Wohnmobil-Test Fiat Ducato gegen Mercedes Sprinter

Fiat Ducato gegen Mercedes Sprinter: Wohnmobil-Test

Zwei Bürstner-Modelle mit verschiedenen Basisfahrzeugen im Check

Mercedes-Benz Sprinter gegen Fiat Ducato, beide von Bürstner zu Reisemobilen veredelt – für AUTO BILD REISEMOBIL das Duell des Jahres! Ist der Stuttgarter wirklich so gut, wie alle sagen? Gehört der Italiener zum alten Eisen?
Ein besonderer Test erfordert auch ein besondereres Format, daher sind wir von unserem üblichen Vergleichsschema für Wohnmobile ein wenig abgewichen. Im Zentrum der Betrachtung stehen in diesem Vergleich die beiden Basisfahrzeuge. Daher stellen wir gleich zu Beginn deren wichtigste Details direkt gegenüber. Wie fühlen sie sich an, wie fahren sie und welchen Komfort bieten sie uns Campern? Spannende Fragen, die man sich natürlich auch auf Herstellerseite stellt. Kann der Ducato noch mithalten? Oder müssen wir mit einer stärkeren Sprinter-Nachfrage rechnen? Jahrzehntelang hat der Transporter aus Italien herausragende Dienste für die Camping-Branche geleistet, war gleichermaßen zuverlässiges, wie günstiges Basisfahrzeug. In den 1980er-Jahren dominierten noch Mobile auf VW T3, VW LT oder Mercedes-Benz MB 100 die Szene. Damals brauchte man ganz starke Nerven – wegen der fehlenden Leistung etwa, die aus etwas besseren Hügeln nahezu unüberwindliche Hindernisse machte oder wegen des Lärms, den die LT- und MB 100-Motoren machten, die, von innen zugänglich, im Boden zwischen Fahrer und Beifahrer saßen und eine Verständigung zwischen diesen beiden nahezu unmöglich machten. Wie froh waren wir da, wenn wir mal wieder einen Ducato fahren durften! Der kam 1982, damals schon aus dem süditalienischen Werk in Sevel, mit Fünfganggetriebe und Lenkradschaltung! Und: Kein Motordeckel oder Schalthebel versperrte den Fußraum.
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Der Ducato ist nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte

Welche Basis bietet mehr fürs Geld: Mercedes (l.) oder Fiat? Optisch kommt der Sprinter moderner daher.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Aber nun genug der Folklore. Wir schreiben das Jahr 2020 und modernste Technik hat auch bei den Nutzfahrzeugen Einzug gehalten. Start-Stopp-Technik, Seitenwind-Assistent, Multimedia mit Navigation und Rückfahrkamera, alles kein Problem. Allerdings ist heute der Ducato nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Das sieht man beim Vergleich mit dem Sprinter schon auf den ersten Blick. Die klare Formensprache außen, das moderne Armaturenbrett mit dem Lenkrad als Multimedia-Zentrale, die vielen möglichen Komfort- und Sicherheitsassistenten – da kann der jetzt altbacken wirkende Fiat nicht ansatzweise mithalten. Das setzt sich fort, wenn man auf dem Fahrer- oder Beifahrersitz Platz nimmt. Perfekte Einstellmöglichkeiten beim Mercedes, was Lehne und Sitzfläche betrifft. Und so bequem – man will gar nicht mehr aussteigen! Auch das Lenkrad lässt sich (natürlich) horizontal und vertikal anpassen. Nicht so beim Fiat. Hier muss sich der Fahrer dem Auto anpassen, ob es ihm gefällt oder nicht. Stets sitzt man zu nah am oder zu weit weg vom Lenkrad. Horizontale Verstellmöglichkeit? Fehlanzeige. Und unter der Motorhaube ist der Zugang zu Wischwasser und Kühlflüssigkeit fummelig. Der Einfüllstutzen für AdBlue sitzt unterhalb des Diesel-Tankverschlusses. Beim Mercedes fließt das Additiv durch eine Öffnung unter der Motorhaube.

