Euro 1 bis Euro 6e: Abgasnormen für Diesel
Welche Euro-Norm hat mein Auto – und wo finde ich sie?

Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- Wie groß ist der Dieselanteil an den Neuzulassungen?
- Welche Euro-Normen gibt es?
- Wie erkennt man die Euro-Norm im Fahrzeugschein?
- Hat die Euro-Norm was mit der Zahl auf der Umweltplakette zu tun?
- Warum ist der RDE-Test wichtig?
- Was änderte Euro 6e?
- Was kam mit Euro 6d-ISC-FCM ab 2021?
- Was bringt Euro 7 mit sich?
- Was galt noch bei Euro 5?
Neben dem CO2-Ausstoß beim Verbrennen von Benzin und Diesel werden auch weitere Schadstoffe im Abgas immer schärfer reguliert. Der Schadstoffausstoß hat direkten Einfluss auf die Kosten fürs Autofahren, denn von der Einstufung des Modells in eine Euronorm hängt die Berechnung der jeweiligen Kfz-Steuer ab.
Insbesondere für Diesel werden die Abgasnormen schärfer, der Diesel ist bei den Zulassungszahlen seit Langem auf dem Rückzug (Argumente: Sollte man noch einen Diesel kaufen?). Im laufenden Jahr sank der Dieselanteil an den Neuzulassungen auf unter 18 Prozent. Nun, da Diesel kaum mehr günstiger ist als Benzin, rückt die Frage nach der Antriebsart eines neuen Autos mehr denn je in den Fokus. Auch das Ansehen des Benziners ist gestiegen. Immerhin lassen sich Diesel schon mit dem erneuerbaren Treibstoff HVO betanken. Aber auch unter älteren Selbstzündern gibt es große Unterschiede, was den Schadstoffausstoß betrifft.
Die bisherigen Kürzel heißen Euro-Normen Euro 4, Euro 5, Euro 6d, Euro 6d-TEMP, Euro 6d-TEMP-EVAP und zuletzt Euro 6d ISC-FCM. Die Kürzel der letztgenannten Norm sind erklärungsbedürftig: ISC steht für "In Service Conformity"-Test, wonach die Aufsichtsbehörden mithilfe von Stichproben checken können, ob bereits fahrende Autos die Abgasvorgaben einhalten. Das Kürzel FCM bedeutet "Fuel Consumption Monitoring" und heißt, dass Fahrzeuge mit einer Verbrauchsanzeige ausgestattet sein müssen, die dem Fahrer Einblick in den aktuellen Verbrauch geben.
Seit dem 1. September ist nun die Euronorm 6e maßgeblich für alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Damit wurden Prüfzyklen und Abgasnormen für neu typgenehmigte Fahrzeuge weiter verschärft. Das interessiert aber eher Hersteller als die Autokäufer. Dennoch sind die Schadstoffnormen wichtig, man sollte wissen, welche Abgasnorm das eigene Auto hat. Im weiteren Verlauf ist auch noch Euro 7 geplant, allerdings ist für Pkw mit keiner wesentlichen Verschärfung gegenüber Euro 6e zu rechnen. Hier daher Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Norm von Autos.
Welche Euro-Norm das eigene Auto erfüllt und ob es von Fahrverboten betroffen ist, verrät der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung 1). Wurden die Papiere vor 2005 ausgestellt, geben die letzten beiden Zahlen im Feld "Schlüsselnummer zu 1" Aufschluss. Bei neueren Unterlagen ab 2005 sind es die beiden letzten Ziffern im Feld "14.1".

Die entscheidende Ziffer steht im Fahrzeugschein im Feld 14.1 (Bild): Dieses Fahrzeug wäre von Fahrverboten betroffen.
