Flowcamper Frieda Volt, Elektroauto, Camping, Test, Preis
Voll unter Strom campen

Die Campingbranche tut sich mit dem Thema Elektromobilität noch immer recht schwer. Die Firma Flowcamper hat jetzt ein völlig neues Konzept für einen E-Camper entwickelt, das auch wirklich nachhaltig ist.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Ein Satz, den jeder Camper, der sich für einen Bulli interessiert, schon einmal gehört hat, ist wohl: "Kauf bloss keinen alten
Bus von der Post". Schließlich würden unter den Kurzstrecken der Postboten vor allem die Motoren leiden. Und wenn man den Motor einfach ausbaut? Flowcamper-Chef Martin Hemp aus Hagen (NRW) hat jedenfalls keine Angst vor den gelben Bussen. Im Gegenteil: Er nutzt sie, um einen nachhaltigen Camper zu bauen.
Bus von der Post". Schließlich würden unter den Kurzstrecken der Postboten vor allem die Motoren leiden. Und wenn man den Motor einfach ausbaut? Flowcamper-Chef Martin Hemp aus Hagen (NRW) hat jedenfalls keine Angst vor den gelben Bussen. Im Gegenteil: Er nutzt sie, um einen nachhaltigen Camper zu bauen.
Zusammen mit der Firma Naext, einem Elektro-Umbauer aus der Nähe von Hamburg, entstehen aus gebrauchten VW T5 neue E-Vans mit dem hübschen Namen Frieda Volt. (Diese E-Reisemobile gibt es schon – und diese kommen bald)

Einziger Hinweis auf den Umbau: Der Auspuff fehlt am Bulli.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Idee: Statt fabrikneue E-Fahrzeuge auszubauen, deren Fertigung viel Energie und Ressourcen kostet, werden bereits vorhandene Karosserien upgecycelt, also aufbereitet und wiederverwendet (u. a. neues Fahrwerk, Radlager, neue Sitzbezüge, Bremsen).
Der Vorteil von ausgemusterten Bussen der Post: Technisch sind sie identisch, das erleichtert den Serien-Umbau. Den Prototyp sind wir gefahren.
Das ist der Frieda Volt
Nicht nur ein elektrifizierter Bulli, sondern ein ganzheitlich nachhaltiges Van-Konzept. Das bezieht sich auch auf den Ausbau. Flowcamper setzt bei allen Modellen auf regionale Zulieferer und nachhaltige Materialien wie Fichtenholz für den Möbelbau, Ökotexstoffe, Filzverkleidung für die Wände oder Kunstlederbezüge aus Apfelresten.
Fahrzeugdaten | Flowcamper Frieda Volt |
|---|---|
Motorisierung | Naext modularer Elektromotor |
Leistung | 110 kW (150 PS) |
Drehmoment | 255 Nm |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/Vorderrad |
Batteriegröße | 72 kWh |
Länge/Breite/Höhe | 4892/1904/2030 mm |
Radstand/Bereifung | 3000 mm/245/50 R 18 |
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) | 2550/450 kg |
Liegefläche Heck L x B | 2000 x 1600 mm |
Liegefläche Dach L x B | 1850 x 1100 mm |
Kühlschrank | 21 l |
Herd | 1 Flamme |
Frisch-/Abwassertank | 12/12 l |
Heizung | elektrische Stand- und Fußbodenheizung |
Grundpreis | ab 79.900 Euro |
Das hat der Frieda Volt
Eine elektrische Stand- und Fußbodenheizung. Das Einzige, was bei Frieda Volt noch verbrannt wird, ist das Gas im Kartuschenkocher. Auf Wunsch wird der Bulli lackiert und foliert. Und statt Porta Potti gibt’s eine Trockentrenntoilette dazu.

In dem mittig verbauten Modul versteckt sich die kleine Küche.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
So fährt der Frieda Volt
Gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Ganz im Gegenteil. Der mucksmäuschenstille Motor ist ungewohnt. Dazu kommt, dass man zwar zum Anfahren nicht kuppelt, aber beim Hochschalten in die nächsten Gänge.
Sie haben richtig gelesen: Es wird gekuppelt. Denn auch das (revidierte) Getriebe des Bullis bleibt beim Umbau erhalten. Laut Hersteller liegt die Akku-Reichweite bei 300 bis 320 Kilometern.
Außergewöhnlich ist das Ladekonzept, denn Frieda Volt soll an allen gängigen Steckdosen wie Schuko, CE sowie Starkstrom geladen werden können – und damit auch auf dem Campingplatz.

Nein, kein DeLorean mit Fluxkompensator, sondern ein VW T5 mit Naext-Kompensator.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Deshalb laufen die Stromverbraucher im Aufbau über die Antriebsbatterien, werden ohne Landstrom jedoch bei einer Restreichweite von 100 bis 150 Kilometern abgeschaltet.
Damit das Netz beim Campen nicht überlastet wird, besitzt der Bus eine Ladestrombegrenzung. Auf unserer Fahrt offenbarte der Prototyp leider noch ein paar Kinderkrankheiten, an deren Kurierung Naext aktuell noch feilt.
Der Umbau
Die Idee hinter dem elektrifizierten alten Bulli ist so einfach wie clever: Tank, Verbrennermotor und Auspuff fliegen raus. Der neue Elektromotor wird an gleicher Stelle wie der Vorgänger eingebaut und an den Antrieb angeflanscht.

V. l.: Nick Zippel, Henning Behn (beide Naext-Gründer) und Martin Hemp (Chef Flowcamper)
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Dort, wo vorher der Tank saß, versteckt sich nun das 70- kWh-Batteriepaket. Das modulare System in Frieda Volt hat die Firma Naext speziell für Flowcamper entwickelt.
So muss der gebrauchte Bus nicht jedes Mal von Hagen (NRW) nach Buchholz (NI) bei Hamburg pendeln, sondern kann direkt von Flowcamper umgebaut werden. Dazu müssen allerdings die Basisfahrzeuge exakt die gleichen technischen Voraussetzungen haben (Antrieb, Getriebe, Anschlüsse etc.). Die Lösung: ausgemusterte VW-Busse von der Deutschen Post. Die sind nicht nur einheitlich, sondern auch gut verfügbar.
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