Wenn es einen Kernmarkt gibt, dann dreht er sich aktuell um zwei Typen. Neben innen geräumigen, außen jedoch kompakten Teilintegrierten ist das die Sechs-Meter-Klasse der Campervans. Der ausgebaute Fiat Ducato (manchmal auch, etwas günstiger, der Citroën Jumper) mit einem klassischen Grundriss für zwei ist so etwas wie der Urmeter, eine Grundreferenz. Hier messen sich die Hersteller nicht mit Innovationen, sondern in Antworten auf die Frage, wie gut und günstig sie diesen Standard umsetzen.
Für eine Marke wie Corigon ist dieses Modell essenziell. Vor rund einem Jahr hat die Erwin Hymer Group Corigon ins Leben gerufen: Der Name ist ein Kunstwort, in dem "Core", zu Deutsch Kern, und "Go on", das Weitermachen, verschmelzen. Ansprechen soll Corigon weniger Einsteiger, sondern vielmehr erfahrene Camper, die genau wissen, was sie wollen – und was sie für ihr Geld erwarten können.
Corigon CV 60 D
Dank der ausdrehbaren Platte ergibt sich ein großer Tisch für vier Personen.
Bild: Bernd Hanselmann
Und was liefert Corigon? Mit Sicherheit die Kompetenz und Erfahrung der großen Erwin Hymer Group. Dazu gehören durchdachte Konzepte und Grundrisse, die in der Praxis ohne Rätsel funktionieren, gemischt mit einer routinierten Fertigung, woraus eine solide Qualität folgt. Die größte Raffinesse findet hier nicht im Möbelbau statt, sondern in einem besonders attraktiven Preiszettel an der Ware. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Billig wäre hier die falsche Vokabel. Günstig und smart treffen es eher. Corigon will sich im Bestpreissegment etablieren, also in einer Kategorie, in der das Preis-Leistungs-Verhältnis ganz oben steht.

Corigon CV 60 D ab 56.499 Euro

Als erster Prüfpunkt gelten daher die Preise: Los geht's für den CV 60 D ab 56.499 Euro, unser Testwagen war mit 68.554 Euro ausgezeichnet. Beides darf als absolut konkurrenzfähig gelten, einzigartig ist es nicht.

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Das ist er: Mit dem CV 60 D fährt ein oft gesehener Grundriss vor. Auch wer genau hinschaut, entdeckt nur wenige Unterschiede zum Etrusco CV 600 DB, der zudem exakt genauso eingepreist ist. Das kann kaum wundern: Auch wenn Corigon als eigene Marke auftritt, bleiben es letztlich Etrusco-Modelle – das ist auch der Name, der in den Fahrzeugpapieren auftaucht. Gebaut werden beide im modernen Laika-Werk der Erwin Hymer Group, malerisch im toskanischen San Casciano in Val di Pesa gelegen.
Corigon CV 60 D
Mit an Bord sind auch die Plissees zur Verdunkelung der Fahrerkabine.
Bild: Bernd Hanselmann
Ausgestattet war unser Fotofahrzeug, das noch aus der Vorserie stammte, mit dem Paket "Travel+" für 3999 Euro, übrigens das einzige Paket, das der Käufer dazubuchen kann. Äußerlich sichtbar wird es durch die Rahmenfenster sowie eine 3,75 Meter lange Kurbelmarkise, zudem verkabelt das Werk bereits später einzubauende Extras wie Solaranlage, Dachklima und Rückfahrkamera vor. Ebenfalls an Bord ist damit das "Multimedia Paket Compact" mit einem großen Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts.
Um den CV 60 D schicker auftreten zu lassen, trug unser Exemplar als Außenfarbe Expedition Grey (659 Euro), zudem in gleichem Ton lackierte Stoßfänger (599 Euro). Das schwarze Schlafdach erweitert die Nutzung des CV 60 D deutlich, es kostet 5999 Euro extra. Bei so viel Grau und Schwarz wären die serienmäßig schwarz-anthrazitfarbigen Polster doch etwas trist: Die schicken, gut verarbeiteten, sicher jedoch etwas empfindlichen beigen Bezüge sind zwar aufpreispflichtig (Wohnwelt Tropea, 799 Euro), schaffen dafür jedoch eine elegante Atmosphäre.