Bild: Hersteller
Grob gesagt: Steht dort eine Zahl zwischen 00 und 88, erfüllt das Auto die Normen Euro 1 bis Euro 4 – und ist von eventuellen Fahrverboten betroffen. Euro-5-Diesel haben im gleichen Feld die Schlüssel 35A0 bis 35M0. Bei Besitzern von Autos der Schadstoffklasse Euro 6a und 6b tauchen im Fahrzeugschein an gleicher Stelle die Schlüssel-Nummern 36N0 bis 36Y0 oder 36BA bis 36BC auf. Dauerhaft auf der sicheren Seite dürften Diesel der Normen 6d-TEMP und 6d und nun auch 6e sein. Eine ADAC-Liste mit Fahrzeugen dieser Art gibt es hier, eine genaue Aufschlüsselung finden Sie hier:
Schlüsselnummern und Schadstoffklassen
Schadstoffklasse Euro 6e
Schlüsselnummern 36EA, 36EB und 36EC
Schadstoffklasse Euro 6d ISC-FCM
Schlüsselnummern 36AP bis 36AR (Prüfung nach WLTP)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)
FCM = Fuel Consumption Monitoring (Überwachung und Speicherung des Energieverbrauchs)
FCM = Fuel Consumption Monitoring (Überwachung und Speicherung des Energieverbrauchs)
Schadstoffklasse Euro 6d ISC
Schlüsselnummern 36AM bis 36AO (Prüfung nach WLTP)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)
Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP
Schlüsselnummern 36ZG bis 36ZI (Prüfung nach NEFZ); 36AG bis 36AI, 36BG bis 36BI (Euro 6d-TEMP-EVAP), 36CG bis 36CI und 36DG (Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC; alle Prüfung nach WLTP)
EVAP = Evaporative Emission (Verdunstungsemission)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)
ISC = In-Service-Conformity-Tests (Übereinstimmung im Betrieb)
Schadstoffklasse Euro 6d
Schlüsselnummern 36ZJ bis 36ZL (Prüfung nach NEFZ); 36AJ bis 36AL (Prüfung nach WLTP)
Schadstoffklasse Euro 6c
Schlüsselnummern 36ZA bis 36ZF (Prüfung nach NEFZ); 36AA bis 36AF (36AE und 36AF Euro 6c-EVAP; Prüfung nach WLTP)
EVAP = Evaporative Emission (Verdunstungsemission)
Schadstoffklasse Euro 6b
Schlüsselnummern 36QO bis 36YO (Prüfung nach NEFZ); 36BA bis 36BC (Prüfung nach WLTP)
Schadstoffklasse Euro 6a
Schlüsselnummern 36NO bis 36PO
Schadstoffklasse Euro 5
Schlüsselnummern 35AO bis 35EO (Euro 5a), 35FO bis 35MO (Euro 5b)
Schadstoffklasse Euro 4
Schlüsselnummern 32, 33, 38, 39, 43, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70
Schadstoffklasse Euro 3
Schlüsselnummern 30, 31, 36, 37, 42, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61
Schadstoffklasse Euro 2
Schlüsselnummern 25, 26, 27, 28, 29, 34, 35, 40, 41, 49, 71
Schadstoffklasse Euro 1
Schlüsselnummern 01, 02, 03, 04, 09, 11, 12, 13, 14, 16, 18, 21, 22, 77
Die Euro-Norm, also die Einstufung eines Fahrzeugs in eine Schadstoffklasse, entspricht nicht der Zahl auf der Umweltplakette für die Frontscheibe, die für die Einfahrt in Umweltzonen ausschlaggebend ist. Seit 1992 gibt es in der Europäischen Union Grenzwerte für den Schadstoffausstoß (seit 2000 auch für Stickstoffdioxid/NOx), beginnend mit Euro 1. Im Laufe der Jahre wurden Grenzwerte und Messmethoden immer weiter verschärft.
Im Gegensatz zu Rollenprüfstandtest unter Laborbedingungen kam ab 2019 der RDE-Test hinzu (RDE = Real Drive Emissions, auf Deutsch: Emissionen unter echten Fahrbedingungen). Nur Neuwagen, die bei ihrer Erstzulassung diesen Test bestanden, erfüllten die Euro-6d-TEMP-Norm. Die Bezeichnung TEMP sollte verdeutlichen, dass dies eine Übergangsnorm bis zum Jahresanfang 2021 war – seither galten mit Euro-6d noch schärfere Anforderungen, die mit Euro 6e nun nochmals verschärft wurden.
