Der #3 fährt so dynamisch, wie er aussieht. Das muss mal gesagt werden, weil es bemerkenswert ist. Smart, mittlerweile ein Joint Venture von Mercedes und dem chinesischen Hersteller Geely, hat hier gute Arbeit geleistet. Anders als bei anderen, zumindest teilweise in China entwickelten Autos, verkraftet das Fahrwerk den Antrieb, der immerhin 272 PS auf die Hinterräder loslässt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Synchronelektromotor
Einbaulage
hinten
Spitzenleistung
200 kW (272 PS)
Dauerleistung
75 kW (102 PS)
maximales Drehmoment
343 Nm
Vmax
180 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
245/45 R 19 V
Reifentyp
Dunlop SP Sport Maxx
Radgröße
8 x 19"
Reichweite*
455 km
Verbrauch*
16,3 kWh/100 km
Batteriekapazität (brutto/netto)
66/62 kWh
Ladeleistung (AC/DC)
22/150 kW
Ladezeit (DC-Ladung; 10-80 %)
30 Minuten
Ladeanschluss
hinten links
Fach unter Frontklappe
Serie
Vorbeifahrgeräusch
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1600/750 kg
Stützlast
75 kg
Kofferraumvolumen
370-1160 l + 15 l vorn
Länge/Breite/Höhe
4400/1844–2045**/1556 mm
Radstand
2785 mm
Grundpreis
38.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
46.490 Euro

Antrieb und Fahrwerk: Hier enttäuscht der #3 nicht

So fährt man sportlich, aber nicht zu hart gefedert und unter Last sogar mit leicht eindrehendem Heck gen Kurvenausgang. Die im Sportmodus sehr schwergängige Lenkung hätte es nicht unbedingt gebraucht – der #3 macht mit explosiver Beschleunigung auch so glaubhaft, dass er es ernst meint. Von 0 auf Tempo 100 vergehen 5,5 Sekunden, 0,3 Sekunden unter Werksangabe. Dazu darf das Gewicht von gemessenen 1822 Kilogramm noch als in Ordnung gelten. Die 428 PS starke Allradvariante versehen wir mal mit dem Label: "nicht notwendig".
Das Heck erinnert etwas an Mercedes. Um genau zu sein, an das EQE SUV.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Die Haare frisst der #3 seinen Besitzern ebenfalls nicht vom Kopf. Der Testverbrauch von 19,7 Kilowattstunden ging gemessen an der Leistung völlig in Ordnung, macht passable 348 Kilometer Reichweite möglich. Die etwas ruckelige Rekuperation soll per Update besser werden.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,4 s
0–100 km/h
5,5 s
0–130 km/h
8,4 s
0–160 km/h
12,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,6 s
80–120 km/h
3,3 s
Leergewicht/Zuladung
1822/438 kg
Gewichtsverteilung v./h.
49/51 %
Wendekreis links/rechts
11,7/11,7 m
Sitzhöhe
620 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,7 m
aus 100 km/h warm
37,7 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
bei 160 km/h
73 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
14,7 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,7 kWh/100 km
(+21 %)
Sportverbrauch
23,4 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
348 km

Platzangebot: Der Innenraum des #3 ist geräumiger als gedacht

Design ist Geschmackssache, so viel ist klar. In der Redaktion jedenfalls fand sich niemand, der offen seinen Unmut über die optische Aufmachung des #3 geäußert hätte. Die gestreckten Lichtgrafiken betonen die Fahrzeugbreite sowohl vorne als auch hinten. Die Proportionen wirken stimmig, so der Tenor.
Stattliche 2,05 Meter Breite treffen beim #3 auf eher bescheidene 1,55 Meter Höhe – zumindest für einen Crossover ist das eher flach.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Angenehm, dass das Platzangebot im Innenraum nicht zu stark leidet. Die passable Kopffreiheit hinten erkauft sich der #3 zwar zumindest teilweise mit einer tief montierten Bank, die bei großen Wen's stört,Gästen für einen spitzen Kniewinkel sorgt. Für Kurz- und Mittelstrecke geht das aber in Ordnung. Wen’s stört, der könnte auch den höher bauenden #1 kaufen, der technisch annähernd identisch ist.
Hinten geht das Platzangebot für unseren Tester (1,81 Meter) in Ordnung. Allerdings sitzt recht tief, was einen spitzen Kniewinkel erzwingt.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Der Kofferraum fällt mit 370 bis 1160 Litern nicht sehr groß aus, entpuppt sich aber mit umgeklappter Bank als annähernd rechteckig und gut nutzbar – wenn einmal die 80 Zentimeter hohe Ladekante überwunden wurde.
370 bis 1160 Liter bietet der #3. Kein Spitzenwert, der Laderaum lässt sich aber gut nutzen. Ebenfalls nicht selbstverständlich: bis zu 1600 kg Anhängelast.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD

Preis und Mitbewerber: Der Smart #3 hat nicht viele Gegner

Bis hierhin ist der #3 also ein richtig gutes Auto – gerade in Anbetracht des Preises. Ab 38.490 Euro wäre er zu haben, samt kleinem LFP-Akku mit 47 Kilowattstunden Nettokapazität an Bord. So wie getestet, mit 62 nutzbaren Kilowattstunden aus einer Lithium-Ionen-Batterie, kostet er ab 43.490 Euro. Immerhin gute 4000 Euro weniger, als für einen vergleichbar ausgestatteten Hyundai Kona EV fällig werden, der mit seinen 218 PS nicht ansatzweise mit dem Antritt des #3 mithalten kann. Andere, ähnlich sportlich gezeichnete Konkurrenz gibt es aktuell so gut wie gar nicht.