Küche mit großer Arbeitsfläche

Das hat er: Den bewährten Grundriss setzt Corigon ohne Überraschungen um. Geschlafen wird im Heck quer (und in unserem Fall auch im Aufstelldach), vier Erwachsene finden so einen bequemen Schlafplatz. Das kompakte, fest eingebaute Bad kommt ohne Dachhaube aus, besitzt dafür jedoch ein kleines Fenster. Zum Duschen muss ein Vorhang um den Körper gezogen werden – das funktioniert, doch richtig komfortabel ist das nicht.
Corigon CV 60 D
Geschlafen wird im Sechs-Meter-Van quer. Ein Fenster rechts würde 549 Euro extra kosten.
Bild: Bernd Hanselmann
Praktisch zeigt sich die Küche mit ihrer großen Arbeitsfläche von 50 x 45 Zentimetern. Beim Kochen – oder auch bei der Vorbereitung eines Salats – ist das Gold wert. Sie ist ein Nebenprodukt des 84 Liter großen Kühlschranks, der darunter im Block platziert ist.
Etwas steil und mit 88 Zentimetern auch schmal fällt die Sitzbank an der Halbdinette aus. Essen lässt sich dennoch zu viert, auch dank der ausdrehbaren Tischplatte.

Technische Daten: Corigon CV 60 D

Technische Daten: Corigon CV 60 D
Motorisierung
2.2 MultiJet (6e)
Leistung
103 kW (140 PS) bei 3500/min
Hubraum
2184 ccm
Drehmoment
350 Nm bei 1400/min
Höchstgeschwindigkeit
152 km/h
Getriebe/Antrieb
Sechsgang/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
90 l/Diesel + 19 l AdBlue
Länge/Breite/Höhe
5990/2050/2700 mm
Radstand/Bereifung
4035 mm/225/75 R 16 CP
Masse fahrbereit/Zuladung ca.
2800/700 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2500/750 kg
Außenmaterial Wand/Dach/Boden
Stahlblech/GFK/Stahlblech
Stärke Wand/Dach/Boden
20/21/21,5 mm
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden
XPS/XPS/XPS
Liegefläche Heck L x B
1970 x 1500-1570 mm
Liegefläche Dach L x B
2090 x 1430 mm
Innenhöhe/-breite max.
1880/1780 mm
Kühlschrank/Eisfach
84/6 l
Herd
Gas, 2 Flammen
Bordbatterie
12 V/95 Ah
Frisch-/Abwassertank
100/90 l
Gasvorrat/Heizung
2x 11 kg/Truma Combi 4
Grundpreis/Testwagenpreis
56.499 Euro/68.554 Euro
So fährt er: Der Corigon nutzt als Basis, keine Überraschung, den manuell geschalteten 140-PS-Ducato. Diese Serienkonfiguration genügt vollauf, um zügig und sicher jedes Ziel zu erreichen. Wer nicht gern schaltet, bestellt die Achtstufenautomatik für 3499 Euro, eine 180-PS-Version gibt's für 6499 Euro extra, dann bereits inklusive Automatik.
Positiv anzumerken ist, dass nicht nur jede Menge Assistenten, eine Klimaanlage und sogar ein 90-Liter-Tank serienmäßig an Bord sind, sondern auch mattschwarze 16-Zoll-Alus. Ob der Corigon sich damit besser fährt? Marginal. Aber sie sehen, vor allem in Kombination mit dem grauen Lack, richtig gut aus.

Fazit

Wer Innovationen sucht, wird nicht bei Corigon landen. Dagegen setzt die junge Marke der Erwin Hymer Group auf bewährte Lösungen und routinierte Verarbeitung zu einem attraktiven Preis. Dieses Konzept, das zeigt der CV 60 D, kann aufgehen.