Im Labor dürfen Dieselautos höchstens 80 Milligramm Stickoxid je Kilometer ausstoßen. Der Grenzwert für die Straße im RDE-Test ist deutlich höher: 168 Milligramm Stickoxid, von 2020 an nur noch 114,4 Milligramm (Typgenehmigung). Dies liegt an den sogenannten Konformitätsfaktoren 2,1 bzw. 1,43 – also von der Industrie ausgehandelten Übergangsfristen.
Was bedeutet Euro 6e (EA)?
Als Übergang zu Euro 7 fungiert Euro 6e (EA). Sie hat drei Stufen, deren erste seit 1. September 2023 für neue Pkw-Typgenehmigungen galt. Damit ging ein neuer Konformitätsfaktor für RDE-Messungen einher. Er setzte für Stickoxide NO den Wert von 1,43 auf 1,1 herunter und die Partikelzahl PN von 1,5 auf 1,34 herab. Autos dieser Euro-Norm können bis spätestens 31. Dezember 2025 neu zugelassen werden. In den Zulassungsdokumenten gibt es den Eintrag "Euro 6e" mit der Emissionsschlüsselnummer "36EA". Diese Werte gelten seit 1. September 2024 für alle neu typgenehmigten Pkw.
Was ist Euro 6e (EB)?
Die zweite Stufe dieser Norm greift zum 1. Januar 2025 für neu genehmigte Pkw-Typen (wiederum ein Jahr später, also zum 1. Januar 2026 für alle neu zugelassenen Pkw). Dann müssen bei einer Fahrzeugprüfung zusätzlich die Emissionstrategien angezeigt werden, es gibt die Standard-Emissionsstrategie BES und die zusätzliche Emissionsstrategie AE5. Auch diese Anforderungen gelten wieder ein Jahr später für alle neu zugelassenen Pkw.
Was ist Euro 6e (EC)?
Zum 1. Januar 2027 greift dann mit 6e (EC) die dritte Stufe dieser Euro-Norm (ein Jahr später für alle neu zugelassenen Pkw), erneut werden die Werte verschärft.
Am 1. Januar 2021 trat die Evolutionsstufe 6d in Kraft für neue Fahrzeuge (für neue Fahrzeugtypen seit Anfang 2020). Autos mussten seitdem die Norm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen. ISC (In-Service-Conformity-Tests) heißt, dass ein Autobauer durch Stichproben nachweisen muss, dass Pkw im Betrieb die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Das FCM-System (Fuel Consumption Monitoring) speichert die realen Verbrauchswerte, über eine Diagnose-Schnittstelle können sie mit den Herstellerangaben verglichen werden.
Die neue Euro-7-Norm soll gemeinsam für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gelten, wobei die erlaubten Schadstoffe von Pkw nicht verringert werden. Es geht vor allem um Partikelemissionen, weniger um schärfere Abgaswerte. Mit einem Einführungstermin wird frühestens 2025 gerechnet. Noch liegen die Vorschläge dazu bei der EU-Kommission, eine endgültige Entscheidung steht aus. Den Plänen zufolge sollen bei Euro 7 nur noch Diesel zugelassen werden, die nicht mehr als 60 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer ausstoßen – so viel wie Benziner schon jetzt.

Die Abgasnorm Euro 7 wird auch Feinstaub-Grenzwerte für Brems- und Reifenabrieb beinhalten.
Bild: AUTO BILD Montage Hintergrund / DPA
Zudem müssten bestimmte Grenzwerte bei bis zu 45 Grad Celsius, also 7 Grad mehr als bisher, eingehalten werden. Außerdem wird mit Euro 7 der Konformitätsfaktor abgeschafft. Neben leicht strengeren Abgasregeln für Diesel-Neuwagen werden auch die Feinstaubvorschriften für Reifen und vor allem für Bremsen verschärft. Damit würden die scharfen Euronormen sogar für Elektroautos gelten, denn der Feinstaub von Bremsen gilt ebenfalls als Emission.
Die Euro-5-Norm galt bis August 2015, wurde von Euro-6a abgelöst. Zum 1. September 2017 gab es EU-weit eine radikale Veränderung, nämlich zwei neue Abgastests: einen verbesserten Messmaßstab auf dem Prüfstand – den WLTP – und einen zusätzlichen auf der Straße, den RDE ("Real Driving Emissions"). Seit dem 1. September 2018 waren WLTP-Tests verbindlich für die Euro-Norm 6c.
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