Auch wenn der Diesel bei den Zulassungszahlen auf dem Rückzug ist: Anfang des Jahres 2022 hatten noch immer fast 15 Millionen Pkw in Deutschland (30,5 Prozent des Gesamtbestandes) einen Motor dieser Bauart an Bord. Doch unter den Selbstzündern gibt es große Unterschiede, was den Schadstoffausstoß anbetrifft.
Euro 4, Euro 5, Euro 6d, Euro 6d-TEMP, Euro 6d-TEMP-EVAP oder sogar Euro 6d ISC-FCM – nicht erst seit dem Abgasskandal und dem Urteil zu Fahrverboten beschäftigen diese Norm-Bezeichnungen die deutschen Autofahrer. Zum 1. Januar 2021 wurden Prüfzyklen und Abgasnormen für Neuzulassungen weiter verschärft, für das Jahr 2025 in mit Euro 7 längst die nächste Stufe am Horizont zu sehen. Millionen Diesel-Besitzer fragen sich: Was bedeuten diese Schadstoffnormen? Wie finde ich heraus, welche Abgasnorm mein Auto hat? Darf mein Wagen vielleicht bald bestimmte Straßen in bestimmten Großstädten nicht mehr befahren?

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Euro-Normen: Das sind die Unterschiede

Vorweg: Die Schadstoffklasse entspricht nicht der Zahl auf der Umweltplakette, die auf der Frontscheibe klebt und für die Einfahrt in Umweltzonen ausschlaggebend ist. Seit 1992 gibt es in der Europäischen Union Grenzwerte für den Schadstoffausstoß (seit 2000 auch für Stickstoffdioxid/NOx). Begonnen hat das damals mit Euro 1. Im Laufe der Jahre wurden Grenzwerte und Messmethoden angepasst.
Die Euro-5-Norm galt bis Ende August 2015 und wurde von der Euro-6b-Norm abgelöst. Zum 1. September 2017 gab es EU-weit eine radikale Veränderung, nämlich zwei neue Abgastests: einen verbesserten auf dem Prüfstand – den WLTP – und einen zusätzlichen auf der Straße, den RDE ("Real Driving Emissions"). Seit dem 1. September 2018 waren WLTP-Tests verbindlich für die Euro-Norm 6c.

Neuwagen müssen auch RDE-Test bestehen

Seit Anfang September 2019 mussten Neuwagen bei ihrer Erstzulassung zusätzlich auch den RDE-Test bestehen, um die Euro-6d-TEMP-Norm zu erfüllen (das galt bereits seit 1. September 2018 für die Zertifizierung neuer Modelle). TEMP steht für "temporär" und sollte verdeutlichen, dass dies eine Übergangsnorm bis zum Jahresanfang 2021 war – danach gelten mit Euro-6d noch schärfere Anforderungen. Im Labor dürfen Dieselautos höchstens 80 Milligramm Stickoxid je Kilometer ausstoßen. Der Grenzwert für die Straße im RDE-Test ist deutlich höher: 168 Milligramm Stickoxid, von 2020 an nur noch 114,4 Milligramm (Typgenehmigung). Dies liegt an den sogenannten Konformitätsfaktoren 2,1 bzw. 1,43 – also von der Industrie ausgehandelten Übergangsfristen.
Seit dem 1. Januar 2021 ist die neueste 6d-Evolutionsstufe in Kraft. Wie schon neue Fahrzeugtypen seit Anfang 2020 müssen nun auch Neuzulassungen die Norm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen. ISC (In-Service-Conformity-Tests) heißt, dass ein Autobauer durch Stichproben nachweisen muss, dass Pkw im Betrieb die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Das FCM-System (Fuel Consumption Monitoring) speichert die realen Verbrauchswerte, über eine Diagnose-Schnittstelle können sie mit den Herstellerangaben verglichen werden.

Zwei Ziffern im Fahrzeugschein entscheiden

Welche Euro-Norm das eigene Auto erfüllt und ob es von Fahrverboten betroffen ist, verrät der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung 1). Wurden die Papiere vor 2005 ausgestellt, geben die letzten beiden Zahlen im Feld "Schlüsselnummer zu 1" Aufschluss. Bei neueren Unterlagen ab 2005 sind es die beiden letzten Ziffern im Feld "14.1".
Neuer Fahrzeugschein
Die entscheidende Ziffer steht im Fahrzeugschein im Feld 14.1 (Bild): Dieses Fahrzeug wäre von Fahrverboten betroffen.
Grob gesagt: Steht dort eine Zahl zwischen 00 und 88, erfüllt das Auto die Normen Euro 1 bis Euro 4 – und ist betroffen. Euro-5-Diesel haben im gleichen Feld die Schlüssel 35A0 bis 35M0. Bei Besitzern von Autos der Schadstoffklasse Euro 6a und 6b tauchen im Fahrzeugschein an gleicher Stelle die Schlüssel-Nummern 36N0 bis 36Y0 oder 36BA bis 36BC auf. Dauerhaft auf der sicheren Seite dürften jedoch nur Diesel der Normen 6d-TEMP und 6d sein. Eine ADAC-Liste mit Fahrzeugen dieser Art gibt es hier, eine genaue Aufschlüsselung finden Sie hier:

Schlüsselnummern und Schadstoffklassen

Schadstoffklasse Euro 1

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Schlüsselnummern 01, 02, 03, 04, 09, 11, 12, 13, 14, 16, 18, 21, 22, 77

Schadstoffklasse Euro 2

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Schlüsselnummern 25, 26, 27, 28, 29, 34, 35, 40, 41, 49, 71

Schadstoffklasse Euro 3

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Schlüsselnummern 30, 31, 36, 37, 42, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61

Schadstoffklasse Euro 4

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Schlüsselnummern 32, 33, 38, 39, 43, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70

Schadstoffklasse Euro 5

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Schlüsselnummern 35AO bis 35EO (Euro 5a), 35FO bis 35MO (Euro 5b)

Schadstoffklasse Euro 6a

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Schlüsselnummern 36NO bis 36PO

Schadstoffklasse Euro 6b

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Schlüsselnummern 36QO bis 36YO (Prüfung nach NEFZ); 36BA bis 36BC (Prüfung nach WLTP)

Schadstoffklasse Euro 6c

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Schlüsselnummern 36ZA bis 36ZF (Prüfung nach NEFZ); 36AA bis 36AF (36AE und 36AF Euro 6c-EVAP; Prüfung nach WLTP)
EVAP = Evaporative Emission (Verdunstungsemission)

Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP

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Schlüsselnummern 36ZG bis 36ZI (Prüfung nach NEFZ); 36AG bis 36AI, 36BG bis 36BI (Euro 6d-TEMP-EVAP), 36CG bis 36CI und 36DG (Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC; alle Prüfung nach WLTP)
EVAP = Evaporative Emission (Verdunstungsemission)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)

Schadstoffklasse Euro 6d

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Schlüsselnummern 36ZJ bis 36ZL (Prüfung nach NEFZ); 36AJ bis 36AL (Prüfung nach WLTP)

Schadstoffklasse Euro 6d ISC

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Schlüsselnummern 36AM bis 36AO (Prüfung nach WLTP)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)

Schadstoffklasse Euro 6d ISC-FCM

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Schlüsselnummern 36AP bis 36AR (Prüfung nach WLTP)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)
FCM = Fuel Consumption Monitoring (Überwachung und Speicherung des Energieverbrauchs)