Ixeo TL 680 G: Robuste Basis trifft außergewöhnlichen Grundriss

Im Exeo gibt's eine riesige L­-Sitzgruppe mit verschiebbarem Tisch und Bank gegenüber.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Was Bürstner aus dem Ducato gemacht hat, ist allerdings aller Ehren wert: Der Ixeo TL 680 G paart das vom Kehler Hersteller gewohnte gemütliche Interieur hier mit einem spannenden Grundriss fernab vom Mainstream. Weil das "Schlafzimmer" bei Nichtgebrauch vorn unterm Dach schwebt, bleibt mehr Platz für alle anderen Raumanwendungen – und zwar in erster Linie für das Wohnen. Die Sitzgruppe ist mit "groß" nur unzureichend beschrieben. Sie ist das bestimmende Element der Ausstattung und nimmt fast die Hälfte der gesamten Grundfläche ein. Sieben Personen sollten sich hier zur fröhlichen Runde treffen können – wenn Corona es erlaubt, versteht sich. Möglich machen das eine L-Sitzgruppe, eine gegenüberliegende Bank und die beiden Fahrerhaus-Pilotsitze. Der Sitzkomfort ist gut, auch wenn die Rückenpolster eine Spur zu steil ausfallen. Der große, recht stabile Tisch lässt sich gut verstellen und bietet genügend Ablagefläche. Einziges Manko: Dieser Bereich ist auf einem Podest gebaut, mit entsprechender Stolperfalle. Vorsicht ist also geboten. Immerhin lässt sich so noch ein großes Bodenfach zum Fahrerhaus hin realisieren. Oben umlaufende Stauschränke nehmen Gepäck auf. Wenn die Gäste gegangen sind, fährt das elektrische Doppelbett von der Decke herunter. Hinter der Sitzgruppe schließt sich eine L-förmige Küche an, das Heck gehört einem geräumigen Bad.

Bürstner Ixeo TL 680 G
Extras*
180-PS-Motor 5080 Euro
Neunstufenautomatik 3500 Euro
Fahrassistenz 990 Euro
90-l-Dieseltank 100 Euro
Tagfahrlicht LED 340 Euro
Aufbautür breit 1020 Euro
Skyroof 590 Euro
Dachhaube Omnivent 150 Euro
Markise 4,00 m 1090 Euro
Kühlschrank 140 l Tec Tower 610 Euro
Multimedia-System + Rückfahrkamera 1960 Euro
Design Paket Champagner (Türschweller, Alufelgen, Lackierung Champagner) 2390 Euro
Chassispaket (Tempomat, ESP, Beifahrerairbag, el. Außenspiegel, automatische Klimaanlage) 2470 Euro
Interieur Paket (Lederlenkrad, Instrumententafel in Chrom, Armaturenbrett-Veredelung) 290 Euro
Serienausstattung
Fiat-Tiefrahmenchassis
Fahrer-Airbag
Fahrerhaus-Verdunkelung
Zentralverriegelung (Fahrerhaus)
Pilotensitze im Wohnraumstoff
Alurahmenfenster
abschließbare Serviceklappe Heck rechts
Garagentür zusätzlich Fahrtrichtung links
el. Hubbett
* Preise Modelljahr 2020

