Ferrari 12Cilindri Manuale: Getriebe-Trick aus Maranello
Ferrari feiert die Rückkehr des Handschalters

Ferrari feiert mit dem 12Cilindri Manuale die Rückkehr des Handschalters. Das eigens entwickelte Getriebesystem aus Maranello ist aber nicht mit einer klassischen Handschaltung gleichzusetzen.
Bild: Ferrari
Ferrari kann es doch noch! Nachdem der Luce, das erste reine Elektroauto der Marke, in der Sportwagenwelt eher gemischte Gefühle hervorgerufen hat, wenden sich die Italiener mit dem 12Cilindri Manuale nun wieder an ihr gewohntes Verbrenner-Publikum.
Der namensgebende V12-Sauger mit 6,5 Liter Hubraum und 830 PS bleibt im 12Cilindri Manuale unverändert. Neu ist allerdings die Handschaltung – und die Technik dahinter funktioniert so gar nicht wie gewohnt.
Das System nennt sich "Manuale By-Wire". Zwar bedient der Fahrer ein Kupplungspedal und einen puristischen Aluminium-Schaltknauf samt offener Schaltkulisse, aber die handgeführten Bewegungen lösen keine unmittelbaren mechanischen Befehle am Getriebe aus. Stattdessen werden sie zunächst in elektronische Signale umgewandelt.

Die offene Schaltkulisse des Ferrari 12Cilindri Manuale.
Bild: Ferrari
Diese Signale steuern dann das automatisierte Doppelkupplungsgetriebe (DCT), das bereits im normalen 12Cilindri verbaut ist. Kurios: Der manuell schaltende Fahrer führt den Knauf durch ein klassisches Sechser-Layout, während der automatische Modus nach wie vor acht Gänge sortieren darf.
Die Fahrleistungen auf dem Papier (Vmax >340 km/h, 0-100 km/h in 2,9 s) bleiben davon also unbeeindruckt, weil im Zweifel die ermüdungsfreie Elektronik ihren gewohnten Job macht.
Besondere Funktionsweise des Getriebes
Im Mechanismus der Cockpit-Schalteinheit gibt es zwei getrennte Rotationen. Eine wählt den Gang, die andere legt ihn ein. Dabei ist vor allem das Gangeinlegen einzigartig: Eine rotierende Trommel mit geformtem Profil, gekoppelt an ein vorgespanntes System, baut zunächst Widerstand auf und lässt ihn anschließend sofort wieder frei. Das daraus resultierende "Einrasten" spürt man direkt am Schaltknauf.
Somit soll das physische Gefühl eines mechanischen Getriebes realitätsgetreu nachgeahmt werden, während eigentlich das DCT die Gänge wechselt. Sogar das mechanische Geräusch, das typisch für eine offene Schaltkulisse ist, soll detailgetreu imitiert werden.
Schaltgefühl wie in alten Ferrari-Modellen
Auch das Kupplungspedal ist speziell konzipiert, um dem Fahrer ein möglichst realistisches Gefühl zu vermitteln. Die Kupplung funktioniert ebenfalls by-Wire und wird über einen passiven Mechanismus gesteuert, der aus einer Vorspannfeder, einer Nocke und einer Rolle besteht. So soll das typische Widerstandsgefühl einer Kupplung nachgebildet werden. Ferrari verspricht, dass sich der Gangwechsel im 12Cilindri Manuale anfühlt wie in älteren Ferrari mit "echter" Handschaltung.

Im Innenraum des 12Cilindri Manuale trifft eine moderne Bildschirm-Landschaft auf klassische Aluminium-Elemente.
Bild: Ferrari
Bei denen brauchte es bisweilen ein feines Füßchen, beispielsweise schon beim Anfahren, um die italienischen Luxussportwagen nicht abzuwürgen. Selbst das ist im 12Cilindri Manuale möglich, genauso wie die "Spitze-Hacke-Technik" (Heel and Toe) – also das Bremsen und Zwischengasgeben beim Runterschalten, wenn man den Zwölfzylinder mal sportlicher bewegen möchte.
Wer dann aber doch lieber den Ferrari schalten lassen möchte, der kann im 12Cilindri Manuale per Knopfdruck auf Automatik umschalten und das DCT alleine arbeiten lassen.
Erster Handschalter aus Maranello seit 2012
Ferraris Neuinterpretation der Handschaltung löst bisher gemischte Reaktionen aus. Manche Puristen sehen in "Manuale By-Wire“ keine echte Handschaltung. Andere wiederum freuen sich darüber, dass Ferrari endlich wieder ein Modell mit echtem Schalthebel anbietet. Seit dem California aus dem Jahr 2012 hatten die Italiener keinen Handschalter mehr im Programm.
Wer Gefallen am 12Cilindri Manuale gefunden hat, sollte schnell sein, denn Ferrari hat das Modell auf 1499 Exemplare limitiert. Die Zahl ist eine Hommage an den Hubraum des allerersten Ferrari-Zwölfzylinders von 1947, der im Ferrari 125 S zum Einsatz kam.
Für den handgerissenen Zwölfzylinder aus Maranello verlangt Ferrari mindestens 590.000 Euro. Das sind mal eben 208.000 Euro mehr, als für das "Basismodell" mit automatischer Achtgang-Doppelkupplung fällig werden.
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