Moovi StVO: E-Scooter im Test

800-Euro-Scooter im Test

Der Kaufmann Moovi StVO gehört zu den ersten E-Scootern mit Straßenzulassung. Und für 800 Euro ist er, verglichen mit anderen Modellen, ein Schnäppchen. Aber taugt der Günstig-Scooter im Alltag? Der Test!
Zu Beginn des Tests war die Euphorie groß: Juhu, der Moovi ist da! Endlich ein E-Scooter mit Straßenzulassung, der keinen vierstelligen Betrag kostet. Rund 800 Euro stehen auf dem Etikett – andere E-Tretroller, die bereits auf die Straße dürfen (darunter BMW X2 City, Metz Moover oder Egret-Ten V4) kosten mindestens das Doppelte, wenn nicht das Dreifache. Aber der Euphorie wich schnell die Enttäuschung: Denn man "bezahlt" für den günstigen Preis spätestens dann, wenn es um Sicherheit und Fahrkomfort geht. Hier geht's direkt zur Zusammenfassung!

Kaufmann Moovi StVO im Test

Fahren: Der Moovi hat drei Gänge: Der erste reicht bis sechs km/h, der zweite bis zwölf km/h, und der dritte schöpft die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h aus. Auf sehr guter, ebener Wegstrecke schaffen wir mit dem Moovi sogar 20,8 km/h. Dafür kommt er nicht ganz hinterher, sobald es etwas anspruchsvoller wird: Mehr als 18,5 km/h sind da nicht drin. Bei Steigungen – und davon gibt es in Hamburg nur leichte – geht es noch weiter bergab mit der Geschwindigkeit. Gleichzeitig ächzt der Akku unter der Belastung: Dann blendet die Ladestands-Anzeige einfach vorsorglich schon mal zwei Balken aus, sobald dem Moovi etwas mehr abverlangt wird. Das macht sich auch in der Reichweite bemerkbar: 25 Kilometer verspricht der Hersteller – in der Realität sind es aber nie mehr als 20. Und sobald der Akku schwächelt, schwächelt auch die Fahrleistung.
Bremsen: Zum Verzögern ist der Moovi mit gleich drei Bremsen ausgestattet: einer Rekuperationsbremse am linken Lenker, einer Trommelbremse, die ebenfalls am linken Lenker bedient wird, sowie einer Rücktrittbremse, die das Hinterrad verzögern soll. Die Hauptbremse ist die Rekuperationsbremse. Sie erledigt ihren Dienst sogar fast zu gut: Während der Fahrt muss sie mit sehr viel Gefühl betätigt werden, ansonsten ruckt der Moovi abrupt zum Stillstand. Dafür passiert bei der Rücktrittbremse sowie bei der Trommelbremse vergleichsweise wenig. Alle drei Bremsen zusammen sorgen im Fall der Fälle aber für schnelles Abbremsen.

Komfortabel geht anders: Die kleinen Vollgummireifen machen kleine Schlaglöcher zu großen Hindernissen.

