Frankreich formuliert Führungsansprüche. Nicht nur politisch, auch automobil. Der Crossover DS N°8 sieht stattlich aus und hinterlässt gleichzeitig einen eleganten Eindruck – der passt gut vor den Élysée-Palast, Emmanuel Macron hätte womöglich seine Freude.

Fahrzeugempfehlung

DS N°8

DS Automobiles

NO.8 FWD

2,1
gut
  • Pro Iconsteht nicht an jeder Ecke
  • Pro Iconaußergewöhnliches Design
  • Contra Iconmittelmäßiges Platzangebot
  • Contra Iconunübersichtliche Karosserie
Doch im AUTO BILD-Test geht es nicht um Repräsentationsaufgaben, hier zählen einzig und allein knallharte Fakten, wird objektiv das Können des Kandidaten geprüft. Kann das elektrische Crossover-Topmodell der Stellantis-Premiummarke mit seinem Programm überzeugen?

Ein Technikbruder des Opel Grandland

Das 4,82 Meter lange Fließheck-SUV basiert wie etwa Opel Grandland oder Peugeot 3008/5008 auf der STLA-Medium-Architektur, immerhin 2,90 Meter Radstand (wie 5008) versprechen viel – und halten nicht alles. Das Raumangebot vorn geht noch in Ordnung, hinten wird es vor allem über dem Scheitel schnell knapp, sitzen Gäste auf 325 Millimetern recht flach überm Boden. Beim Ein-/Aussteigen wechseln Licht und Schatten. Lange Türen gefallen (wenn niemand nebenan parkt), der flache Dachbogen nicht.
DS N°8
Im Profil wird deutlich, dass sich der DS N°8 zwischen Fließheck-Limousine und SUV einsortiert – Crossover eben.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Vordersitze fallen bequem aus, dürften aber gern mehr Format beweisen. Weder lässt sich die Beinauflage verlängern noch die Kopfstütze in der Höhe justieren – großen Chauffeuren passt das nicht unbedingt. Und beim großen Glasdach vermissen wir ein Verdunkelungs-Rollo.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotor 
Spitzenleistung 
190 kW (258 PS) 
Dauerleistung 
104 kW (141 PS) 
maximales Drehmoment 
343 Nm 
Vmax
190 km/h 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
235/50 R 20 Y 
Reichweite* 
527 km 
Verbrauch* 
16,5 kWh 
Batterieart 
Lithium-Ionen 
Batteriekapazität netto 
73,7 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/160 kW 
Ladezeit (20-80 %; DC-Ladung) 
31 Minuten 
Ladeanschluss 
hinten links 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1260/750 kg 
Stützlast 
80 kg 
Kofferraumvolumen 
620–1553 l 
Länge/Breite/Höhe 
4820/1900–2099**/1580 mm 
Radstand/Bodenfreiheit 
2900/155 mm 
Grundpreis
57.700 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
65.100 Euro

Verarbeitung mit Licht und Schatten

Feine Materialien wie Alu und Nappa sowie ordentliche Spaltmaße verraten sorgfältige Fertigung, die Schalter für die Fensterheber etwa fühlen sich aber eher billig an. Zumindest spendiert der DS ausreichend Ablagen und Becherhalter, die USB-Ports unter der schwebenden Mittelkonsole sind aber nicht optimal erreichbar.
DS N°8
Das auffällige Vierspeichen-Lenkrad im X-Design und feine Materialien prägen das Cockpit. Über Druck auf den linken Lenkradhebel lassen sich bis zu fünf Instrumentenansichten abrufen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Touchmonitor im Super-Breitbild-Format steuert vieles, bietet (Stellantis-typisch) aber nicht immer intuitive Menüstrukturen und reagiert meist leicht verzögert. Wer sich in das System einfuchst, kann Funktionen als Favoriten ablegen und etwa nervige Assistenten relativ zügig abschalten.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,9 s 
0–100 km/h 
8,4 s 
0–130 km/h 
12,7 s 
0–160 km/h 
18,7 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,7 s 
80–120 km/h 
4,7 s 
Leergewicht/Zuladung 
2197/443 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
55/45 % 
Wendekreis links/rechts 
11,8/11,8 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h
68 dB(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
19,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
26,2 kWh/100 km
(+59 %)
Sportverbrauch 
28,4 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
321 km 
Die Sprachassistenz kann alles Wichtige, nimmt Naviziele auch frei formuliert. Routen lassen sich mit Ladestopps planen, Tempolimits werden vorausschauend übernommen, und die Kombi aus Abstandstempomat und Spurhalter erlaubt das Sich-fahren-Lassen (mit Hand am Lenkrad). Überholen funktioniert dabei auf Blinkimpuls. Sogar ein Nachtsichtsystem fährt auf Wunsch mit (1700 Euro im Paket).

