Fiat-Chrysler und PSA: Gespräche

Wert-Ranking der Automarken 2018

Fiat/Chrysler und PSA: Folgen der Fusion

Was die Fusion von FCA und PSA bedeutet

FCA (Fiat/Chrysler) und PSA (Peugeot/Citroën/Opel) wollen mit einer Fusion zum viertgrößten Autokonzern der Welt aufsteigen. Warum dies das Aus für Fiat 500 und Panda bedeuten könnte! Die Hintergründe!
(Reuters/brü/cj) Die Fusion von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und PSA (u.a. Peugeot, Citroën und Opel) könnte weitreichende Folgen für Fiat 500 und Fiat Panda haben. Wie Automotive News Europe berichtete, deutete FCA-CEO Mike Manley gegenüber Analysten an, dass Fiat sich aus dem Minicar-Segment in Europa zurückziehen und Kunden in höherklassige Kaufklassen locken könnte. Das wäre gleichbedeutend mit dem Ende des Fiat 500 als Dreitürer-Fließheck und dem Panda – die beiden europäischen Marktführer in dem Segment. Einen Zeitplan habe der Konzernchef nicht genannt. Das Vorhaben würde aber einem Trend entsprechen, nachdem auch Opel den Adam und Karl nicht weiterführt sowie Ford den Europa-Import des Ka+ gestoppt hat.
Die Fusion könnte insofern den Prozess fördern, da die Italo-Amerikaner künftig Zugang zur Modularen Plattform von PSA hätten, auf der unter anderem der Peugeot 208 und Opel Corsa basieren, beide bald auch elektrisch. Experten halten es allerdings auch für möglich, dass Fiat die genannten Kleinwagen bei Technik und Ausstattung aufrüstet und damit in ein profitableres Segment hievt. Zudem hatte Fiat im September die Präsentation des Fiat 500 electric auf dem Automobilsalon in Genf 2020 angekündigt. Die Rede war von einer Investition von 700 Millionen Euro.

Viertgrößter Autokonzern der Welt?

Erst eine Woche zuvor war bekannt geworden, dass Fiat Chrysler und die Opel-Mutter PSA zum viertgrößten Autokonzern der Welt nach Volkswagen, Toyota und Renault-Nissan verschmelzen wollen. Zusammen könnten die Konzerne mit Marken wie Fiat, Jeep, Chrysler, Alfa Romeo, Maserati, Peugeot, Opel oder Vauxhall die Herausforderungen der Ära klimafreundlicher Mobilität meistern, teilten der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und sein französischer Rivale Peugeot SA (PSA) am 31. Oktober 2019 mit. PSA-Boss Carlos Tavares, der den neuen Konzern führen soll, sagte diesem eine "strahlende Zukunft" voraus. FCA-Chef Mike Manley wies auf die schon lange erfolgreiche Kooperation der Autobauer hin: "Ich bin überzeugt, dass wir zusammen mit unseren großartigen Beschäftigten ein Mobilitätsunternehmen von Weltklasse schaffen können." Gemeinsam würden die Unternehmen im Jahr 8,7 Millionen Fahrzeugen verkaufen und damit 170 Milliarden Euro umsetzen. FCA verkaufte 2018 mehr Autos als PSA, der französische Konzern hat mehr Beschäftigte.

Mitarbeiter in Sorge um die Jobs

Nun treibt Arbeitnehmer an den Standorten die Angst vor Stellenstreichungen um. Gewerkschaften in Italien äußerten sich besorgt angesichts der schlecht ausgelasteten Fiat-Werke. Die britische Gewerkschaft Unite drang auf Gespräche über die mit dem Brexit schon unsichere Zukunft der Werke von Vauxhall. In Deutschland pocht die IG Metall auf die Eigenständigkeit von Opel und auf den bis Mitte 2023 geltenden Kündigungsschutz. Die Gewerkschaft fordert schon länger mehr Investitionen in neue Produkte, um Opel zu stärken. Auch Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire erklärte, die Regierung werde bei der Fusion ein besonderes Augenmerk auf Arbeitsplätze haben. Im Grundsatz begrüßte er aber das Vorhaben – so werde Frankreich neben Renault einen weiteren Global Player in der Autobranche haben.