Lyseo M 690 G: Basis modern und edel, Grundriss klassisch

Gegenüber der breiten Aufbautür befindet sich im Lyseo direkt die Sitzgruppe.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Der Lyseo M 690 G besitzt einen eher konventionellen Grundriss mit den besonders in Deutschland beliebten Einzelbetten im Heck. Sie können mittels ausziehbarem Brett und Zusatzpolstern auch zu einer Liegefläche zusammenwachsen. Zwei Stufen (oder eine kleine Leiter) erleichtern den Zugang. Unter den Fußenden der Betten befinden sich rechts ein Kleiderschrank mit Kleiderstange und links ein großer Stauraum. Reichlich Platz für Campingmöbel und Co. bietet die große Heckgarage. Trotz gleicher Außenlänge fällt bei dieser Anordnung das Raumgefühl natürlich knapper aus als im Ixeo. Das fängt schon bei der kleineren Sitzgruppe an, die maximal vier Personen Platz bietet. Ablagefläche bietet die oben umlaufende Galerie, vorn zudem Ablagetaschen rechts und links. Die schlichte, kompakt gebaute Küche ist mit Dreiflammherd, runder Edelstahlspüle, genügend Stauraum in Ober- und Unterschränken (drei Schubladen mit automatischem Einzug und eine Tür rechts) sowie schlankem Kühlschrankturm mit integriertem Eisfach und Gemüse-Schublade ähnlich ausgestattet, wie die des Ixeo. Nur die Arbeitsfläche fällt im Lyseo knapper aus. Das schöne Bad bietet Toilettenschrank, WC und Schwenkwand mit großem Spiegel, Waschbecken, Unterschränkchen und separater Duscharmatur. Die Badtür ist außen mit einem großen Spiegel versehen.

Fahreindrücke: Der Sprinter ist das deutlich bessere Fahrzeug

Feines Ansprechen der Federung im Sprinter, der Ducato zeigt Abrollkomfort auf ordentlichem Niveau.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Dann starten wir die Motoren: Beim Ducato dreht man den Zündschlüssel wie schon 1982, und der Vierzylinder erwacht ratternd und brummend zum Leben. Bei Mercedes geht das (natürlich) auf Knopfdruck und der ebenfalls vierzylindrige Benz-Diesel nimmt schnurrend seinen Dienst auf. Noch schöner wird es, wenn man den sahnigen 190-PS-Sechszylinder (4860 Euro) wählt. Eine Option, die Fiat nicht anbietet. Dafür hat sich in Sachen Getriebe Einschneidendes getan. Die Italiener statten ihren Oldie auf Wunsch (3500 Euro) mit stattlicher Neungang-Automatik aus. Was für ein Fortschritt zu dem anstrengenden automatisierten Schaltgetriebe! Die Gangwechsel sind zwar häufig, aber praktisch nicht spürbar. So komfortabel arbeitet nicht einmal die Siebengang-Automatik des Sprinters, die bei unseren Fahrtests unentschlossen wirkte, mal zu spät, mal zu früh schaltete. Doch davon abgesehen, ist der Sprinter das deutlich bessere Fahrzeug. Er bietet einen Fahrkomfort, den man in höheren Preisregionen erwartet. Er bremst gut, meistert Gefahrensituationen souverän. Der Fiat fährt zwar ebenfalls sicher, seine Bremse schwächelte aber und beim Komfort wirkt der Fiat wie ein Rauhbein aus dem Wilden Westen.

Bürstner Lyseo M 690 G
Extras*
163-PS-Motor 730 Euro
7G-Tronic 3530 Euro
Fahrassistenz 1090 Euro
Alufelgen 1050 Euro
Chassispaket (u.a. Klimaanlage, Multifunktions-Lederlenkrad, Regensensor, verchromter Kühlergril, Tempomat) 3390 Euro
Multimedia Paket (MBUX 10.25 Zoll, digitales Radio, Vorrüstung Rückfahrhilfe, Rückfahrkamera) 2490 Euro
De Luxe Paket (Dachhaube, Alurahmenfenster, Aufbautür Premium XL inkl. Zentralverriegelung, Sicherheits-Gasdruckregler, Garagentür zusätzlich Fahrtrichtung links) 1990 Euro
Küchenpaket (Seitenwand-Verkleidung, Kapelhalter, Ordnungssystem für Schublade) 250 Euro
Winterpaket (Sitzheizung, Heizung Combi 6 E, Fußboden-Erwärmung elektrisch) 1390 Euro
Serienausstattung
ESP und ASR, Berganfahrhilfe
aktiver Bremsassistent, Seitenwindassistent,
Fahrlichtassistent
Fahrer- und Beifahrer-Airbag
el. Außenspiegel, Fahrerhaus-Verdunkelung, el.
Einstiegsstufe, Aufbautür breit, Zusatzpolster für
Notbett, 142-l-Kühlschrank, Mehrzonen-Kaltschaummatratzen für alle Bettvarianten
USB-Ladesteckdose
* Preise Modelljahr 2020

