E-Scooter Egret One im Alltagstest: Premium-Roller für kurze Strecken
Souverän durch die Stadt schnüren mit dem Egret One
Ideal für die Stadt, bedingt geeignet fürs Pendeln: Der E-Scooter Egret One hat im Alltagstest seine Stärken wie auch seine Schwächen gezeigt. Hier das Testergebnis!
Braucht man eigentlich einen E-Scooter? Wer Fahrrad oder Öffis scheut, oft und spontan nur eher kurze Strecken fährt, der könnte sich für einen E-Scooter interessieren. Der Egret One ist im oberen Preissegment angesiedelt, punktet aber auch mit überzeugenden Leistungen.
Die Pluspunkte: (+) Sehr sicheres Fahrgefühl (+) Gute Verarbeitung (+) Hohe Reichweite (+) Starke Beschleunigung (Sportmodus)
Die Minuspunkte: (-) Schurrende Bremse (-) Zu langsam fürs Pendeln (-) Recht hoher Preis
Fahrradhelme bis 100 Euro im Test
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Getestete Produkte
Testnote
1.
Testsieger
Testsieger
Abus Urban-I 3.0
gut (24/30 Punkten)
1.
Testsieger
Testsieger
MET Mobilite MIPS
gut (24/30 Punkten)
3.
Uvex City i-vo
gut (23/30 Punkten)
4.
KED Crom
befriedigend (22/30 Punkten)
4.
Endura Luminite II
befriedigend (22/30 Punkten)
6.
Alpina HAGA
befriedigend (21/30 Punkten)
7.
AGU CIT-E IV
befriedigend (18/30 Punkten)
7.
Lazer Cameleon
befriedigend (18/30 Punkten)
9.
Giro Caden
ausreichend (17/30 Punkten)
9.
Livall C20
ausreichend (17/30 Punkten)
9.
Specialized Align II
ausreichend (17/30 Punkten)
Motor und Technik
Zunächst ein paar Zahlen für Technikfreunde: Mit 500 Watt Nennleistung wartet der Egret One auf, liefert bis zu 35 Nm Drehmoment. Der 48-V-Samsung-Akku hat eine Kapazität von 672 Wh, die sich in 4:30 Stunden voll aufladen lassen.
Beschleunigung und Bremsen
Der Roller läuft auf 11-Zoll-Pirelli-Profilrädern, die für sichere Fahrt sorgen. Verzögert wird über spezielle gekapselte Bremsen, die dem Prinzip einer Autokupplung folgen, also quasi eine Reibscheibe gegen eine Stahlplatte drücken – eine spezielle Anfertigung des Autozulieferers Schaeffler. Die Bremse ermöglicht giftiges, sicheres Verzögern, lässt dabei aber ein deutliches Schurren hören.
Das Rücklicht, mehr noch das Bremslicht bringt viel für die Sicherheit.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Umgang mit Steigungen und Unebenheiten
Auch an Steigungen war das maximale Tempo kaum verringert, man spürt jedoch die übersichtliche Leistung. Unbeeinträchtigt dagegen ist das Sicherheitsgefühl auf allen Untergründen, selbst bei Nässe. Sogar eine bei Herbstwetter überfahrene Kastanie hatte keine bösen Folgen. Der recht breit ausgelegte Lenker trägt zum sicheren Fahrgefühl bei, wie auch die verhältnismäßig großen Räder.
Akku und Reichweite des Egret One
Die Kraft lässt sich über drei Fahrstufen dosieren: Im Eco-Modus ist die Reichweite maximal, die Beschleunigung aber eher mau. Im Sportmodus geht es flink zur Sache. Der Tourenmodus liegt irgendwo in der Mitte. Wenn man nicht allzu sehr hetzt – und vielleicht auch nicht allzuviele Kilos auf das Trittbrett wuchtet – kommt man mit einer Akkuladung gut 50 km weit. Der Hersteller gibt 65 km an, das ist bei sehr sanfter Fahrt vielleicht machbar. Immerhin: Der Roller hat eine mögliche Zuladung von 125 Kilo.
