Rene Rast genoss den Platz ganz oben auf dem Podium sichtlich. Er lauschte der deutschen Nationalhymne und lächelte - denn es ist lange her, dass der 35-Jährige in der DTM einen Sieg einfuhr. Am 8. November 2020 schlug der einstige Dominator zuletzt zu, am 18. Juni 2022 legte er beim fünften Saisonrennen in Imola den 25. Sieg in seiner Karriere nach. Sportliches Ausrufezeichen inklusive.
"Vor dem Wochenende habe ich nicht damit gerechnet, nach dem Qualifying haben wir aber natürlich darauf gehofft. Das Rennen lief perfekt, wie man es sich wünscht. Ich musste dann im Endeffekt nur verwalten", sagte Rast. Sehen wir ihn jetzt wieder regelmäßig ganz vorne? "Sonntag wird es schwer, mit 25 Kilogramm zusätzlich im Auto. Wir ersuchen aber, im Qualifying wieder nach vorne zu fahren."
Rene Rast
René Rast dominierte das Samstagsrennen der DTM in Imola.

Auch wenn er nicht mehr wie früher in einem Prototypen sitzt, sondern in einem Audi R8 LMS GT3 - sein Auftritt erinnerte ganz stark an die Meisterjahre 2017, 2019 und 2020: Im Qualifying fuhr der 35-Jährige in letzter Sekunde auf die Pole und war im Rennen nicht zu stoppen. Gleichzeitig meldet er sich im Titelrennen lautstark zu Wort, er ist Gesamtvierter mit 49 Punkten, hinter Nico Müller (58 Zähler). Rasts langjähriger Titelrivale fuhr im Rosberg-Audi als Zweiter ebenfalls auf das Podium.
Rasts Sieg war ungefährdet. Vom Start weg fuhr er sich einen kleinen Vorsprung heraus, den er nach dem Boxenstopp weiter ausbaute. Gut für Rast, schlecht für die Unterhaltung: Heiße Duelle in der Hitze von Imola blieben vor allem an der Spitze weitestgehend aus.
Dafür bot Mirko Bortolotti vor allem in der Schlussphase eine grandiose Show. Der Titelanwärter fuhr wegen einer unglücklichen Strafe (falsche Reifen im Training genutzt) nur von Startplatz 16 los. Der Italiener blieb mit seinem Grasser-Lamborghini aber lange draußen und reihte sich in der Schlussviertelstunde auf Platz acht wieder ein. Schnappte sich mit einer unwiderstehlichen Aufholjagd einen Konkurrenten nach dem anderen und jubelte am Ende über einen dritten Platz.
Thomas Preining schrammte mit dem Porsche als Vierter knapp am seinem ersten Podestplatz in der DTM vorbei.

Ganz zum Leidwesen von Timo Bernhard, denn Thomas Preining schrammte mit dem Porsche von dem Team des früheren Langstrecken-Weltmeisters als Vierter knapp am ersten Podestplatz in der DTM vorbei. Schöner Trost: Mit dem Zähler für Platz drei im Qualifying steht Preining jetzt bei 13 Punkten.
Hinter Preining fuhr Kelvin van der Linde im Abt-Audi auf Platz fünf vor Clemens Schmid, der nach seinem starken Qualifying auch ein sauberes Rennen ablieferte. Marco Wittmann war als Siebter bester BMW-Pilot vor Sheldon van der Linde, der mit dem achten Platz seine Gesamtführung verteidigte. Er hat jetzt 70 Punkte und damit drei mehr als Bortolotti.
Bitter für Rückkehrer Timo Glock: Das Comeback dauerte nicht einmal eine Runde, nach mehreren Kontakten musste der 40-Jährige seinen demolierten BMW in der Box abstellen.

DTM in Imola
1. Rennen: Ergebnis

1. René Rast (Minden) – Audi R8 GT3 57:01,108 Min.
2. Nico Müller (Schweiz) – Audi R8 GT3 +3,809 Sek.
3. Mirko Bortolotti (Italien) – Lamborghini Huracan GT3 +7,936
4. Thomas Preining (Österreich) – Porsche 911 GT3 R +9,323
5. Kelvin van der Linde (Südafrika) – Audi R8 GT3 +10,605
6. Clemens Schmid (Österreich) – Lamborghini Huracan GT3 +13,289
7. Marco Wittmann (Fürth) – BMW M4 GT3 +17,853
8. Sheldon van der Linde (Südafrika) – BMW M4 GT3 +32,103
9. Dennis Olsen (Norwegen) – Porsche 911 GT3 R +32,733
10. Maro Engel (München) – Mercedes-AMG GT3 +33,394

Fahrer-Wertung
Stand nach 5 von 16 Rennen

1. Sheldon van der Linde (Südafrika) – BMW 70 Pkt.
2. Mirko Bortolotti (Italien) – Lamborghini 67
3. Nico Müller (Schweiz) – Audi 58
4. René Rast (Minden) – Audi 49
5. Lucas Auer (Österreich) – Mercedes 48
6. Luca Stolz (Brachbach) – Mercedes-Benz 37
7. Maro Engel (München) – Mercedes 34
8. Kelvin van der Linde (Südafrika) – Audi 30
9. Felipe Fraga (Brasilien) – Ferrari 20
10. Marco Wittmann (Fürth) – BMW 19

Hersteller-Wertung

1. Audi 153 Pkt.
2. Mercedes 131
3. BMW 102
4. Lamborghini 74
5. Porsche 43
6. Ferrari 21

Von

Andreas Reiners