Komfort: Von "Komfort" kann beim Moovi eigentlich keine Rede sein. Die Vollgummiräder sind hart und klein (nur 14 Zentimeter Durchmesser). Sie geben jede noch so kleine Unebenheit der Straße ungefiltert an den Fahrer weiter. Schlaglöcher werden so sogar zu einer echten Gefahr. Anstatt die Fahrt zu genießen, ist man als Fahrer eher damit beschäftigt, die Straße zu inspizieren, um Unebenheiten, Gullydeckeln, Löchern und Absätzen möglichst früh auszuweichen. Praktisch ist wiederum das Zusammenklappen: Die dreifach höhenverstellbare Lenkstange einschieben, die Lenker links und rechts einklappen und schließlich die Lenkstange runterklappen. Der Clou: Der Moovi hat im Bereich des Vorderrads einen Rastknopf, der sich mit dem Fuß betätigen lassen soll, sodass der Scooter einhändig klappbar ist – soweit zur Theorie. In der Praxis klemmt dieser Knopf leider ständig, sodass letztlich doch beide Hände zur Hilfe genommen werden müssen.
Qualität: Insgesamt macht der Moovi einen wackeligen, nahezu instabilen Eindruck. Ständig hat man das Gefühl, etwas sei nicht richtig eingerastet – auch wenn die Indikatoren klar zeigen, dass alles richtig sitzt. Die Ver- und Entriegelungsmechanismen sind nur mit Kraftaufwand zu bedienen – oder, wenn sie zu locker eingestellt sind, lösen sie einfach während der Fahrt aus. Und dann verursachen sie fast einen schlimmen Sturz. So geschah es auch im Test: Die Lenkstange ist dreifach in der Höhe auf maximal 95 Zentimeter Länge verstellbar. Sie rastet über eine kleine Kugel in der Stange und einen Klemmmechanismus ein. Der Klemmmechanismus war bereits stramm eingestellt, trotzdem gaben die Sicherungsmechanismen beim Fahren nach. Der Lenker rutschte plötzlich hoch, die Lenkstange verdrehte sich. So zeigten Lenker und Vorderrad in unterschiedliche Richtungen. Ein Beinahe-Sturz war die Folge. Daraufhin stellten wir den Klemmmechanismus noch strammer ein. Der Lenker sitzt seitdem stabil, dafür ist das Verstellen der Höhe nun jedes Mal ein Kraftakt.

Und im Alltag?

Wichtig: Um legal unterwegs zu sein, benötigt der Scooter ein Versicherungskennzeichen.

Der Moovi sorgt für Aufsehen. Selten bekommt man so viel Aufmerksamkeit in der Bahn, wird so oft von Passanten angesprochen. Natürlich nicht zuletzt, weil die zugelassenen Scooter für den Privatgebrauch noch selten anzutreffen sind. Und was die Praxistauglichkeit für den "Last-Mile-Gebrauch" angeht, macht der Moovi vieles besser als seine Kollegen: Mit seinen rund elf Kilo ist er im Vergleich zu anderen Scootern ein echtes Leichtgewicht. Praktischerweise hat er vorne einen kleinen Ring, an dem er mit einem Schloss gesichert werden kann. Wer also noch schnell einen Einkauf erledigen will, der kann den Scooter draußen anketten und muss ihn nicht schleppen. Durch die Klappmechanismen ist er schnell auf ein kompaktes, Öffi-taugliches Maß gebracht. Aber seien wir ehrlich: Auch elf Kilo sind noch immer eine echte Schlepperei. Der Klappmechanismus ist praktisch, trotzdem sind danach die Hände schmutzig, weil er selten so funktioniert wie angedacht. Trotz der eigentlich vielversprechenden Rahmenbedingungen lautet das Fazit: Der Moovi ist im Alltag leider mehr Klotz am Bein denn praktisches Last-Mile-Gefährt.

Kurz & knapp: E-Scooter Moovi im Test

Die Stärken: vergleichsweise günstiger Preis von 800 Euro; geringes Gewicht im Vergleich mit den Mitbewerbern; einfacher Klappmechanismus; kompaktes Format
Die Schwächen: kleine, harte Vollgummiräder, die einen jede noch so kleine Rille in der Straße spüren lassen und selbst kleine Schlaglöcher zur Gefahr machen; unsichere oder kraftaufwändige Verstellung des Lenkers; insgesamt wackelige und instabile Konstruktion
Fazit von Lena Trautermann: Insgesamt ist beim Moovi StVO an vielen Stellen noch Luft nach oben. Besonders was den Fahrkomfort betrifft, muss man Abstriche in Kauf nehmen. Und selbst das vergleichsweise geringe Gewicht und kompakte Format stellen sich im Alltagsgebrauch noch immer als unpraktisch heraus. Wer aber schnell auf den aktuellen E-Scooter-Trend aufspringen und keinen vierstelligen Betrag ausgeben will, findet im Moovi eine Alternative.
E-Scooter mit Zulassung

Egret Ten V4

Metz Moover

I.O. Hawk Sparrow

Trekstor e.Gear EG31

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