Der relativ leichte Tauschakku ermöglicht Reichweiten über 50 km.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Einmal habe ich versucht, den Egret One leerzufahren, um herauszufinden, wie er sich dann benimmt. Andere Roller werden runtergeregelt, wenn der Akku zur Neige geht. Nicht der Egret One: Er gibt auch mit fast entleertem Akku die volle Leistung ab. Warum freut mich das? Weil mich der Akku nicht bevormundet, sondern sich drauf verlässt: Der Fahrer weiß schon, was er tut. Immerhin weist das Display deutlich auf den fast leeren Akku hin.
Auch mit fast entleertem Akku gibt der Egret One noch volle Leistung ab.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Verarbeitung und Handling, Parken und Verstauen
In puncto Handling stellt man schnell fest: Der Egret One fährt in einer anderen Klasse als die Mietroller, die in Städten an jeder Ecke stehen. Das Gefährt kommt wertig rüber, hat gut durchdachte Features wie die innenliegenden Leitungen, die zum höhenverstellbaren Lenker führen. Praktisch auch das Tex-Lock als Zubehör für immerhin 130 Euro, mit dem sich der Roller sicher anschließen lässt. Das Schloss lässt sich per Schlüssel im Zentralrahmen arretieren, das ist sehr praktisch.
Der Roller lässt sich zusammenklappen und beispielsweise im Auto verstauen, ist mit 23,8 Kilo aber kein Leichtgewicht. Dass sich nach Test-Halbzeit ein Blinker im Lenker lockerte? Den konnte ich mit einem kleine Inbusschlüssel wieder fixieren, halb so schlimm. Der schwarze Schrumpfschlauch unter dem Klappständer ist dagegen zu simpel ausgelegt, der verbraucht sich schnell. Der Hersteller will das ändern, sagte er mir bei der Rückgabe zu.
Der Egret One lässt sich sicher mit dem Zubehör-Tex-Lock anschließen.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Bedienbarkeit und Sicherheit
Ganz intuitiv ist die Bedienung nicht, ein paar Minuten sollte man mit dem Manual verbringen. Gerade wenn man den Roller auseinanderklappen möchte, sollte man keinen Fehler machen, damit alle Arretierungshebel beim Fahren sicher drin sind.
Der Stromhebel für die Beschleunigung an der rechten Hand ist jedenfalls nicht zu übersehen, auch die Hupe links sowie die Pfeiltasten für den Blinker und Plus/Minus für den Wechsel des Fahrmodus erschließen sich.
Dass ein kurzes Drücken auf den Zentralschalter am Display das Licht einschaltet, erspart zwar einen Knopf. Aber einer direkt am Griff, den man ohne eine Hand vom Lenker zu nehmen bedienen kann, hätte mein Sicherheitsgefühl verbessert.
Das Licht der in die Griffe integrierten Blinker ist weithin sichtbar.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Eignet sich der Egret One zum Pendeln?
Die Reichweite macht weite Fahrten zwar möglich, aber meine 10-km-Strecke dauerte wegen der begrenzten Geschwindigkeit von 20 km/h eine gute Zeit länger als mit dem Fahrrad. Auch ermüdet langes Stehen doch ein wenig, zumal man sich zum aktiven Fahren meist beständig auf dem Roller bewegt. Auch das lange, beständige Drücken des Beschleunigungshebels ermüdet den rechten Daumen.
Pendeln? Kann man machen, muss man also nicht. Auch gehört dazu wohl mehr Übung zum Geradeausfahren, als ich sie habe. So beschwerte sich ein überholender Fahrradfahrer über meine Schlangenlinien, wie peinlich. Zu meiner Ehrenrettung kann ich sagen: Nach einigen Dutzend Kilometern auf dem E-Scooter hat sich meine Fahrtechnik sicher verbessert. Spaß gemacht hat der Test auf jeden Fall.
Bekommt man mit dem Egret One zum außerordentlichen Preis auch einen außergewöhnlichen E-Scooter? Ich finde schon. Der One hebt sich deutlich von anderen, günstigeren Rollern ab, überzeugt durch solide Verarbeitung, gute Bremsen und ein sicheres Fahrgefühl. Wem es nichts ausmacht, gelegentlich von Radfahrern überholt zu werden, und einen gut verarbeiteten, soliden Roller mit Steherqualitäten sucht, für den ist der Egret One die richtige Wahl.