Dodge hat es geschafft. Die Amis haben eine Formel für die Umweltverträglichkeit ihrer Autos geboren: CO2 pro PS. Darin ist der neue Caliber SRT4 Spitze. Nur 0,7 Gramm pro Kilometer stößt er aus. Das klingt klasse, ist vom asketischen Verbrauchswunder aber so weit entfernt wie Amerika von gesunder Ernährung. Vielmehr zielt der extravagante Kompakte auf PS-Fetischisten, denen selbst ein Mazda3 MPS noch zu alltäglich ist. Genau die werden hier ordentlich bedient. Dodge hat für sie ein wirklich verrücktes Auto gebaut. Unter dessen Haube ein 2,4-Liter-Vierzylinder mit 295 PS tobt – abgesehen von den Rallye-Röhren Subaru Impreza und $(LB478124:Mitsubishi Lancer Evolution)$ ein Spitzenwert in der (Vierzylinder-)Klasse.

Schnodderiger Vierzylinder-Sound mit tollem Turbo

Dodge Caliber SRT 4
Bild: Werk
Dass auch der stärkste Caliber mit Frontantrieb auskommen muss, mutet daher seltsam an. Erklärt sich aber aus technischer Sicht, denn der mit der Plattform kompatible Allrad-Antrieb hätte den Bärenkräften des Motors auf Dauer nicht viel entgegenzusetzen gehabt. Denn noch unter 3000 Touren kommt der Turbolader gewaltig ins Spiel und spült 363 Newtonmeter auf die Kurbelwelle – konstant zwischen 2000 und 5600 Touren. Mit seinem schnoddrig-schmutzigen Sound klingt der Vierzylinder passend. Trotzig bläst er bei Lastwechseln noch überschüssigen Ladedruck ab und dreht herzhaft bis zum roten Bereich jenseits der 6000er-Marke. Die sechs Gänge der Getrag-Box flutschen knackig in ihre Positionen, die Anschlüsse harmonieren mit der Motorcharakteristik. Die Gesamtübersetzung könnte jedoch kürzer sein. Toll ist dagegen das Fahrwerk abgestimmt. Ohne übertriebene Härte oder störende Schaukelei schließt der SRT 4 einen gelungenen Kompromiss, der im Alltag nicht nervt und auf der Rennstrecke peinliche Momente erspart.

Ein amerikanisches detailverliebtes Projekt

Dodge Caliber SRT 4
Bild: Werk
Anders sieht es bei der Traktion aus, um die sich eine elektronische Differenzialsperre durch Bremseingriff redlich bemüht. Größtenteils gelingt ihr dies erstaunlich gefühl- und wirkungsvoll. Aber das Potenzial des Frontantriebs erreicht seine Grenzen. 6,7 Sekunden für den Sprint auf 100 sind kein Ruhmesblatt, und kurvenausgangs zerrt es gern in der Lenkung. Abhilfe schafft ein Blick auf die serienmäßige Ladedruckanzeige links am Cockpit, die den Gasfuß rechtzeitig lupfen lässt. Die Anzeige ist serienmäßig. Schließlich gingen die Amis das Projekt detailverliebt an. Während sich die Topmodelle anderer Hersteller kaum von der biederen Großserie unterscheiden, macht der Caliber SRT4 ungeniert auf dicke Hose. Mit der Hutze auf der Haube, dicken Schwellern, noch größeren Schürzen und einem 100er-Endrohr (keine Attrappe) wird nichts ausgelassen, was sich viele sonst als Zubehör kaufen. Das Beste: Im Inneren hört dieser Spleen nicht auf.
Der Drehzahlmesser sitzt nun im Cockpit mittig, der Tacho wanderte nach rechts außen, und der Bordcomputer wurde um einige Funktionen erweitert. Neben 0-100 km/h kann man die Beschleunigung auf 1/8- und 1/4-Meile genauso messen wie Fliehkraft und Bremsweg. Bequeme und breit geschnittene Sitze mit viel Seitenhalt komplettieren das liebenswert schräge Innenleben. Auf jeden Fall trifft er so nicht nur bei jugendlichen Heißspornen voll den Nerv. Allerdings können die netten Details nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vielleicht besser gewesen wäre, sich den einen oder anderen Kunststoff genauer anzusehen oder an der Verarbeitung im Detail zu feilen. Aber, und das hat Dodge noch nicht errechnet, der Caliber SRT4 ist mit 101 Euro pro PS in seiner Leistungsklasse auch sehr preiswert.