Durch Batterie-Recycling kann sich Europa vom Rohstoff-Import unabhängig machen
Wiederverwertetung von Elektroauto-Akkus ist auch politisch bedeutsam

– Konsequentes Recycling von Elektroauto-Akkus könnte Deutschlands und Europas Abhängigkeit von seltenen Batterie-Bestandteilen drastisch verringern. Schon in fünf Jahren wäre im Schnitt ein Viertel der importierten Menge von Lithium, Mangan, Kobalt und anderen teuren Rohstoffen aus Altbatterien nutzbar. 2040 könnte eine wichtige Substanz komplett ersetzt werden.
Bild: Daimler AG
Akku-Recycling ist gut für die Umwelt – doch es hilft auch noch in ganz anderer Weise, hat die internationale Umweltschutz-NGO Transport & Environment (T&E) jetzt in einer Studie ermittelt. Demnach kann fundierte Wiederverwertung degradierter Elektroauto-Traktionsbatterien Deutschland und Europa helfen, seine Abhängigkeit von Rohstoff-Importen aus anderen Teilen der Welt erheblich zu verringern.
T&E hat ausgerechnet, dass sich mit den eingesparten Rohstoffen "Millionen von Elektroautos" ohne Importe bauen ließen. Das ist auch politisch geboten: Viele Rohstoffe für die Herstellung moderner Elektroauto-Akkus stammen aus China.
Und das Reich der Mitte zeigt Bestrebungen, andere Staaten von Rohstofflieferungen abzuschneiden bzw. diese Exporte als Druckmittel einzusetzen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass China die Ausfuhr von seltenen Metallen wie Gallium und Germanium an die USA in Kürze stoppen wird. Diese Substanzen sind unter anderem für die Chipherstellung unverzichtbar.
Die USA und China befinden sich mehr oder weniger unverhohlen im Handelskrieg. Nicht auszuschließen, dass China irgendwann Rohstoff-Exporte für die europäische Elektroauto-Industrie als Druckmittel gegen die EU-Strafzölle auf neue Elektroautos aus der Volksrepublik einsetzen könnte.
Zwölf Bergwerke wären zukünftig verzichtbar
"Europa kann seine Abhängigkeit von problematischen Metallen drastisch verringern", sagt Julia Poliscanova von T&E. Alles in allem wäre bereits 2030 bis zu ein Viertel mehr wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit gewonnen.
Dann ließe sich die Einfuhr von Lithium um 14 Prozent, Nickel um 16 Prozent, Mangan um 17 Prozent und Kobald sogar um 25 Prozent einsparen, schlussfolgert die Studie. Bis 2040 könnte die Region von Kobalt-Einfuhren sogar komplett unabhängig werden.
Laut T&E könnten in Europa mithilfe konsequenten Akku-Recyclings im Jahr 2030 bereits rund 2,4 Millionen neue E-Autos entstehen, deren Energiespeicher ausschließlich aus zurückgewonnenen Rohstoffen von Altakkus bestehen.
Typ-2-Ladekabel im Vergleich
Hochgerechnet würde das Hochfahren des Akku-Recyclings innerhalb Europas die Eröffnung von zwölf neuen Minen auf dem Planeten erübrigen; vier für Lithium-, drei für Nickel-, vier für Kobalt- und eine für Mangan-Gewinnung.
Gleichzeitig ließe sich der CO2-Abdruck des Lithium-Abbaus weltweit insgesamt um fast ein Fünftel (19 Prozent) reduzieren.
Allerdings sieht T&E dieses Ziel bedroht: Viele Recycling-Projekte in Europa seien momentan in Gefahr, verschoben oder ganz abgesagt zu werden. Die Umweltschützer appellieren, die Kreislaufwirtschaft bei Traktionsakkus voranzutreiben.
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