Die Camping-Branche steht an der Schwelle zur E-Mobilität: Für zwei Marken gibt es bereits Elektro-Versionen, weitere Hersteller tüfteln eifrig an Prototypen. Akku-Antrieb ist ja auch ideal für Camper, denn damit lässt sich viel Platz sparen, vor allem aber emissionsfrei und mit gutem Gewissen reisen.


Bisher waren mindestens drei Energie-Varianten parallel im Camper eingesetzt: Gas zum Kochen, Strom fürs Licht, Diesel zum Fahren. Mit E-Antrieb können Gasbombe und Sprittank rausfliegen!
Pössl E-Vanster
Der Pössl e-Vanster kann den Akku mit bis zu 100 kW Ladeleistung wieder auffüllen. Von 0 auf 80 Prozent dauert minimal 45 Minuten. Das ist nicht blitzschnell, aber okay.
Natürlich wird es dauern, bis die 7,89 lange und bis zu 4,5 Tonnen schwere Hymer B-Klasse rein elektrisch durch die Alpen schnürt – dafür ist das Gewicht der Akkus zu hoch und ihr Energiegehalt einfach noch zu klein. "Es geht mit den Kleinen los, weil bei den Großen die Reichweite noch nicht reicht", sagt Axel Sülwald, Redaktionsleiter AUTO BILD REISEMOBIL. Das sind vor allem Kleinbusse (Vans) mit Camper-Inneneinrichtung.
Ford E-Transit
Schon jetzt liefert Ford die ersten elektrischen Transit aus. Es dürfte nicht lange dauern, bis es Camping-Ausstattungen dafür gibt.
Als Nächstes kommen dann elektrische Reisemobile in der Transit-Größe. Dazu passt, dass Ford aktuell die Auslieferung des vollelektrischen Transit aus dem türkischen Werk Kacaeli begonnen hat.

Pössl e-Vanster soll bis zu 330 km weit kommen

Der Campervan-Spezialist Pössl hat bereits einen Campervan mit E-Antrieb im Programm. Der e-Vanster baut auf den Citroën e-Spacetourer. Bis zu 400 Stück sollen bereits 2022 ausgerüstet werden. Preis: ab 58.499 Euro – abzüglich der E-Auto-Förderung in Höhe von 7500 Euro. Der e-Vanster kommt also in der Basisausstattung (ohne Kochbox etc.) knapp über 50.000 Euro.
Der kleine Reisebus hat 136 PS und wird in zwei unterschiedlichen Akkugrößen angeboten. Der kleine Akku mit 50 kWh soll 224 km Aktionsradius ermöglichen, der große mit 75 kWh sogar 330 km.
Mercedes EQV Camping-Umbau von Sortimo Walter Rüegg AG // PLC
Dem Mercedes EQV gebührt die Ehre, erster Elektro-Van mit Wohnmobil-Option zu sein. Der Ausstatter Sortimo aus der Schweiz bietet eine Camping-Box dafür an.
Obwohl die Kommunikation auf der Firmenwebsite noch sehr zurückhaltend ausfällt, gibt es bereits fertige e-Vanster zu kaufen. So hat zum Beispiel ein Händler in Südschwaben ein nagelneues Fahrzeug für 57.599 Euro im Angebot. Allerdings werden sie wohl noch nicht überall ausgeliefert. Das Autohaus Melzer schreibt: ab 15. August 2022.

Sortimo bietet Camping-Box für Mercedes EQV

Doch auch andere Camper-Hersteller planen bereits mit dem E-Antrieb. Der Schweizer Ausstatter Sortimo bietet für den Elektro-Bus Mercedes EQV einen sehr leichten Umrüstsatz, auch Campingbox genannt, an. Dazu gehören auch Solarpanels mit immerhin 400 Wh. Für die Akkus mit entweder 60 oder 90 kWh Kapazität ist das zwar nur ein Energie-Tröpfchen, aber im Standbetrieb mit Licht und Kühlschrank auf dem Campingplatz hilft der Solarstrom, die Batterien zu schonen.
Der Sortimo-Ausbau ist für die Lang- und Kurzversion des EQV verfügbar. Er umfasst ein Aufstelldach mit Liegefläche für zwei Personen, sowie ein zweites Bett und eine kleine Küche im Heck der Kabine. Auch eine Kühlbox und diverse Staufächer gehören zum Einbau, der von der Heckklappe aus gut erreichbar ist.
Mercedes EQV Camping-Umbau von Sortimo Walter Rüegg AG // PLC
Sortimo stattet den Elektro-Bus EQV von Mercedes mit einem faltbaren Bett aus, sodass mehrere Personen an Bord übernachten können.
Die Matratze kann zusammengeklappt werden, dann sind die Rücksitze nutzbar. Das Schlaf- und Küchenmodul kostet zusammen umgerechnet rund 5000 Euro, das Aufstelldach 9500 Euro. Der EQV kostet ohne Förderprämie ab 69.588 Euro – inklusive Camper-Innenleben beginnt der Preis also bei rund 67.500 Euro.

VW ID.Buzz in Campingausführung so gut wie sicher

Ab Mai 2022 wird der elektrische Kleinbus VW ID.Buzz bestellbar sein. Es gilt schon als abgemacht, dass es auch eine California-Camperversion geben wird. Der Elektro-Bus mit Heckantrieb dürfte in der günstigsten Version ab ungefähr 55.000 Euro kosten. Die California-Ausführung dürfte 20.000 Euro darüber liegen. VW hat Ende 2021 angekündigt, dass der Camper-Buzz ab etwa 2025 auf den Markt kommen wird. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Ein Hubdach in dem 4,49 Meter langen Buzz dürfte jedenfalls Standard werden.

Xbus: Für jede Nutzungsart das passende Modul

Ein kompaktes Konzept hat die Firma Electric Brands aus Schleswig-Holstein ersonnen: Der Xbus erinnert an eine Trafostation auf Rädern. Und er ist ein Transformer: Mittels Modulbauweise lässt sich das Fahrgestell in diverse unterschiedliche Modelle verwandeln. Es gibt den Xbus als Bus, als kleinen Baustellenkipper, als Cabrio, als Pickup, als Kombi von mehreren Varianten – oder als Camper. Alle haben Allrad.
XBUS Prototyp
Noch ein Prototyp: Xbus aus Schleswig-Holstein. Der Minivan mit E-Motor wird mit diversen Modulen angeboten, auch als Campingbus soll es ihn geben – ab 2023.
Technische Grundlage ist eine 10 kWh starke Batterie, die 200 km weit tragen soll. Oder optional ein 30-kWh-Akku für bis zu 600 km Reichweite. Allerdings sollte dazu die Reisegeschwindigkeit eher Landstraßen als Autobahntempo betragen, betrachtet man die steile Front des Xbus. Zum Camping-Modul I und II gehören eine Liegefläche für zwei, ein Aufstelldach zum Arbeiten mit Stehhöhe, eine Mini-Küche mit Spüle, Kühlbox und Herd sowie TV-Bildschirm. Auch ein Solardach gehört dazu.
Die Höchstgeschwindigkeit gibt Electric Brands mit 100 km/h an. Das Büsschen ist 3,94 Meter lang, wiegt aber inklusive Besatzung nur 1,6 Tonnen. In der Version mit kleinem Akku soll der Xbus-Camper ab 29.480 Euro kosten. Konfigurieren und bestellen geht jetzt schon, Auslieferung ist für 2023 geplant.

Von

Roland Wildberg