Thomas Preining stand auf dem Podest, schaute sich um und konnte es selbst irgendwie nicht so richtig glauben. Immer wieder schüttelte der Österreicher den Kopf und grinste. Man konnte dem Rookie förmlich ansehen, wie er das siebte DTM-Saisonrennen erst einmal verdauen musste. Denn der 23-Jährige hat mit dem KÜS Team75 Bernhard Geschichte geschrieben: Preining gewann das komplett irre Crash-Festival auf dem Norisring und bescherte Porsche damit den ersten Sieg in der Traditionsrennserie. Mit an Bord: der langjährige Sponsor Ursapharm mit der Augentropfen-Marke Hylo. 
Teamchef Timo Bernhard stand ebenfalls auf dem Podium, strahlte mit Preining um die Wette und ließ seiner Freude freien Lauf, denn für das Team ist es ebenfalls der erste Sieg in der Debüt-Saison. „Ich war die ganze Zeit nervös, wir haben Geschichte geschrieben. Ich muss mich bei so vielen Menschen bedanken, die das möglich gemacht haben. Das ist für uns ein Meilenstein“, sagte Bernhard.

"Das war ein Nervenkitzel"

„Das war Weltklasse, das Auto war so stark“, freute sich Preining. „Wir waren stark auf der Bremse, das hat uns den Sieg gebracht. Das war ein Nervenkitzel, zum Glück war das Rennen irgendwann vorbei. Es war ein langer, harter Weg, und jetzt stehen wir endlich hier.“
Dennis Olsen sorgte im Porsche-Lager für noch mehr Jubel, denn der Norweger von SSR Performance komplettierte als Zweiter den Doppelsieg der Zuffenhausener. Dritter wurde René Rast im Abt-Audi, Vierter wurde Olsens Teamkollege Laurens Vanthoor. Im Grunde galt: Wer ins Ziel kam, punktete. Fünfter wurde Philipp Eng (Schubert-BMW) vor Maximilian Götz (Winward-Mercedes), Luca Stolz (HRT-Mercedes), Ricardo Feller (Abt-Audi), Michael Grenier (GruppeM-Mercedes) und Clemens Schmid (Grasser-Lamborghini).
Thomas Preining
Keine Frage: Das siebte Saisonrennen war denkwürdig. Denn mehr als die Hälfte der Autos schied nach zahlreichen Unfällen aus, ganze elf von 27 der GT3-Boliden kamen ins Ziel. Drei Safety-Car-Phasen gab es, dazu eine Full-Course-Yellow-Phase.
So ein Crash-Festival hat die DTM auf dem Norisring noch nicht gesehen. Wenige hundert Meter ging es gut, dann brach das erste Mal Chaos aus. In der Grundig-Kehre wurde der nach vorne geschossene Arjun Maini von Franck Perera gedreht, was dahinter eine Kettenreaktion beziehungsweise einen Massencrash auslöste. Sieben Autos schieden in der Folge aus, darunter auch der Gesamtführende Sheldon van der Linde.

Es blieb chaotisch

Es blieb chaotisch, und es knallte wenig später erneut. Esteban Muth und Alessio Deledda kollidierten auf dem Weg in die Grundig-Kehre, wodurch Muth Franck Perera aus dem Rennen schoss. Das Rennen war gerade erst freigegeben worden, da krachte es erneut: Bortolotti drehte Maro Engel, der mit seinem Mercedes in die Leitplanke rauschte.
Das irre Resultat nach 25 Minuten Rennzeit: Elf Autos waren ausgeschieden, in Führung lag nach diversen Wechseln an der Spitze durch die Restarts Preining vor Olsen, Rast und van der Linde.
Und klar: Es dauerte einmal mehr nur ein paar Minuten, da rauschten die nächsten Autos ineinander. Zunächst beendete Neuling Ayhancan Güven das Rennen von Lucas Auer, ehe Bortolotti noch van der Linde drehte. „Das war jetzt alles ein bisschen zu viel“, sagte Grasser-Teamchef Manuel Reuter und plädierte dafür, dass sich der Renndirektor mit den Fahrern vor dem Rennsonntag zusammensetzen sollte.

DTM Norisring
1. Rennen: Ergebnis

1. Thomas Preining (Österreich) - Porsche 911 GT3 R 57:57,354 Min.
2. Dennis Olsen (Norwegen) - Porsche 911 GT3 R +3,675 Sek.
3. René Rast (Minden) - Audi R8 GT3 +4,154
4. Laurens Vanthoor (Belgien) - Porsche 911 GT3 R +7,030
5. Philipp Eng (Österreich) - BMW M4 GT3 +8,066
6. Maximilian Götz (Uffenheim) - Mercedes-AMG GT3 +8,975
7. Luca Stolz (Brachbach) - Mercedes-AMG GT3 +9,859
8. Ricardo Feller (Schweiz) - Audi R8 GT3 +10,979
9. Mika„l Grenier (Kanada) - Mercedes-AMG GT3 +12,013
10. Clemens Schmid (Österreich) - Lamborghini Huracan GT3 +13,119

Fahrer-Wertung
Stand nach 7 von 16 Rennen

1. Sheldon van der Linde (Südafrika) - BMW 80 Pkt.
2. Mirko Bortolotti (Italien) - Lamborghini 68
3. René Rast (Minden) - Audi 64
4. Nico Müller (Schweiz) - Audi 62
5. Lucas Auer (Österreich) - Mercedes 60
6. Ricardo Feller (Schweiz) - Audi 48
7. Luca Stolz (Brachbach) - Mercedes-Benz 43
8. Thomas Preining (Österreich) - Porsche 41
9. Maro Engel (München) - Mercedes 40
10. Marco Wittmann (Fürth) - BMW 35

Von

Andreas Reiners