Bis zum ersten eigenen Camper war es ein langer Weg. Elbtor-Prokurist Norbert Gerlach arbeitete ab 1978 zunächst bei Bosch und danach in der Nutzfahrzeugsparte eines großen VW-Betriebs. Heckmotormodelle wie T2 Westfalia und T3 Joker und den Sven Hedin auf LT1-Basis lernte er in seiner aktiven Werkstattzeit kennen. Heute betreut der Reisemobil- und Oldtimerfan diverse California-Modelle des Konzerns als Kerngeschäft seiner Reisemobil-Abteilung.
Da Gerlach ein leidenschaftlicher Tüftler ist, genügte ihm dieses Standardspektrum jedoch nicht. Mit seinem gut zehnköpfigen Reisemobilteam baute er seine Leidenschaft für multifunktionale Reisefahrzeuge langsam, aber sicher aus. Alte Hasen arbeiten in der Elbtor-Werkstatt in Hamburg-Wandsbek Hand in Hand mit dem jungen Nachwuchs. Nur Routinejobs abzuwickeln war offenkundig nie seine Absicht: "Nach Werksvorgaben warten und reparieren können andere Betriebe auch."
Für Prokurist Norbert Gerlach (61) sind Reisemobile eine Herzensangelegenheit.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gerlach sucht seit Jahren aktiv die Nähe zur Reisemobilszene, besucht regelmäßig unterschiedlichste Treffen und Fahrveranstaltungen. Genau dort hat er zusammen mit seiner Mannschaft gelernt, was sich seine Reisemobilkundschaft jenseits von Standardlösungen von Herzen wünscht.

ID. Buzz wird zum Retro-Camper

Im VW-Kosmos sind das zum Beispiel Upgrades für Serienfahrzeuge mit Offroad-Paketen: Für den Grand California 4Motion gibt es für die nächste Schlammschlacht ein amtliches Zehn-Zentimeter-Höherlegungskit mit grobstolligen AT-Rädern und individuelle Dekore. Zusatzscheinwerfer-Batterien und Solarsysteme als Dachlösung sorgen für mehr Freiheit beim Reisen. Ältere Semester können im firmeneigenen Classic Competence Center gewartet und restauriert werden.
Gut gefüllte Werkstatt. Arbeitsschwerpunkt sind VW-Camper mit unterschiedlichsten Ausbau-Umfängen.
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Elektrisierend wirkt dagegen das neueste Elbtor-Baby aus der heimischen Werkstatt. Elbtor traut sich genau das, was aktuell weder VW noch diverse renommierte Umbauer am Markt bieten: Für die Transformation des ID. Buzz zum Retro-Camper für zwei Personen setzen die Hamburger auf eine Cargo-Variante mit nacktem Laderaumabteil als Ausgangsbasis.
Motorisierung
Elektromotor/Heckantrieb 
Höchstleistung
150 kW (204 PS) 
Akkukapazität 
77 kWh (netto) 
Drehmoment
310 Nm 
Höchstgeschwindigkeit
145 km/h 
Länge/Breite/Höhe
4712/1985/1953 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung
ca. 2631/369 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
1000/750 kg 
Liegefläche Heck L x B
1970 x 1000 mm 
Testverbrauch
24,5 kWh/100 km 
Preis (Vorführwagen, ID. Buzz e-Camper)
90.527 Euro 
Das limitierte Raumangebot des Basisfahrzeugs war zunächst ein kritisches Thema. Doch dann wurde, wie schon zu T1- und T2-Zeiten, das Blechdach mittig aufgeschnitten und anschließend ein klassisches Pilz-Hubdach für eine passable Stehhöhe nachgerüstet. Der eigentliche Innenausbau ist regional, nachhaltig und pragmatisch. Er bleibt knapp unter der magischen 250-Kilogramm-Grenze, um eine eben noch praxistaugliche Zuladung zu wahren. Eine befreundete Tischlerei nahm zusammen mit dem Elbtor-Team Maß und schneiderte dem ID. Buzz zwei recht massive Möbelkörper maßgerecht ins Fahrzeugheck. Unbehandeltes Echtholz ist Trumpf.
Der Ausbau des ID.Buzz verschenkt keinen Quadratzentimeter Grundfläche.
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Links befindet sich eine vollwertige Bettkonstruktion mit ausziehbarem Lattenrost für kuschelige Nächte auf hochwertigen, im Norden von Hamburg gefertigten Kaltschaummatratzen. Die Trenntoilette versteckt sich hinter einer Stauklappe. Rechts hat eine vollwertig ausgestattete Schrankzeile mit Kühlbox, Elektro-Kochfeld, Spüle und einem solide dimensionierten 3,8-kWh-Stromspeicher ihren Platz. Eine Verknüpfung der Aufbaubatterie mit der Antriebsbatterie ist nicht vorgesehen, stattdessen gibt es einen klassischen 230-Volt-Anschluss für Landstrom sowie ein mobiles 700-Watt-Peak- Solarsegel für die optimale Akku- Fitness bei längeren Stopps.

E-Mobilität hat auch bei Campern seinen Charme

Dem Nutzwert geschuldete Lösungen sind die Schwerlastauszüge für sämtliche Fächer. Beschädigungen im Urlaubsbetrieb sollten mit ihnen nahezu ausgeschlossen sein: "Diese Auszüge überleben auch ein ausgedehntes Wacken-Wochenende ohne Schäden", erklärt Gerlach mit einem Augenzwinkern. Und obwohl der grün-weiße ID. Buzz- Camper mit dem auffälligen, umlaufenden Prilblumenkeder offiziell noch ein Prototyp ist und nicht alle Blenden final verbaut sind, lädt er uns zu einer ausgedehnten Testfahrt ein: "Nehmt ihn mit, und testet ihn auf Herz und Nieren. Der Akku ist voll geladen!"
Im ID.Buzz findet sich eine Echtholz-Küche mit ausziehbarem Laptop-Arbeitstisch für mobiles Arbeiten.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Tatsächlich hat das Thema E-Mobilität auch bei Campern seinen Charme. Der Kick beim Anfahren ist gewaltig, und die für Reisemobile ungewohnte Ruhe an Bord führt zusammen mit den gut funktionierenden Fahrassistenten zu äußerst relaxten Kilometern. Zumindest so lange keine übermäßig langen Nonstop-Distanzen geplant sind, denn auf Autobahnen schmilzt die Reichweite deutlich schneller als bei einem bekannt sparsamen TDI-California.
Wochenendtouren von der Nordmetropole an die Nord- oder Ostsee wären jedenfalls kein Problem. Für bis zu 420 Kilometer soll der netto 77 kWh große Akku laut WLTP-Messzyklus taugen. Praktisch reduziert der Dachpilz die nutzbare Reichweite, sodass man eher mit 300 Kilometern als Radius planen sollte.
An der DC-Säule lädt der Akku mit bis zu 170 kW, ein gutes halbes Stündchen sollte man für den Ladestopp schon einplanen. Mit Wohnraum zum Relaxen während des elektrischen Auftankens hat der Elbtor-Ausbau zum Glück klug vorgesorgt.