Alle zwei Jahre müssen Autos zur Hauptuntersuchung (HU) bei einer Prüforganisation wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS – Neuwagen zum ersten Mal spätestens nach drei Jahren. Doch schon die erste HU ist für viele Fahrzeuge ein Hindernis. Finden die Prüfer einen erheblichen Mangel, gibt's vorerst keine Plakette, bis der Mangel behoben wurde. Welche Modelle im ersten Anlauf besonders häufig scheitern, das kann man zum Beispiel im TÜV-Report nachlesen. Wir haben aus dem aktuellen Bericht die Mängel-Riesen aus sechs Altersklassen (von 2- und 3-Jährigen bis zu 12- und 13-Jährigen) herausgesucht.
Dabei ist nicht jedes Schlusslicht automatisch ein schlechter Gebrauchtwagen. Während einige Modelle tatsächlich unter konstruktiven Schwächen an Fahrwerk, Bremsen oder Beleuchtung leiden, werden andere von besonderen technischen Vorschriften in der Statistik nach unten gezogen. Das beste Beispiel sind mehrere BMW-Modelle: Hier sorgen häufig überfällige Gasdämpfer der aktiven Motorhaube für einen erheblichen Mangel, obwohl Motor, Getriebe und Fahrwerk oftmals in gutem Zustand sind. Wer nur auf die nackte Mängelquote schaut, kann deshalb zu falschen Schlüssen kommen.
Dennoch zeigt der TÜV-Report klare Muster. Auffällig schwach schneiden insbesondere zwei relativ neue Tesla-Modelle ab. Hier häufen sich Beanstandungen an Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung. Unter den älteren Fahrzeugen entwickeln sich dagegen Dacia Duster, Renault Clio und Renault Twingo zu echten Problemfällen. Bei ihnen nehmen klassische Alterserscheinungen an Fahrwerk, Lenkung, Bremsanlage und Lichttechnik deutlich stärker zu als bei vielen Wettbewerbern.
Unsere Übersicht zeigt aus jeder Altersklasse die drei Modelle mit der jeweils höchsten Mängelquote!

Zwei- bis Dreijährige

Tesla Model Y
55.000 km
17,3
Ford Mondeo
76.000 km
14,3
Tesla Model 3
56.000 km
13,1
Tesla Model Y: Der Absturz ist deutlich. Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung sorgen für ungewöhnlich viele Beanstandungen. Bemerkenswert: Die Mängel verteilen sich auf mehrere Baugruppen und sind nicht auf einen einzelnen Schwachpunkt zurückzuführen.
Ford Mondeo: Der große Ford sammelt schon in jungen Jahren überdurchschnittlich viele Mängel. Besonders Fahrwerk, Bremsen und Verschleißthemen sorgen für Ärger. Die oft hohen Laufleistungen erklären die schwache Bilanz nur teilweise.
Ford Mondeo Turnier Hybrid Trend
Schon bei der ersten HU zählt der Ford Mondeo zu den schwächsten Modellen seiner Altersklasse. Fahrwerk und Bremsen sorgen überdurchschnittlich oft für Beanstandungen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Tesla Model 3: Wie beim Model Y leiden Bremsanlage, Fahrwerk und Beleuchtung. Die hohe Laufleistung vieler Fahrzeuge dürfte ihren Anteil haben, dennoch fällt die Quote für ein modernes Elektroauto enttäuschend aus.

Vier- bis Fünfjährige

BMW 5er/6er
92.000 km
21,5
Tesla Model 3
86.000 km
21,0
BMW 2er Active Tourer
66.000 km
20,6
BMW 5er/6er: Die hohe Mängelquote wirkt dramatischer, als sie tatsächlich ist. Hauptverantwortlich sind häufig die Gasdämpfer der aktiven Motorhaube. Deren Austausch ist nach fünf Jahren vorgeschrieben. Wird der Termin versäumt, gibt es einen erheblichen Mangel – obwohl Fahrwerk, Motor oder Antrieb oft völlig unauffällig sind. Die Statistik zeichnet daher ein deutlich schlechteres Bild, als der technische Gesamtzustand vieler Fahrzeuge vermuten lässt.
Tesla Model 3: Mit zunehmendem Alter verschärfen sich die bekannten Schwächen bei Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung. Die Limousine bleibt auch beim zweiten Prüftermin deutlich unter dem Klassendurchschnitt.
Tesla Model 3 (Basis)
Der Tesla Model 3 bleibt auch bei der zweiten Hauptuntersuchung ein Sorgenkind. Vor allem Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung kosten häufig die Plakette.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
BMW 2er Active Tourer: Auch hier spielt die aktive Motorhaube eine wichtige Rolle für die hohe Durchfallquote. Viele Fahrzeuge erhalten wegen abgelaufener Gasdämpfer einen erheblichen Mangel. Die schlechte Platzierung sollte daher nicht als Hinweis auf grundsätzlich mangelhafte Technik verstanden werden. Abseits dieses Themas fällt der Van deutlich weniger negativ auf, als die Statistik nahelegt.

