Unterwegs mit der rollenden Blockhütte

Unterwegs mit der rollenden Blockhütte

Faszination: Wohnmobil aus Holz

MAN TGE: Allrad-Transporter mit 177 PS als rollende Blockhütte

Die Idee ist eigentlich naheliegend. Wenn es Häuser aus Holz gibt, warum nicht auch ein Wohnmobil? Vater und Sohn aus Villingen-Schwenningen haben diese Idee mit einem MAN TGE in die Tat umgesetzt. Die Resonanz ist überwältigend.
In Villingen-Schwenningen pflegt man die Tradition. Hier heißt der Karneval nicht Fastnacht, sondern Fasnet, und die Einwohner sind stolz auf die Handwerkskunst ihrer Gemeinde. Nur wenn man nach Kuckucksuhren fragt, rollt selbst der freundlich-gemütliche Alemanne mit den Augen. Trotzdem spielt das Holzgewerbe in dieser Gegend eine wichtige Rolle. Schon allein wegen des nahen Schwarzwaldes. Holz erlebt in dieser Gegend keine Renaissance, weil das harte Pflanzengewebe hier schon seit ewigen Zeiten Baumaterial und nicht Heizstoff ist.
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"Was bei Gebäuden recht ist, kann bei einem Wohnmobil nur billig sein", dachten sich Oliver und sein Vater Stefan Offenburger und haben ein Wohnmobil aus Holz auf die Räder gestellt. Die Idee für dieses Holzmobil reifte bei Oliver, als er bei der Fahrt mit einem konventionellen Campingmobil von den Ausdünstungen der Weichmacher, die in den Plastikelementen enthalten waren, Kopfschmerzen bekam. Das gab bei dem jungen Familienvater den Ausschlag. "Ich wollte Nachhaltigkeit und Gesundheit haben", erklärt der Informatiker und Ingenieur. Nur gut, dass der Vater ein Zimmerermeister ist, wie dessen Großvater auch schon, und dass er diese Idee ebenso klasse fand wie der Filius. (Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile)

Nur regionale Holzarten finden Verwendung

Die Möbel bestehen aus Buche, Erle und Pappel. Die Mixtur aus den verschiedenen Materialien sorgt für eine besondere Note.

©Wolfgang Gomoll; press-inform

Doch Vorhaben sind schnell gewoben – damit sie nicht zu Luftschlössern mutieren, musste das Generationenpaar Taten folgen lassen. Schnell waren Zollstock, Bleistift und Säge gezückt, um die rollende Blockhütte zu erschaffen. Beim Lastenheft waren sich beide schnell einig: Das Holzambiente durfte nicht wirken wie eine Sauna oder eine Almhütte auf vier Rädern, sondern geräumig und großzügig. Als Material verwenden die beiden nur regionale Holzarten. Die Mixtur aus den verschiedenen Materialien gibt dem Interieur eine besondere und filigrane Note. Der Boden aus Erle gleicht dem Deck einer edlen Jacht, verschiedene Möbel sind aus Buche wegen der Maserung, einzelne Teile auch aus Pappel. So entsteht ein abwechslungsreiches Interieur, vom edlen Geruch ganz zu schweigen. Überall finden sich praktische Ablagen und stramm schließende Schubladen. "Da ist der Zimmermann mit mir durchgegangen", schmunzelt Stefan.

Bewegliche Trennwände fungieren als Türen

Durch ein ausgetüfteltes System fungieren die Trennwände als Türen und ermöglichen so einen großzügigen Sanitärbereich.

