In diesem Ferrari schlägt ein Opel-Herz! Anstelle des originalen und hochdrehenden 3,5-Liter-V8 wird dieser originale Ferrari F355 GTS von einem 2,0-Liter-Vierzylinder aus einem Opel Astra befeuert. Die Hintergründe!
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Opel-Vierzylinder statt Ferrari-V8: Klingt nach einem schlechten Scherz, ist aber Realität. Für alle Ferrari-Fans hören die schlechten Nachrichten an dieser Stelle aber noch nicht auf. Denn bei diesem Exemplar handelt es sich nicht etwa um ein Replika auf Basis eines Pontiac Fiero – das Auto ist ein echter Ferrari F355 GTS, einem der bekanntesten V8-Mittelmotor-Modelle aus Maranello, das sich besonders als Handschalter großer Beliebtheit unter Sammlern erfreut.
Aber wieso tauscht jemand den famosen V8-Saugmotor gegen einen vermeintlich schnöden Vierzylinder? Lag dem spektakulären Umbau womöglich ein Motorschaden zugrunde? Oder wollte der Besitzer schlichtweg Wartungskosten sparen? Schließlich muss der V8 des F355 für den alle drei Jahre vorgeschriebenen Zahnriemenwechsel komplett ausgebaut werden. Und auch davon abgesehen sind 90er-Jahre-Ferrari nicht unbedingt für ihre Wartungsfreundlichkeit bekannt.
Ferrari F355 GTS: Umbau
Der Z20LET-Vierzylinder ist preiswert und tuningfreundlich. Mit umfangreichen Modifikationen sind auch mehr als 800 PS kein Problem.
Bild: facebook.com/twinenginecorsa
Fakt ist, dass der Motortausch bereits vor vielen Jahren vollzogen wurde, als die Preise für gebrauchte Ferrari F355 GTS noch deutlich niedriger waren. Kürzlich erhielt das spektakuläre Projekt durch einen Facebook-Post auf der Seite "Twin Engine Corsa" noch mal neue Aufmerksamkeit.

Der Umbau wurde in Deutschland gemacht

Den Informationen zufolge wurde das Projekt einst vom deutschen Tuning-Shop Vmax Performance aus Borken umgesetzt. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und spezialisierte sich zunächst hauptsächlich auf Opel-Tuning, weitete sein Angebot jedoch konsequent aus und beliefert mittlerweile verschiedene Rennsport-Teams und übernimmt vereinzelt auch Prototypentwicklung.
Der Facebook-Post verweist auf einen Blogeintrag auf der Website "techturkey.com", in dem der User mit dem Namen "BrakeHorsePower" den Ferrari mit Opel-Herz im Februar 2009 erstmals vorstellt, woraufhin eine teils emotionale Diskussion unter den Nutzern entfacht. Für die einen ist es ein absoluter Frevel, den über 8000 U/min drehenden und fantastisch klingenden V8 rauszuwerfen und gegen einen 2,0-Liter-Vierzylinder aus einem Opel Astra zu tauschen. Die anderen sehen es in erster Linie als spannendes Projekt, wieder andere bringen berechtigterweise den Leistungsaspekt ins Spiel. Denn im Vergleich zu den serienmäßigen 381 Ferrari-PS soll der aufgeladene Opel-Motor mit dem Kürzel Z20LET schon damals gut für 600 PS gewesen sein, was eine enorme Leistungssteigerung wäre.
Leider enden die Beiträge in dem Thread nur wenige Tage nach der Erstellung ohne weiterführende Informationen. Auch die versprochenen Videos werden nie hochgeladen.

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Bei unserer Recherche stießen wir aber noch auf einen weiteren Forumsbeitrag auf "opel-turbo.de", in dem der mutmaßliche Besitzer namens Samy im September 2010 deutlich mehr Informationen zum Umbau preisgibt. So erklärt er, dass es sich um einen verunfallten, aber originalen F355 GTS handelt, dessen Motor jedoch unbeschädigt gewesen sei. Wieso der Umbau? Ganz einfach, die serienmäßigen 381 PS waren ihm schlichtweg zu wenig. Ein aufwendiger Turbo-Umbau auf Basis des originalen Motors zu teuer und zu wenig haltbar.

So aufwendig war das Tuning

Als Opel-Fan und -Experte wandte er sich an Vmax Performance, die bereits zuvor einen LET-Motor in einen BMW M3 E30 transplantiert und auf 800 PS gepusht hatten. Auf der zweiten Seite des Forumbeitrags listet Samy die Umbaudetails auf. Diese sind allerdings so umfangreich, dass eine Aufzählung an dieser Stelle definitiv den Rahmen sprengen würden, deshalb nur die wichtigsten Punkte: Basis ist ein Z20LET-Motor mit C20LET-Block, speziellen Nockenwellen, größeren Ventilen, Trockensumpfschmierung und Garrett GT3588R Turbolader. Gekoppelt ist der Vierzylinder an das Serien-Getriebe (zwei Getriebeschäden später funktionierte laut eigener Aussage alles) und die serienmäßige Abgasanlage.

Fünf Jahre Umbauzeit

Die angepeilte Leistung? 600 bis 700 PS! Die Umbauzeit? Fünf Jahre! Leider wurde es auch in diesem Forum nach nur wenigen Tagen sehr ruhig, doch unter dem frischen Facebook-Post berichtet eine Nutzerin, dass der Ferrari mit dem Opel-Motor weiterhin existiere und sie das Auto regelmäßig live sehe.
Unterm Strich ein faszinierender Umbau, der den meisten Ferraristi sicherlich die Zornesröte ins Gesicht treibt, jedoch zeigt, was bereits vor über 15 Jahren in puncto Motorentausch möglich war und dass ein Ferrari mit einem Opel-Motor nicht zwangsläufig ein Downgrade sein muss.
Und falls der Besitzer des Ferrari diesen Artikel zufällig lesen sollte, würden wir uns sehr über weitere Informationen und ein paar aktuelle Fotos freuen!