Sechs- bis Siebenjährige

Dacia Duster
78.000 km
23,5
BMW 5er/6er
124.000 km
22,3
VW Sharan
115.000 km
21,7
Dacia Duster: Der Duster entwickelt sich zunehmend zum Sorgenkind. Fahrwerk, Achsaufhängungen und Beleuchtung zählen zu den häufigsten Problemzonen. Fast jeder vierte Wagen fällt bereits in diesem Alter durch.
BMW 5er/6er: Die Oberklasse von BMW bleibt auffällig. Anders als bei den jüngeren Fahrzeugen lässt sich die hohe Quote hier nicht allein mit den Gasdämpfern erklären. Verschleiß an Fahrwerk und Dämpfung spielt inzwischen ebenfalls eine Rolle.
VW Sharan: Der schwere Familien-Van kämpft mit hohen Laufleistungen und entsprechendem Verschleiß. Fahrwerk, Bremsen und diverse Verschleißteile sorgen überdurchschnittlich häufig für Beanstandungen.
VW Sharan
Hohe Laufleistungen hinterlassen Spuren: Der VW Sharan fällt im Alter von sechs bis sieben Jahren überdurchschnittlich oft mit Verschleißmängeln auf.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD

Acht- bis Neunjährige

BMW 5er/6er
163.000 km
29,9
Dacia Duster
101.000 km
29,8
Dacia Sandero
87.000 km
27,8
BMW 5er/6er: Der F10/F11 landet erneut ganz hinten. Laut TÜV tragen zwar weiterhin Komponenten der aktiven Motorhaube zur schlechten Bilanz bei, zusätzlich treten jedoch überdurchschnittlich viele Mängel an Achsfedern und Dämpfung auf. Die hohe Quote lässt sich daher nicht mehr ausschließlich mit den bekannten Gasdämpfern erklären.
Dacia Duster: Das SUV sammelt mit zunehmendem Alter immer mehr Beanstandungen. Probleme an Fahrwerk, Lenkung und Bremsanlage treiben die Durchfallquote weit über den Durchschnitt dieser Altersklasse.
Dacia Duster TCe 150
Je älter der Duster wird, desto häufiger schlagen Fahrwerk, Lenkung und Bremsanlage negativ zu Buche. Im TÜV-Report zählt er zu den größten Problemfällen.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Dacia Sandero: Der günstige Kleinwagen gehört im Alter zu den größten Verlierern des TÜV-Reports. Mit zunehmender Laufleistung häufen sich Beanstandungen an Fahrwerk, Bremsen und Beleuchtung. Die einfache Technik schützt den Sandero nicht vor Verschleißproblemen – fast drei von zehn Fahrzeugen fallen in dieser Altersklasse mit erheblichen Mängeln auf.

Zehn- bis Elfjährige

Dacia Duster
123.000 km
34,2
Renault Twingo
92.000 km
32,1
BMW 5er/6er
187.000 km
32,1
Dacia Duster: Der offizielle Verlierer der Altersklasse. Besonders auffällig sind Achsaufhängungen, Lenkgelenke, Fußbremse und Abblendlicht. Mehr als jedes dritte Fahrzeug erhält keine Plakette.
Renault Twingo: Der Kleinstwagen zeigt im zweistelligen Alter überdurchschnittlich viele Beanstandungen bei Fahrwerk, Bremsen und Beleuchtung. Die einfache Technik verhindert nicht, dass die Durchfallquote stark ansteigt.
Renault Twingo Expression
Der kleine Renault altert schlechter als viele Konkurrenten. Vor allem Fahrwerk, Bremsen und Beleuchtung bereiten den Prüfern häufig Anlass zur Kritik.
Bild: Angelika Emmerling
BMW 5er/6er: Die Bilanz bleibt schwach. Neben den bekannten Themen der aktiven Motorhaube sorgen inzwischen vor allem Verschleißerscheinungen an Fahrwerk, Achsen und Dämpfung für schlechte Ergebnisse.

Zwölf- bis 13-Jährige

Renault Clio
121.000 km
40,4
Renault Twingo
112.000 km
40
Dacia Sandero
117.000 km
38,1
Renault Clio: Der schlechteste Wagen der gesamten Auswertung. Fahrwerk, Bremsen und Lichtanlage verursachen deutlich mehr Mängel als im Klassendurchschnitt. Vier von zehn Fahrzeugen fallen durch die HU.
Renault Clio RS
Das Schlusslicht der gesamten Auswertung: Vier von zehn Renault Clio fallen in dieser Altersklasse mit erheblichen Mängeln durch die Hauptuntersuchung.
Bild: Lena Barthelmeß
Renault Twingo: Auch der kleine Renault altert wenig würdevoll. Verschleiß an Fahrwerk, Bremsanlage und Beleuchtung schlägt deutlich stärker zu als bei vielen Wettbewerbern.
Dacia Sandero: Im hohen Alter zeigt der günstige Kleinwagen Schwächen an Fahrwerk, Bremsen und Lichtanlage. Die Mängelquote liegt deutlich über dem ohnehin hohen Durchschnitt der Altersklasse.

Fazit

Für Gebrauchtwagenkäufer zeigt unsere Übersicht, bei welchen Modellen eine gründliche Prüfung vor dem Kauf unverzichtbar ist und wo mögliche Folgekosten lauern. Gleichzeitig lohnt ein genauer Blick hinter die Statistik. Denn eine hohe Mängelquote bedeutet nicht immer schlechte Langzeitqualität – manchmal reicht schon ein versäumter Werkstatttermin, um aus einem eigentlich soliden Auto einen TÜV-Verlierer zu machen.