Fahrleistungen und Effizienz im Test

Mit 8,4 Sekunden auf Tempo 100 geht der DS ausreichend flott nach vorn, wirkt angenehm handlich. Die Rekuperation kennt drei Stufen (über Schaltwippen) und auch einen One-Pedal-Modus. Im Test half das aber nicht viel, bei ungemütlichen minus 2 Grad Celsius schaffte der DS gerade mal 321 Kilometer nonstop – im Sommer würden wir mindestens 100 Kilometer mehr erwarten.
DS N°8
Die schmalen, abgewinkelten LED-Rückleuchten wirken sehr elegant, das Heck an sich eher unruhig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Fahrkomfort gibt insgesamt wenig Anlass zur Klage. Lange Wellen federt der Achter meist souverän weg und belästigt seine Insassen kaum, erst auf kurzen Kanten oder rüden Rüttelpisten kommt Unruhe ins Spiel, wirkt der Wagen leicht zittrig. Die Drive Modes (Sport, Normal und Eco) bringen in keinem Bereich eine deutlich spürbare Spreizung – der frontgetriebene Étoile verfügt auch nicht über die Active Scan Suspension (über Kamera, Sensoren und Beschleunigungsmesser sollen Unebenheiten vorausschauend erkannt und die Dämpfer radselektiv sowie in Echtzeit angepasst werden).

Wertung DS N°8

Wertung DS N°8
Karosserie
Fond eher knapp, Zuladung nur 443 kg, großer Kofferraum, schlechte Rücksicht, gute Qualität.
3,5 / 5
Antrieb
Fahrleistungen noch okay, Laden auf 100 Prozent dauert lange, hoher Verbrauch, mäßige Reichweite.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Fährt sich handlich, Lenkung leichtgängig, aber exakt, Wendekreis mit fast 12 m groß, Traktion gut.
3,5 / 5
Connected Car
Handy-Spiegelung ohne Kabel, TomTom-Navi arbeitet ordentlich, aber ohne Satellitenansicht.
3,5 / 5
Umwelt
Mit 2,2 Tonnen nicht leicht und mit 1,90 m recht breit, Wärmepumpe und Lüfterklappen vorn Serie.
3,5 / 5
Komfort
Federt sehr manierlich, guter Geräuscheindruck, umfangreiche Ausstattung, Sitze etwas klein.
4 / 5
Kosten
Grundpreis/Wertverlust hoch, Versicherung teuer, nur zwei Jahre Garantie. Wartung alle zwei Jahre.
2 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,1
Bleibt noch die Preisfrage – und die ist keine angenehme. Mindestens 57.700 Euro kostet der DS N°8, für die gute Étoile-Ausstattung kommen weitere 7400 Euro hinzu. Trotzdem gibt es nur zwei Jahre Garantie, und die Versicherer halten die Hände weit auf (Vollkaskoklasse 27). Selbst wer sich die staatliche Förderprämie von bis zu 6000 Euro sichern kann, macht hier kein Schnäppchen. So ein Führungsanspruch kostet halt …

Bildergalerie

DS N°8
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DS N°8 im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Wer den französischen Eigensinn mag und kein Allerwelts-Auto fahren möchte, könnte mit dem DS N°8 eine glückliche Beziehung eingehen. Komfort, Stilbewusstsein und lässiges Fahrerlebnis stimmen. Beim Preis und im Alltag heißt es, sich mit gewissen Unzulänglichkeiten des Partners zu arrangieren. AUTO BILD-Testnote: 2,1