Exakt 599 Exemplare des Daytona SP3 legt Maranello auf. Dabei darf nur einen Kaufvertrag unterschreiben, wer zuvor bereits bei den Vorgängern SP1 oder SP2 bedacht wurde. Von denen gab es 2018 nur 499 Stück.
Die Quote derer, die auf diese Gelegenheit verzichten, dürfte verschwindend gering sein – trotz rund 2.000.000 Euro Kaufpreis. Der Preis ist ohnehin nebensächlich. Zwei Millionen sind für die Klientel Spielgeld – zumal schon jetzt klar ist, dass dieses Auto nie mit Wertverlust zu kämpfen haben wird.
Ferrari Daytona SP3
Aerodynamik im Schwellerbereich: Hinterm Rückspiegel wird Luft eingesaugt, vor den Hinterrädern tritt sie wieder aus.


Eine Mindesthaltezeit steht zwar im Kaufvertrag, wie man uns verriet, aber eigentlich nur pro forma. Wer mit einem Daytona bedacht wurde, gibt ihn nicht so schnell wieder her. Da ist man sich bei Ferrari sicher.
Dabei hat das Auto an sich gar nichts mit dem eigentlichen Daytona zu tun – beziehungsweise mit dem Auto, das als Daytona bekannt geworden ist: dem 365 GTB/4. Vielmehr will Ferrari auf das 24-Stunden-Rennen in Daytona im Jahr 1967 verweisen. Der unvergessene Lorenzo Bandini, der noch im selben Jahr in Monaco bei einem schrecklichen Feuerunfall sein Leben verlieren sollte, und der Neuseeländer Chris Amon gewannen damals auf einen 330 P4 – vor zwei weiteren Ferrari.

Fokus beim Ferrari Daytona SP3 auf Design

Ebendiesem 330er ist der SP3 auch unübersehbar nachempfunden: die umlaufende Windschutzscheibe, die Flics an der Front, die horizontalen Elemente hinter der Antriebsachse, auf den vorderen Kotflügeln aufgesetzte Spiegel. Alles bewusst gewählte Stilelemente von Chefdesigner Flavio Manzoni, der bei diesem Projekt die Entwicklungspriorität vor den Ingenieuren genoss.
Das heißt: Der primäre Fokus bei der Ausarbeitung lag auf dem Design, nicht auf dem letzten Quäntchen Performance. Klar auch, dass bei einer Hommage an die eigene Vergangenheit Hybrid-Spielereien nichts im Lastenheft zu suchen hatten. Ein reiner, frei saugender Zwölfzylinder musste sein. (Das erste SUV von Ferrari heißt Purosangue und kommt 2022)
Ferrari Daytona SP3
Alles für den Fahrer: Noch extremer als bei anderen Ferrari sind die Bedienelemente voll auf den Piloten ausgerichtet.


Nichtsdestotrotz ist der Daytona SP3 natürlich auch ein hochperformanter Vertreter seiner Zunft. Nicht verwunderlich, wenn man einen Blick auf die Leistungsdaten oben wirft: 840 PS sind das Maximum, welches Ferrari bislang in einem Serienmodell aus dem 6,5-Liter-V12 pressen konnte, noch mal 10 PS mehr als im bereits limitierten 812 Competizione. Das Chassis basiert derweil auf dem LaFerrari, auch der Siebengang-Doppelkuppler ist eine Weiterentwicklung.

Ferrari stolz auf fehlende Flügel

Bei der Anpassung des Antriebsstrangs vom Front-Mittelmotorsportler auf den SP3 gab es keine gravierenden Schwierigkeiten. Ein paar logische Modifizierungen im Abgasstrang, das war es. Titanpleuel und eine nochmals leichtere Kurbelwelle übernimmt er vom Competizione, genau wie die Maximaldrehzahl von 9500 Touren.
Aerodynamisch ist Ferrari besonders stolz darauf, komplett ohne aktives Flügelwerk ausgekommen zu sein. Viel vom nötigen Abtrieb wird am Boden des Autos über ein Unterdruck-Schürzensystem erzeugt. Die Luftleitkanäle in den Türen, zwischen den Achsen, funktionieren im Grunde wie das S-Duct-System an der Front des F8 Tributo. Luft wird eingesaugt und trifft vor der Hinterachse quasi auf einen versteckten Flügel, wird dadurch nach oben geleitet und erzeugt einerseits einen Kühleffekt und zum anderen Abtrieb.
Ferrari Daytona SP3
Filigrane Horizontalstreben unter den Rückleuchten, zwei hohe Endrohre schaffen Platz für einen massigen Diffusor.


Innen verwirren zunächst fest mit dem Chassis verschraubte Schalensitze. Um auch großen Kunden Platz zu schaffen, sind Pedaleinheit und Lenkrad verstellbar. Das funktioniert geschätzt bei Sitzriesen bis etwa 1,90 Meter auch ganz gut, mit meinen langbeinigen 1,96 Redakteurs-Meter habe ich jedoch keine Chance. Kniescheiben und Armaturenträger sind stets solide miteinander verpresst, an Fahren ist nicht zu denken. Glückwunsch, Kollege Naumann, Sie haben einen Fahrtermin gewonnen – falls der Daytona SP3 je in Journalisten-Hände gelangen sollte.
Der Rest des Cockpits ist keine Überraschung, das Lenkrad kommt in der modernsten Version mit Touchflächen statt Knöpfen, ein gebogenes 16-Zoll-Display dahinter zeigt alle nötigen Informationen an, die Gangwahl-Kulisse im Look der klassischen Handschalter kennen wir etwa aus dem Roma. Und die 100 übrigen SP3? Die gehen in jene Märkte, die einst keinen SP1/SP2 abbekommen haben.

Fazit

Den Großteil der 599 Exemplare werden wir nur selten, wenn überhaupt, auf der Straße sehen. In Kleinserie zelebriert Ferrari noch mal den V12-Sauger. Ein unverfälschter Hochdrehzahl-Supersportler. Traumhaft!

Technische Daten und Preis: Ferrari Daytona SP3

• MOTOR V12, Mitte hinten längs
• HUBRAUM 6496 cm3
• LEISTUNG 618 kW (840 PS) bei 9250/min
• MAX. DREHMOMENT 697 Nm bei 7250/min
• ANTRIEB Hinterrad, 7-Gang-Doppelkupplung
• L/B/H 4686/2050/1142 mm
• LEERGEWICHT 1485 kg (trocken)
• 0–100/200 KM/H 2,85/7,4 s
• SPITZE 340 km/h
• PREIS ca. 2.000.000 Euro