Infotainment: Die Bedienung im #3 ist deutlich zu umständlich

Das viele weiße Plastik mutet eher günstig an. Die Verarbeitungsqualität geht in Ordnung. Viele Elemente, etwa die Lüftungsdüsen, sind im Dunkeln ambientebeleuchtet.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Trotzdem – Sie ahnen es – ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Und dabei reden wir nicht mal vom weißen Plastik auf Mitteltunnel und Armaturenbrett, das Tante Lise von der letzten Tupperparty mitgebracht haben könnte. Die Bedienung des #3 repräsentiert die Ära des Knopfsparismus – es gibt kaum welche, nicht mal für die Spiegelverstellung.
Das Infotainment reagiert teilweise träge. Da helfen auch die vielen, verspielt wirkenden Animationen nicht.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Vieles muss im Tesla-Stil über den Touchscreen und dann teilweise noch über die Lenkradtasten eingestellt werden, zum Beispiel das Head-up-Display. Zwar gibt es ein paar gut gemeinte Schnellzugriffsoptionen. Weil Assistenten wie Tempowarner und Spurhalter über gleich zwei verschiedene Untermenüs deaktiviert werden müssen ("Fahrassistenz" und "Fahreinstellungen"), ist man dennoch schnell entnervt.
Für den Wechsel der Fahrmodi steht zwar ein sensitives Tastenfeld am unteren Bildschirmrand zur Verfügung – aber das ist zu weit weg vom Fahrer, bietet keinen klaren Druckpunkt und wechselt auch beim einmaligen Drücken ("In welchem Modus bin ich denn gerade?") immer direkt in den nächsten Modus. Das sind Kleinigkeiten, die den Umgang mit dem #3 aber unnötig kompliziert machen. Da hilft es auch nicht, dass die Warn- und Hinweistöne klingen, als hätte man eine KI um den Remix einer Spongebob-Schwammkopf-Folge gebeten: Ständig quakt oder quasselt es, wenn eine Frauenstimme zu Fahrtbeginn das nächste Soft­ware-Update ankündigt.
Mit vollem Akku ergab der AUTO BILD-Test 348 Kilometer Reichweite. Mit bis zu 150 kW ist DC-Laden möglich, dann ist der Akku in 30 Minuten wieder von 10 auf 80 Prozent geladen.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD

Wertung

Wertung
Karosserie
Raumangebot für vier in Ordnung, hinten allerdings mit spitzem Kniewinkel. Eher kleiner Laderaum.
3,5/5 Punkten
Antrieb
Der #3 fährt spurtstark lädt in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent und verbraucht nicht zu viel.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Für seine Gewichtsklasse agil, mit leicht eindrehendem Heck. Lenkung im Sport-Mode zu schwer.
3,5/5 Punkten
Connected Car
Over-the-AIr-Updates, kabelloses CarPlay, "Hallo Smart"-Sprachsteuerung – alles vorhanden.
4/5 Punkten
Umwelt
Verbrauch in Ordnung, geringes Außengeräusch, aber langer Transportweg, da in China gebaut.
4/5 Punkten
Komfort
Fahrwerk nicht adaptiv, aber komfortabel genug. Innen leise, fummelige Bedienung mangels Knöpfen.
3,5/5 Punkten
Kosten
Gute Ausstattung zum annehmbaren Preis. Erste Wartung inklusive, drei Jahre Garantie.
3,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2-
Immerhin: Es gibt Over-the-Air-Updates, die Smart die Möglichkeit bieten sollten, viele dieser Dinge unkompliziert aus der Welt zu schaffen. Dazu gesellen sich Details, welche die teilweise günstig anmutende Materialauswahl (betrifft etwa die Fußmatten) im Positiven wieder wettmachen. Lüftungsdüsen und Lautsprecher wurden aufwendig ambientebeleuchtet, metallene Akzente in den Sitzpolstern eingenäht, und serienmäßig wurde ein riesiges Panoramadach verbaut, dem allerdings ein Rollo fehlt. Auch das Beats-Soundsystem klingt mehr als vernünftig. Die Smart-Mission, junge Leute anzusprechen, kann man so durchaus als gelungen betrachten.

Fazit

Das Grundkonzept des Smart #3 ist gelungen: ein flottes, nicht zu sperriges E-Auto mit Hinterrad­antrieb. Allerdings wirkt er an vielen Stellen nicht ganz zu Ende gedacht. Jetzt ist es an Smart, auf Feedback zu hören und nachzubessern. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt.