Mikrobus, Pick-up, Camper oder Cabrio: Der elektrische Xbus vom Hersteller Electric Brands aus Itzehoe (Schleswig-Holstein) kann alles sein. Das Beste daran ist, dass man die verschiedenen Aufbauten auf dem heimischen Parkplatz wechseln kann – dazu braucht es weder Fachpersonal noch Spezialwerkzeug. Und das bei mehr als kompakten Abmessungen, denn die Standardvariante ist nur 3,95 Meter lang, 1,63 Meter breit und 1,96 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,20 Meter. Es gibt noch eine höhergelegte Offroadvariante, die ist sechs Zentimeter breiter und acht Zentimeter höher. Mit diesen Maßen und einem Leergewicht von nur 450 bis 600 Kilo gehört der Xbus in die gleich Klasse wie der Renault Twizy oder der Microlino (hier geht's zum Fahrbericht). Deshalb dürfen leider auch nur maximal drei Leute mitfahren.
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Der Xbus ist nicht nur für private Zwecke gedacht, sondern auch als Nutzfahrzeug. Je nach Aufbau passt ordentlich was rein, trotz der überschaubaren Abmessungen: Als normaler Bus beträgt das Kofferraumvolumen 1300 Liter, mit umgeklappten Sitzen werden es 2770 Liter. Der Pick-up fasst 1150 Liter, mit Doppelkabine allerdings nur 480 Liter. Den meisten Stauraum bietet der große Kofferaufbau: 6430 Liter. Allerdings sind bei der Zuladung Grenzen gesetzt: Maximal 1600 Kilo dürfen mit. Ob der Xbus einen Anhänger ziehen darf, ist noch nicht bekannt. Wem das alles bekannt vorkommt, für den gibt es hier die Auflösung: Das Konzept wurde schon 2020 vorgestellt; damals trug das Fahrzeug noch den niedlichen Namen eBussy und existierte nur digital auf Renderings. Jetzt gibt es die ersten Prototypen und eben auch einen neuen Namen.
XBUS Prototyp
Die Cabrio-Variante (Bild) bietet zusätzlich eine kleine Pritsche. Hier sollen z. B. Surfbretter ihren Platz finden.

Im Electric Brands Xbus werden die Fahrstufen übers Lenkrad ausgewählt

Bulli-Freunde werden das nicht gern lesen, aber das Design erinnert etwas an einen geschrumpften VW T3. Neben der grundsätzlichen Form tragen weitere Details dazu bei, etwa das dunkle Zierelement an der Front, auf dem links und rechts die runden Scheinwerfer und mittig das Markenlogo untergebracht sind. Im Innenraum erinnern das große, schnörkellose Lenkrad und das eckig wirkende Armaturenbrett an den VW. Davon kann auch das 10,2 Zoll große aufgesetzte Zentraldisplay nicht ablenken, das sich selbstverständlich per Apple Carplay und Android Auto ans Handy koppeln lässt. Es übernimmt offenbar auch die Tachofunktion – jedenfalls ist auf den Bildern kein Geschwindigkeitsmesser zu erkennen. Das Volant ist übrigens eine eigenwillige Interpretation des Begriffs "Multifunktionslenkrad". Sechs riesige Tasten sind an den beiden Speichen angeordnet. Über die vier waagerechten wählt man die Fahrstufen aus, die beiden senkrechten Knöpfe pro Seite wechseln den Radiosender oder das Lied und regeln die Lautstärke. Die Serienausstattung ist spartanisch. 16-Zoll-Felgen, Stoffsitze und schlüsselloser Zugang sind immer dabei, aber auch ein Solardach, das die Batterie lädt. Klimaanlage, Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Ledersitze und Laminatfußboden sind aufpreispflichtig.
XBUS Prototyp
Der Innenraum ist sehr funktional gehalten. Wenn das frei stehende Display nicht wäre, könnte er auch aus den 80ern stammen.

1200 Nm und bis zu 800 Kilometer Reichweite

Beim Antrieb gibt es keine Wahlmöglichkeiten: Der Xbus kommt immer mit vier Radnabenmotoren, die 15 kW (20 PS) erzeugen. Kurzzeitig sind 56 kW (76 PS) möglich. Demgegenüber steht ein beachtliches Drehmoment von 1200 Nm. Wegen der vier Motoren hat das Elektroauto immer Allradantrieb und kann sich wie der Rivian-Pick-up auf der Stelle drehen. Diese Funktion ist allerdings aufpreispflichtig. Zu den Fahrleistungen gibt es noch keine Angaben, die Höchstgeschwindigkeit soll aber unter 100 km/h liegen. Bei den Akkus setzt Electric Brands auf ein Modulsystem. Ab Werk sind 10 kWh an Bord, aufgeteilt auf acht Batterien mit je 1,25 kWh. Das Ganze lässt sich aber auf bis zu 30 kWh erweitern. Der Einfachheit halber werden die Akkus immer im Viererpaket verkauft. Die Reichweite wird mit 200 bis 800 Kilometern angegeben, an einem Schnelllader sollen die Batterien in weniger als einer Stunde wieder aufgeladen werden. Zusätzlich liefert das Solardach, dessen Fläche je nach Aufbau unterschiedlich groß ist, Strom für bis zu 200 Kilometer am Tag. Außerdem sollen Tauschstationen installiert werden, an denen man geladene Akkus bekommt.
XBUS Rendering
Als Camper kommt der Xbus unter anderem mit Hubdach und Frischwassertank.

Keine Umweltprämie für den Xbus

2022 sollen die ersten Exemplare ausgeliefert werden. Dazu kann man das Auto bereits online reservieren, gegen eine Gebühr in Höhe von zehn Prozent des Kaufpreises. Der ist tatsächlich nicht ganz günstig: Die Basis mit Pritsche kostet mindestens 17.380 Euro, den Bus gibt es ab 21.560 Euro. Für den Offroadcamper, der serienmäßig mit Küche, Frischwassertank, Kühlschrank, Fernseher und 2,10 mal 1,30 Meter großer Liegefläche ausgestattet ist, werden mindestens 31.680 Euro fällig. Weil der Xbus als Leichtfahrzeug zugelassen wird, gibt es für ihn leider keine Umweltprämie.