Wohnmobil-Test Fiat Ducato gegen Mercedes Sprinter

Bürstner Ixeo TL 680 GBürstner Ixeo TL 680 GBürstner Lyseo M 690 G
Fazit von Alex Failing und Axel Sülwald:
Wer Ducato und Sprinter im Vergleich fährt, merkt sofort: Der Fiat ist in die Jahre gekommen – und der Sprinter in fast allen Belangen das bessere Fahrzeug. Trotzdem weiß der Italiener immer noch zu gefallen und besitzt zurecht eine treue Fangemeinde. Für beide gilt: Wer die Aufpreisliste ausreizt, sollte das Gewicht im Auge behalten!

Herstellerangaben
Ixeo TL 680 G Lyseo M 690 G
Technische Daten
Motorisierung MultiJet II 180 416 CDI, Euro 6 Blue Tec
Motor/Bauart/Zylinder/ Einbaulage Diesel/in Reihe/ vier/vorn quer Diesel/in Reihe/ vier/vorn quer
Hubraum 2287 cm3 2143 cm3
kW (PS) bei U/min 130 (177) bei 3500 120 (163) bei 3800
Nm bei U/min 400 bei 1500 380 bei 1400
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h 135 km/h
Getriebe Neunstufenautomatik Siebenstufenautomatik
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/75 R 16 CP 235/65 R 16 C
Reifentyp Agilis Camping Michelin VanContact 4 Season Continental
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel + 12 l/AdBlue 71 l/Diesel + 18 l/AdBlue
Anhängelast gebremst/ungebremst 2000/750 kg 2000/750 kg
Länge/Breite/Höhe 6990/2300/2980 mm 6990/2320/2990 mm
Radstand 4035 mm 3665 mm
Aufbau
Außenmaterial Wand/Dach/Boden GFK/GFK/GFK GFK/GFK/GFK
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden XPS/XPS/XPS XPS/XPS/XPS
Wandstärke Wand/Dach/Boden 30/30/50 mm 34/34/48,5 mm
Fenster 3 5
Dachhauben 4 5
Max. Innenhöhe/-breite 1978/2197 mm 2050/2185 mm
Bettenmaß vorn/hinten (L x B) 2000 x 1380 mm (vorn/Hubbett) (2x) 1930 x 800 mm (hinten/Einzelb.)
Bettenmaß Mitte (L x B) 2110 x 1540-1410 mm (optional) 1990 x 960/770 mm (optional)
Herd 3 Flammen 3 Flammen
Kühlschrank/Eisfach 145/12 l 142/15 l
Modell Toilette Thetford Cassette Thetford Cassette
Sitzplätze/ mit Dreipunktgurten 4/4 4/4
Heizung Truma Combi 6 E Truma Combi 6 E
Steckdosen 12/230 V/USB 1/4/2 1/2/4
Leuchten 19 27
Aufbaubatterie 95 Ah 95 Ah
Frischwassertank 120 l 120 l
Abwassertank 90 l 100 l
Gasvorrat 2x 11 kg 2x 11 kg
Kosten/Garantien
Abgasnorm Euro 6d-Temp Euro 6
Steuer pro Jahr 240 Euro 240 Euro
Versicherungen (HPF/VK)* 332/1876 Euro 332/1825 Euro
Werkstattintervalle 24 Monate/48 000 km nach Anzeige
Garantie Basis/Durchrostung 2/12 Jahre 2/30 Jahre
Garantie Aufbau/Dichtheit 2/5 Jahre 2/5 Jahre
Mobilitätsgarantie 2 Jahre unbegrenzt
Preise
Grundpreis (mit Basismotor) 65.690 Euro 66.990 Euro
Testwagenpreis 91.480 Euro 78.330 Euro
* VK SB 300 Euro inkl. TK, SB 150 Euro, bei jährlicher Zahlweise

Fotos: Sven Krieger / AUTO BILD

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