©Wolfgang Gomoll; press-inform

Diese Berufseuphorie spürt man mit jeder Berührung. Egal, wo man hinfasst, alles ist solide und passgenau. Doch ganz ohne Rückschläge ging es beim Holz-Wohnmobil nicht voran. Einmal musste ein Holzschrank herausgerissen werden. "Da kamen meinem Zimmerer fast die Tränen", erzählt Stefan. Bei der optimalen Raumnutzung und der Planung, wie man zum Beispiel die Dusche samt dazugehöriger Holztüre möglichst platzsparend integriert, half Stefans Ingenieurswissen. Also fungieren die beweglichen Trennwände als Türen und machen so einen Sanitärbereich möglich, der geräumiger ist als bei vielen herkömmlichen Wohnmobilen. Den alemannischen Hang zum Perfektionismus merkt man auch bei der hochmodernen Technik, die in dem Wohnmobil verbaut ist – angefangen von der Ambiente-Beleuchtung, die mit einer App gesteuert werden kann, bis hin zum Flachbildschirm und der hochmodernen Soundanlage.

Vater und Sohn setzen die Materialien härtesten Prüfungen aus

Unter dem Holzhaus arbeitet ein MAN TGE 4 Transporter mit 177 Diesel-PS und zuschaltbarem Allradantrieb.

©Wolfgang Gomoll; press-inform

Der schönste Wohnraum hilft nichts, wenn es durch das Dach regnet. Also mussten die beiden Tüftler das Wohnmobil dicht bekommen. Dabei standen Boote und Automobile Pate. Die Außenhaut besteht aus Bootsholz, das mit sieben Schichten versehen ist. Dabei kommen Lacke aus dem Automobilbereich und Beschichtungen aus dem Bootsbau zum Einsatz. "Das war eigentlich eine der aufwendigsten Aufgaben, diese Beschichtungen im Zusammenspiel zu erproben. Das haben wir sehr lange getestet, damit das optimal zusammenspielt und funktioniert", erzählt Oliver. Die Erprobung nahm einige Zeit in Anspruch. Immer wieder stellten Vater und Sohn Kabinen monatelang in den Wald und setzen die Materialien vier Jahre lang den härtesten Prüfungen aus: Neben der Witterung musste die Hülle auch Hitze, UV-Strahlung sowie die Schockbehandlung mit einem kräftigen Dampfstrahler wegstecken. Die Mühen haben sich gelohnt, das Wohnmobil ist dicht, aber dieses Kunststück hat einen Preis. Und der wird in Kilogramm bezahlt. Das Wohnmobil hat ein Leergewicht von rund 3,7 Tonnen und ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,5 Tonnen. Den passenden fahrbaren Untersatz fand man bei MAN und packte einen MAN TGE 4 Transporter mit 177 Diesel-PS sowie einem zuschaltbaren Allradantrieb unter das Holzhaus. Die Resonanz auf dieses Natur-Wohnmobil ist riesig. Die Interessenten kommen aus Schweden, Norwegen und den Golfstaaten. Gerade bei Letzteren sind Sonderwünsche bei der Ausstattung fast schon garantiert. Das ist für die Offenburgers kein Problem, sondern Teil des Konzepts. "Wir wollen den Manufaktur-Charakter beibehalten", sagt Oliver. Bis Mai 2021 sollen fünf Fahrzeuge fertig sein, der Grundpreis beträgt rund 182.000 Euro – ohne Sonderwünsche.

Das Gewicht soll auf 3,5 Tonnen sinken

Die nächste Evolutionsstufe ist schon in Planung. Damit mehr Leute das Holz-Wohnmobil bewegen dürfen, soll das Gewicht bei Bedarf auf 3,5 Tonnen sinken. Das wird durch Einsparungen am Material erreicht. Zum Beispiel ist der Boden dann "nur" noch acht statt 16 Millimeter dick. "Ohne Qualitätseinbußen", versichert Oliver Offenburger. Diese Modelle sollen dann etwa 30.000 Euro günstiger sein. Schon haben die ersten Interessenten aus den USA angeklopft. Doch das größte Lob hat Stefan von seiner Freundin bekommen. Die ist eigentlich alles andere als ein Wohnmobil- und Campingfan. Das hat sich mit dem rollenden Holzhaus schlagartig geändert. "Jetzt hat sie Angst, dass wir dieses Auto verkaufen", strahlt der Holz-Tüftler.

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Autor: Wolfgang Gomoll

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