DTM: Exklusiver Vergleich
Alte trifft neue DTM

Timo Glock, Maro Engel und Mattias Ekström vergleichen für AUTO BILD MOTORSPORT die alten mit den neuen DTM-Boliden.
Bild: T. Kempe
Wenn eine Rennserie seit mehr als 30 Jahren fährt, wird eine Frage immer wieder gestellt: War früher alles besser? AUTO BILD MOTORSPORT hat exklusiv den Praxistest gemacht und erstmals drei Legenden aus der goldenen Ära der DTM mit drei aktuellen Boliden der Tourenwagenserie auf die Strecke geschickt. Ein Treffen der Generationen auf dem Norisring. Puristische Boliden gegen Hightech-Renner, alte gegen neue DTM, 90er-Jahre gegen 2017.
Die Hauptdarsteller: der Audi V8 quattro von 1990 (8 Siege, Meister mit Hans-Joachim Stuck), der BMW M3 E30 von 1992 (7 Siege, P4 gesamt mit Johnny Cecotto) sowie die Mercedes C-Klasse von 1996 (11 Siege, P2 gesamt mit Bernd Schneider). Ein Trio, bei dem alle Beteiligten immer noch ins Schwärmen geraten. Dazu die aktuellen Renner Audi RS 5, Mercedes C63 und BMW M4 und die DTM-Piloten Timo Glock, Mattias Ekström und Maro Engel am Steuer. Ergebnis: Früher war nicht alles besser, aber anders.

Früher mussten die Piloten noch mit einem Knüppel schalten
Audi-Star Mattias Ekström ist nach Fahrt im Audi V8 quattro (V8-Saugmotor; 3,6 l; 420 PS), dem Meisterauto von Audi-Legende Hans-Joachim Stuck im Jahr 1990, derart begeistert, dass er die aktuellen Renner infrage stellt: „Warum nennen wir das Tourenwagen, wenn wir mehr Abtrieb haben als ein Formel-1-Auto? Anpressdruck ist der größte Spaßkiller, er tötet den puristischen Tourenwagensport!“ Ekström, der im Nebenjob auch in der Rallyecross-WM fährt, stellt fest: „So stelle ich mir Tourenwagensport vor. Das Auto zu fahren, war eine andere Welt.“ Sein bildlicher Vergleich: „Es ist wie bei einem Künstler, der etwas Schönes malen soll und dafür einen Stift nimmt. Bei den neuen Autos nimmt man ein iPad und zieht ein paar Striche.“ Ekström: „Ich habe einen großen Respekt vor der Kunst von früher.“

Mercedes, Audi und BMW haben heutzutage einen 4,0-Liter-V8-Saugmotor verbaut
Als Timo Glock im BMW M3 E30 von 1992 (Vierzylinder-Saugmotor; 2,5 l; 360 PS) Platz nimmt, ist der Routinier sogar nervös. Denn: Die Legenden haben neben dem ideellen auch einen enormen materiellen Wert. Glock begeistert: „Das Auto ist traumhaft schön, ein Kunstwerk. Ein völlig anderes Fahrgefühl als heute.“ Heißt in der Praxis: Der Wagen ist ständig in Bewegung, der Fahrer rotiert und schnauft: „Schalten, Kupplung treten, machen, tun, du arbeitest richtig, denn du willst ja auch einen schnellen Schaltvorgang. Und dann ist auch mal einer dabei, der nicht klappt.“ Fitness war also schon damals die Voraussetzung, um das Fahrzeug am Limit zu bewegen. Und: Der Pilot konnte früher auch einen noch größeren Unterschied machen als heute. „Denn vom Handling her ist inzwischen alles so einfach geworden“, so Glock. „Ich fände es cool, wenn wir wieder ein sequenzielles Getriebe hätten. Wo man die Hand vom Lenkrad nehmen muss. Weil es mehr Fehler bringt.“
Und was ist heute beim Mercedes C63, BMW M4 und Audi RS 5 besser? Engel: „Ich finde die Autos aggressiver und schöner, und sie sind schneller.“ Glock konstatiert ganz pragmatisch: „Die Autos sind sicherer geworden.“ Wie zum Beweis kamen Gary Paffett und Mike Rockenfeller beim Sonntagsrennen nach einem Horrorcrash mit Prellungen und einer kleinen Fraktur des Mittelfußknochens davon. Und Chefkritiker Ekström? Auch dem Schweden machen die heutigen Autos Spaß. „So viel Unterhaltung wie am Norisring macht richtig Laune!“ Denn: Der Ex-Meister hat seinen dritten DTM-Titel nach dem vierten Rennwochenende fest im Blick.
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