FCA auf Partnersuche

FCA, vor fünf Jahren erst durch die Übernahme des amerikanischen Herstellers Chrysler entstanden, ist schon länger auf Partnersuche. Der Druck dazu erhöhte sich wegen der weltweit schärferen Klimaschutzvorschriften. Um diese zu erfüllen, müssen die Autobauer auf Elektroautos umstellen und die allmählich auslaufenden Verbrennungsmotoren sauberer machen. Hier kann FCA von der Technik der Franzosen profitieren, die auf diesem Feld schon weiter sind und auch Opel beim Umschwung zur Elektromobilität anschieben. Einsparungen sind umso dringender, da die Autokonjunktur wegen des Handelskonflikts zwischen USA und China sowie dem Brexit seit letztem Jahr auf Talfahrt ist.

So urteilen Autoexperten

Branchenexperte Bratzel erwartet einen harten Sparkurs im neuen Konzern bei einer Fusion.

Für Fiat Chrysler sei das die Rettung, erklärte Jürgen Pieper, Autoexperte vom Bankhaus Metzler. "Das Unternehmen ist doch technologisch sehr stark zurückgefallen und hätte alleine enorme Schwierigkeiten, bei E-Mobilität und anderen Zukunftsthemen mit den anderen mitzuhalten." Zusammen könnten die Autobauer zur ersten Liga aufschließen. Nach Ansicht des Auto-Experten Stefan Bratzel böte eine Fusion viele Chancen. Die Franzosen könnten so auf dem US-Markt Fuß fassen, sagte der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Auch auf dem europäischen Markt würde der PSA-Marktanteil mit Fiat weiter wachsen. Weitere Skaleneffekte im Einkauf seien zu erwarten, wenn künftig Fiat-Autos auf PSA-Plattformen stünden. Ähnlich wie nach der Übernahme der früheren General-Motors-Tochter Opel wäre bei Fiat eine harte Sanierung zu erwarten. "PSA-Chef Carlos Tavares macht das, was notwendig ist. Er ist sich auch nicht zu fein, die Brechstange auszupacken", sagte Bratzel. Dies sei allerdings nur möglich, wenn der Pariser Konzern die Führung im neuen Unternehmen übernehmen könnte. "Eine Fusion unter Gleichen würde nicht funktionieren", urteilte der Wissenschaftler.

Aufteilung 50:50

Zwar scheint genau das geplant. Den Plänen zufolge streben die Aufsichtsgremien beider Unternehmen  einen Konzern an, der jeweils zur Hälfte den Anteilseignern von FCA und PSA gehört, teilten die Unternehmen weiter mit. Neben Tavares als operativem Chef soll John Elkann (43), Ururenkel des Fiat-Gründers Gianni Agnelli, als Verwaltungsratschef den Autoriesen leiten. Eine erste formelle Vereinbarung zur Fusion soll in den kommenden Wochen erarbeitet werden. Bei FCA hat die Holding der Gründerfamilie Agnelli als Großaktionär das Sagen, bei den Franzosen sind mit jeweils gut zwölf Prozent die Familie Peugeot, der französische Staat und über den Fahrzeughersteller Dongfeng auch China die größten Anteilseigner. Allerdings werden die Franzosen im künftigen elfköpfigen Verwaltungsrat das Sagen haben: Er soll aus sechs Mitgliedern von PSA und fünf von FCA bestehen. Die Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben und an den Börsen in Paris, Mailand und New York notiert sein.

Einsparungen in Höhe von 3,7 Mrd. Euro

Die Fusion soll über mehrere Jahre Kosteneinsparungen von etwa 3,7 Milliarden Euro bringen. Das soll vor allem durch Größenvorteile im Einkauf und mehr Effizienz durch einheitliche Fahrzeug-Plattformen erreicht werden, Einsparungen durch Werksschließungen gehörten nicht dazu, hieß es. Einmalig müssten aber 2,8 Milliarden Euro für Einsparungen ausgegeben werden. FCA würde seinen Aktionären eine Sonderdividende von 5,5 Milliarden Euro zahlen und seine mit 250 Millionen Euro bewertete Beteiligung an der Robotik-Tochter Comau an die eigenen Anteilseigner verteilen. Vorgesehen sei ferner, dass PSA seine 46-prozentige Beteiligung am Zulieferer Faurecia im Wert von rund drei Milliarden Euro ausgliedern werde. Abzuwarten bleibt, wie die US-Regierung zu einem Konzern steht, in dem chinesische Anteilseigner über einen amerikanischen Hersteller mitzureden hätten.
Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.