Fiat Grande Panda Elektro: Test
Ist das Mini-Elektro-SUV eine coole Kiste?

Gleich vier kleine Autos hat Fiat im Programm: Der neue Grande Panda zählt zu den größeren. Im Test lässt die E-Version uns mit gemischten Gefühlen zurück.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erstaunlich, aber wahr: Bei Fiat bedienen sie seit Ableben des kompakten Fiat Tipo nur noch zwei Geschäftsfelder. Das eine sind Nutzfahrzeuge: Der seit etlichen Jahren gebaute Ducato erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Das andere sind Kleinwagen. Zählt man das 4,18 Meter lange SUV 600 mit zu dieser Kategorie, sind es ganze vier Stück: Fiat 500(e), 600(e), Pandina und der neue Grande Panda.
Falls Ihnen der Pandina nichts sagt: kein Grund zur Beunruhigung. Dabei handelt es sich um den alten, kleineren Panda, angeboten seit 2011. Den bauen die Italiener umbenannt weiter – gnadenlos. Insofern kann man sich die Frage stellen, welche Rolle dann der Grande Panda spielen soll.

Kleinwagen: Der Fiat Grande Panda steht auf der neuen "Smart Car"-Plattform, er misst glatte vier Meter – so wie der Punto früher.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein Teil der Antwort steckt bereits im Namen. Gehörte das alte Modell mit 3,64 Meter Länge noch eindeutig in die Kleinstwagenklasse, streckt sich der "Grande" mit glatten vier Metern dahin, wo bis 2018 der Punto positioniert war: ins Kleinwagensegment. Ein weiteres Argument für ein neues Modell dürfte die neue "Smart Car"-Plattform gewesen sein, die sowohl Verbrenner als auch Hybrid- und Elektroantriebe zulässt – und zugleich kostengünstiger zu produzieren ist.
Fahrzeugdaten
Modell | Fiat Grande Panda Elektro |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 83 kW (113 PS) |
Dauerleistung | 53 kW (72 PS) |
maximales Drehmoment | 122 Nm |
Vmax | 132 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 205/50 R 17 V |
Reifentyp | Goodyear Efficient Grip Perf. |
Reichweite* | 320 km |
Verbrauch* | 16,8 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Eisenphosphat (LFP) |
Batteriekapazität | 44 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 7 (mit Spiralkabel)/11/100 kW |
Ladezeit (20-80 %, DC-Ladung) | 27 Minuten |
Ladeanschluss | hinten links |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | k. A. |
Anhängelast gebr./ungebr. | 550/550 kg |
Stützlast | 61 kg |
Kofferraumvolumen | 361–1315 l |
Länge/Breite/Höhe | 3999/1763–2017**/1619 mm |
Radstand | 2540 mm |
Grundpreis | 24.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 29.990 Euro |
Technisch ist der Grande Panda damit ein Brüderchen des Citroën C3, die Auswahl an Antrieben die gleiche: 100-PS-Benziner, 110-PS-Hybrid oder eine reine E-Version stehen zur Wahl. Letztere haben die Italiener uns vorbeigeschickt. Optisch tritt der Neue schon mal sehr selbstbewusst auf. Das Design zitiert an allerlei Stellen die kastige erste Generation, die steil abgeschnittene Front mit den eckigen Scheinwerfern inklusive.
Das Platzangebot fällt lediglich okay aus: Einem großen Kofferraum (361 bis 1315 Liter) steht ein bescheidenes Platzangebot in der zweiten Reihe gegenüber, zu dem die ausladend gestalteten, in diesem Fall blau-weißen Vordersitze ihren Teil beitragen.
Bordcomputer mit wenig Funktionen
Der interessante Farbmix kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl an Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten gering bleibt. Eine Verbrauchsanzeige fehlt komplett, der Bordcomputer zeigt lediglich die gefahrene Strecke und die Durchschnittsgeschwindigkeit an. Der 10,25-Zoll-Touchscreen kostet in der Basislinie extra, in der getesteten Top-Version La Prima zählt er zur Serie.

