercedes als das Altherren-Modell. Doch wie gesagt: Vorurteile zu pflegen ist gef├Ąhrlich. Und so ├╝berrascht der C 350 mit ungewohnt hoher Fahrdynamik. Der V-Sechs h├Ąngt so gierig am Gas, da├č er selbst V-Acht-Kunden befriedigen d├╝rfte. Der 272-PS-Motor bleibt dabei zur├╝ckhaltend.

Wer einen C 55 AMG ins Auge fa├čt, sollte vorher unbedingt den C 350 probefahren. 250 km/h Spitze, 6,5 Sekunden f├╝r den Spurt auf 100 km/h. Mehr Dampf braucht keiner, die 20.000 Euro Aufpreis f├╝r den Achtzylinder kann man sich sparen. Preislich liegt der C 350 zwar deutlich ├╝ber BMW und Audi, bietet daf├╝r aber den noch souver├Ąneren An- und Auftritt. Dar├╝ber hinaus gl├Ąnzt der Mercedes-Benz mit ├╝berlegenem Komfort. Unebenheiten werden nahezu perfekt ged├Ąmpft. Sein Handling bleibt dabei verbindlich und frei von T├╝cken.

Eine dicke ├ťberraschung erlebte ich auf der Rundstrecke: Dort war der C 350 eine Sekunde schneller als BMW und Audi ÔÇô ein herber Schlag f├╝r die Fahrfreude-Verfechter aus Bayern. Bravo! Kritik gibt es nur f├╝r das stellenweise auftretende R├╝tteln in der Lenkung sowie das butterweiche Pedalgef├╝hl beim Anbremsen von Kurven. Dank breiter Mischbereifung (225 vorn, 245 hinten) liegt der Anhalteweg auf Porsche-Niveau. Insgesamt liefert der Mercedes beim Komfort eine w├╝rdige und in Sachen Sportlichkeit eine ├╝berraschend gute Vorstellung. Und noch ein Tip: Lassen Sie das Typenschild weg. Understatement verst├Ąrkt die Verbl├╝ffung. Mein Estrichleger-Vorbild tauschte damals auch das 280 Emblem gegen eines vom 220 D aus.

Fazit und Wertung

L├Ą├čt man den hohen Grundpreis beiseite, ist der Mercedes ganz klar der Sieger des Vergleichs. Er beeindruckt mit tollen Fahrleistungen, gutem Komfort und Bremswegen auf Porsche-Niveau. Der Audi landet vor allem wegen der vergleichsweise niedrigen Unterhaltskosten ganz oben auf dem Treppchen; das perfekte Interieur setzt Ma├čst├Ąbe. Und der BMW? Ausgerechnet bei den Motorleistungen patzt der Bayer. Das und die schlechten Garantiebedingungen kann er auch mit seinem niedrigen Grundpreis nicht wettmachen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst ÔÇô also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten f├╝r Audi A4 3.2 FSI quattro, BMW 330i und Mercedes-Benz C 350. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.
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