Das Interieur des Grande Panda bietet einen interessanten Farb- und Materialmix. Der Bordcomputer kann aber leider zu wenig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Möglich sind dann die kabellose Verbindung per Apple CarPlay und Android Auto sowie der Zugriff auf den zugehörigen Sprachassistenten des Telefons per Knopf am Lenkrad. Die verbauten Materialien decken von Wow-Effekt (oberes Handschuhfach aus Bambus) bis Au-Effekt (kratzempfindliches, hochglanzschwarzes Plastik) alles ab. Die Spaltmaße fallen stellenweise rustikal aus.
Messwerte
Modell | Fiat Grande Panda Elektro |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 4,3 s |
0–80 km/h | 7,9 s |
0–100 km/h | 11,8 s |
0–120 km/h | 17,9 s |
0–130 km/h | 23,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 6,5 s |
80–120 km/h | 10,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1509/401 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 10,9/10,8 m |
Sitzhöhe | 635 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,0 m |
aus 100 km/h warm | 34,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 61 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 13,3 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 16,5 kWh/100 km (-1,7 %) |
Sportverbrauch | 19,6 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 266 km |
Der E-Motor an der Vorderachse treibt den Panda ausreichend flott voran. Die hohe Werksangabe von 16,8 Kilowattstunden Verbrauch unterbot der Panda im Test sogar – und das, obwohl im von uns ermittelten Testverbrauch (16,5 kWh auf 100 Kilometer) ja die zusätzlichen Ladeverluste an der Säule enthalten sind.
Ausreichende Fahrleistungen für die Stadt
Klar, dass die 113 PS und 122 Nm keine Bäume ausreißen. In der Stadt fällt der Antritt aber spurtstark genug aus (11,8 s auf Tempo 100), die leichtgängige Lenkung und die kommode Federung passen ins Bild. Das moderate Gewicht von 1,5 Tonnen und 10,9 Meter Wendekreis sorgen für Wuseligkeit.

Fürs urbane Umfeld reichen die 11,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 locker. Und im 44 kWh großen Akku stecken 266 Kilometer Reichweite.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Je weiter und schneller man sich außerorts bewegt, desto schneller gerät das System Grande Panda Elektro dann aber eben auch an seine Grenzen. Die 266 Kilometer Testreichweite (gemessen bei 23 Grad) dürften bei winterlichen Temperaturen schnell auf unter 200 zusammenschnurren, der Topspeed liegt bei lediglich 132 km/h. Ärgerlich, dass eine Wärmepumpe genauso fehlt wie eine Batterievorkonditionierung oder ein Onboard-Routenplaner.
Wertung Fiat Grande Panda Elektro
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Mit 401 Kilogramm eher mickrige Zuladung, hinten wenig Platz. Recht geräumiger Kofferraum. | 3 / 5 |
Antrieb | Kein Temperamentsbündel, verhaltene Rekuperation. Im Alltag reicht der Vortrieb aber völlig aus. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Mit 1,5 Tonnen Leergewicht und kleinem Wendekreis handlich, eher weich gedämpft und gefedert. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Navigation über TomTom, kabelloses CarPlay und vernünftig klingende Lautsprecher sind an Bord. | 3 / 5 |
Umwelt | Der moderat große Akku und die kompakten Außenabmessungen sorgen für Nachhaltigkeit. | 3,5 / 5 |
Komfort | Weiche Sitze und moderat laute Windgeräusche treffen auf nur die wichtigste Ausstattung. | 3 / 5 |
Kosten | Für einen Zweitwagen ist er nicht billig, teuer in der Vollkasko und mit nur zwei Jahren Garantie gerüstet. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,7 |
Die Konkurrenz à la Renault 5 oder Hyundai Inster kann das alles bieten – zumindest optional – und kostet nicht mehr. So wie getestet, mit ordentlicher La-Prima-Ausstattung, kostet der Grande Panda 29.990 Euro. Dazu kommen bescheidene zwei Jahre Garantie, lediglich acht Jahre auf Durchrostung und eine eher teure Vollkasko-Einstufung. Auch das erstaunlich und leider wahr.
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